Review

Dead Nation: Apocalypse Edition

Genre: Twin-Stick Shooter | Plattform: PS4 | Preis: 15 EUR | USK: 18

Einer der erfolgreichsten PSN-Titel der letzten Konsolen-Generation feierte dieser Tage sein Comeback auf der PS4 und wird seitdem von einigen Spielern aber vorwiegend von der "Fachpresse" mit mittelmäßigen Wertungen abgestraft. Dass man sich stets seine eigene Meinung bilden sollte, das wissen die CouchCastle-Leser natürlich nicht erst seit Thief, aber dennoch muss ich hier einmal ein deutliches Gegen-Signal zu den teils unfairen Bewertungen für Dead Nation: Apocalypse Edition setzen!

Was bisher geschah...

In Dead Nation - für diejenigen, die es auf der PS3 verpasst haben - geht es um die virenverursachte Ausbreitung einer Zombie-Plage. Als Spieler zieht man wahlweise als Ein-Mann-Armee oder als Koop-Duo gegen die Untoten ins Felde. Auf technisch hohem Niveau haben die Entwickler von Housemarque (RESOGUN, PS4) die Twin-Stick Shooter Steuerung eines Super Stardust HD aufgebohrt und auf ein Zombie-Szenario übertragen. "Einfach zu erlernen, schwierig zu meistern", trifft hier vollends zu. Mit dem linken Stick steuert man seine Spielfigur aus einer leicht schrägen Draufsicht mit vorgegebener Kamera. Mit dem rechten Stick wird unabhängig von der Bewegungsrichtung gezielt. Die Schultertasten dienen dem Feuern der ausgewählten Waffe bzw. dem Einsatz von Granaten und ähnlichem Equipment. Das Steuerkreuz wird verwendet, um zwischen verschiedenen Waffen und Equipment zu wechseln. Fortgeschrittene Techniken beinhalten den Ansturm - einen kurzen Sprint in die aktuelle Laufrichtung - sowie einen Nahkampfangriff.

Die recht linear aufgebauten Levels, die aber hier und da mit überraschend umfangreichen Geheimbereichen garniert sind, sind durch Checkpoints in Bereiche unterteilt, an deren Start man sich bei einem Waffenladen mit Munition und Upgrades ausrüsten kann. Um das nötige Kleingeld zu bekommen, gilt es nicht nur Zombies zu plätten, sondern Auto-Kofferäume und über die Levels verstreute Kisten zu öffnen. Je Level sind auch noch die seltenen Rüstungskisten versteckt, die neben einem Rüstungsteil mit verbesserten Attributen auch jede Menge Bargeld enthalten. Gelegentliche Drops von Gesundheitspäckchen erweisen sich oftmals als Lebensretter, dürfen bei voller Gesundheit durch einen beherzten Tritt aber auch in Bargeld verwandelt werden.

Neben der eigentlichen Bewältigung der Kampagne, deren Story - sofern man sie so nennen möchte - das bißchen Klebstoff zwischen den Levels, steht die Highscore-Jagd ganz klar im Vordergrund von Dead Nation. Und hier wird es fordernd: Je länger man überlebt, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen, erhöht sich mit jedem Kill ein Punkte-Multiplikator. Besonders fies: Tötet man einen Zombie auf sehr kurze Distanz fällt dieser Multiplikator-Zuwachs höher aus, als wenn man auf sichere Entfernung agiert. In landes- und weltweiten Ranglisten je Level und Schwierigkeitsgrad getrennt nach Solo oder Koop, kann man dann genau erkennen, wie man gegen seine Freunde abgeschnitten hat. Nettes Gimmick: In einem Länder-Ranking kann man sehen, wieviele Zombies die Spieler eines Landes insgesamt beseitigt haben.

Im Westen nichts Neues?

Handelt es sich nun bei der Apocalypse Edition für die PS4 nun um eine reine eins-zu-eins Portierung der PS3-Version? Definitiv nein. Es stimmt, dass die Apocalypse Edition weder neue Levels noch neue Charaktere oder Waffen enthält. Es vereint lediglich die Inhalte des Basis-Spiels und des DLCs Road of Devestation in einem Paket.

Die Entwickler geben an, das Spiel würde nun mit vollen 1080p Auflösung laufen und nicht mehr in 720p. Leider wird dem Spiel zum Verhängnis, dass es schon mit der niedrigeren Auflösung auf der PS3 unglaublich gut aussieht, weshalb das Update auf 1080p bei ausreichendem Abstand zum Fernsehgerät kaum auffällt.

Ja aber, was hat sich denn dann geändert, was die schlechten Bewertungen meiner Meinung nach nicht rechtfertigen soll? Hierzu sei mir bis zu diesem Punkt die Frage an den fachkundigen Reviewer erlaubt, weshalb ein identisches und zudem technisch einwandfreies Spiel auf der nächsten Konsolengeneration schlechter abschneidet, als auf der Vorgängergeneration? Nur weil es wiederholt "auf den Markt geschmissen" wird? Es soll ja Menschen geben, die eine PS4 besitzen, obwohl sie gar keine PS3 hatten. Für die ist das Spiel sogar komplett neu!?

