Review

Dracula: Prince of Darkness (2013)

Genre: Fantasy | Erscheinungsjahr: 2013 | FSK: ab 16

Weil mein Hunger nach Fantasyfilmen aus Mangel an entsprechenden AAA-Titeln auch in Zukunft ungestillt bleiben wird, und mich neulich der Blick mit „Schattenkrieger – The Shadow Cabal“ in die B-Movie-Ecke ausreichend gut unterhalten hat, werde ich weiterhin dem einen oder anderen günstigen Machwerk eine Chance geben – insofern der Ersteindruck stimmt. So landete nun „Dracula: Prince of Darkness“ dank ansprechendem Cover und nicht ganz so billig wirkendem Trailer in meinem Player. Und wieder war ich trotz gewisser Defizite recht zufrieden.

 Dracula trifft auf Prinzessin Fantaghiro

Kennt Ihr noch das italienische Schmalzmärchen Prinzessin Fantaghiro aus den 90ern, bei dem Lamberto Bava Regie führte? Als Jugendlicher habe ich mir die Serie gerne in den Winterferien reingezogen, die in mancherlei Hinsicht gewisse Parallelen zu Dracula: Prince of Darkness aufweist, wobei der Fürst der Vampire zum Glück dann doch nicht ganz so kitschig daherkommt.

Die Geschichte wird von einem animierten Intro à la 300, das sich wirklich blicken lassen kann und Hoffnung auf eine im Verhältnis ordentliche Produktion macht, gut eingeführt: Als Dracula einst auszog, um das Abendland vor Feinden zu verteidigen, kommt es daheim zu einem Putsch, der das Leben seiner geliebten Frau kostet. Nach seiner Rückkehr von Trauer übermannt, rächt er sich grausam an die Verräter und löst sich vom Christentum ab, um mittels Praktiken schwarzer Magie zum gefürchteten Vampiren zu werden. Hundert Jahre später zieht Van Helsing mit der hübschen Kreuzritterin Alina aus, um dem dunklen Fürsten den Gar aus zu machen. Alina, die Draculas längst verstorbener Frau wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht, lässt Dracula glauben, dass sie die Reinkarnation seiner Liebsten ist.

Das Drehbuch geht in Ordnung, das gilt sowohl für die Handlung selbst, die mit wenigen Längen auskommt, als auch für die Dialoge. Denn obwohl nicht jede Reaktion nachvollziehbar ist, so verliert der Anführer einer Diebesbande all seine Kumpane, schließt sich aber ohne großes Gezeter Van Helsing und Alina an, wirken die Gespräche insgesamt doch glaubhaft. Auch die meisten Darsteller spielen ihre Rollen mit nur gelegentlichem Overacting weitestgehend überzeugend. Die Kämpfe sind im Verhältnis gut choreographiert, sind manchmal etwas hölzern, Schnitzer wie Schläge, die am Ziel vorbeigehen, sucht man jedoch vergebens. Bessere Duelle sind locker möglich, weit schlechtere ebenso. Über einen ordentlichen Titten-Bonus freut „Mann“ sich auch ganz gerne, zumal die meisten der von Dracula bezirzten Untertanen wirklich attraktiv sind.

Besonders die Protagonistin Alina macht nicht nur wegen ihrem hübschen Äußeren eine gute Figur, die in einer Szene, zur Freude des männlichen Publikums, ebenfalls blank zieht. Ihr Charakter ist ähnlich aufbrausend wie die bereits erwähnte Prinzessin Fantaghiro. Weitere Gemeinsamkeiten mit dem italienischen Mehrteiler ist nicht nur die theatralisch überspitzte Romantik, sondern das gesamte Bühnenbild an sich. Zwar ist Draculas Schloss deutlich sichtbar dem Computer entsprungen, die restlichen Kulissen wurden aber recht hochwertig per Hand geschaffen und haben diesen professionellen Modellbau-Touch. Man erkennt sofort, dass die Steinwände und Säulen aus Styropor bestehen, doch das Ergebnis hat seinen eigenen Charme. Auch die Kostüme wirken authentisch und sind nicht bloß x-beliebige Larp-Klamotten. Nur die Geheimwaffe, mit der es möglich ist, den unsterblichen Dracula ins Jenseits zu befördern, sieht nicht zuletzt wegen der fragwürdigen Funktionalität ziemlich billig aus. Zum Glück wird dieses grässliche Teil nur selten in die Linse gehalten.

Trailer

Benny

Fazit

Wer nur mit Hollywood-Blockbuster glücklich wird und B-Movies generell ablehnt, der sollte Dracula: Prince of Darkness unbedingt im Regal stehen lassen. Es gibt nämlich genügend Ecken und Kanten, mit denen der Perfektionist garantiert nicht warm wird, wobei dieser Streifen aufwendig genug produziert wurde, um sich vom billigen Trash, der nach dem schnellen Geld trachtet, abzugrenzen. Wer mit dem besonderen Charme eines gelungenen B-Movies etwas anfangen kann, sollte zumindest im Verleih einen Blick riskieren.

Wertung: 7.0

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