PS4-Potential sinnvoll nutzen

Nach tiefem Durchatmen, möchte ich nun vorstellen, mit welchen Neuerungen die PS4 Version von Dead Nation aufwarten kann.

Der Controller spricht. Das ist zunächst einmal nichts Neues, denn auch andere Spiele unterstützen diesen Lautsprecher im Controller bereits. Bei Dead Nation macht es aber zusätzlich auch Sinn: Die aktuelle Waffe wechselt man, in dem man mittels Richtungstasten durch alle verfügbaren Waffen blättert. In der Hektik des Geschehens kann ein Blick auf das Waffensymbol über Leben und Tod entscheiden. Daher verlasse ich mich gerne auf die weibliche Stimme, die den Namen der soeben ausgerüsteten Waffe nennt. Bisher wurde ein Waffenwechsel auch durch eine weibliche Stimme bestätigt, was zwischen dem Stöhnen der Zombies und den explodierenden Autos schonmal untergehen konnten. Da diese Ansage nun direkt aus dem Controller kommt, ist es einfach deutlicher zu verstehen.

Die Problematik des Waffenwechsels haben die Entwickler übrigens durch eine nützliche Schnellwahl-Funktion entschärft: Die bisher ungenutzten Tasten X, Quadrat, Dreieck und Kreis können nun mit einer Waffe oder einem Ausrüstungsgegenstand frei belegt werden, was den gezielten Waffenwechsel enorm vereinfacht.

Nächstes Feature: Remote Play auf der PS Vita. Eine Umsetzung von Dead Nation für die tragbare Sony-Konsole war schon längere Zeit im Gespräch. Nun kam relativ unerwartet die PS4-Version. Und diese ermöglicht mit dem Remote Play Feature die Wiedergabe auf der PS Vita. Und was soll ich sagen? Es spielt sich auch auf dem kleinen Display hervorragend. Einzig die L2 und R2 Knöpfe sprechen nicht immer sofort an. Es erfordert etwas Übung, das rückseitige Touchpad im Eifer des Gefechts richtig zu berühren. Vorbildlich: Sobald Dead Nation erkennt, dass die Remote Play etwas schlechter wird, geht es automatisch in den Pause-Modus. Bei anderen Titeln passiert es auch schonmal, dass die Verbindung abreisst, das Spiel aber ohne Pause auf der PS4 weiterläuft.

deadnation2

Und noch eine technische Spielerei: Die PlayStation-Begleit-App (gruseliger Name, aber so heißt das Ding tatsächlich). Über die Second Screen Funktion kann ich mir auf dem Smartphone, dem Tablet oder der PS Vita Live-Statistiken anzeigen lassen. Dort habe ich die ganze Zeit im Blick, wieviele Kisten und Kofferräume ich schon durchsucht habe, was ich sonst erst am Ende eines Levels angezeigt bekomme. Hilfreich für Perfektionisten, die Levels zu 100% abschließen möchten.

"Wie hat der das geschafft?" Das fragt man sich manchmal, wenn man die Highscores seiner Freunde oder anderer Spieler sieht. Diese Frage lässt sich nun beantworten, da auf der PS4 nicht nur die Punkte selber, sondern auch die Ghost-Daten gespeichert werden, wie jemand ein Level absolviert hat. Im Herausforderungsmodus kann man dann gegen den Ghost eines Freundes antreten.

Und das Beste zum Schluß: Der Broadcast+ Modus. Mittlerweile dürfte bekannt sein, dass die PS4 durch Druck auf den Share-Button in der Lage ist, das aktuelle Spielgeschehen als Stream über Twitch oder Ustream zu übertragen. Mit Broadcast+ bietet Dead Nation einen neuen Schwierigkeitsgrad, bei dem die Zuschauer des Streams darüber abstimmen, welche positiven oder negativen Einflüsse als nächstes im Spiel wirken sollen. Das beginnt bei relativ harmlosen positiven Änderungen, wie einer leicht erhöhten Geschwindigkeit des Spielers. Es kann auch negative Effekte geben, wie einem Extra-Mob voller Zombies, der plötzlich erscheint. Es gibt aber auch richtig fiese Kombinationen, wie ich am eigenen Leibe dank meiner schadenfrohen Zuschauer erfahren durfte: Dort wurde mir zunächst der Ansturm temporär genommen (die Möglichkeit, per kurzem Sprint, einer gefährlichen Situation zu entgehen). Als nächstes wurde für eine zusätzliche Springer-Angriffswelle gestimmt. Springer sind unliebsame Zeitgenossen, die in hohem Bogen auf den Spieler springen und ihn je nach Schwierigkeitsgrad mit ein bis zwei dieser Sprünge töten. Leider kann man diesen Springen nur mit dem Ansturm sinnvoll ausweichen. Ihr dürft mal raten, wie lange ich noch gelebt habe. Aber: Es gibt auch einen Lichtblick für den Spieler, der das alles ertragen muss, was ihm die Zuschauer an den Hals wünschen. Jeder Voting-Teilnehmer erscheint als benannter Zombie im Spiel und darf dort vom Spieler genüsslich niedergemetzelt werden. Flammenwerfer gefällig? Bitteschön!

Trailer

Christian

Fazit

Dead Nation: Apocalypse Edition ist definitiv das bessere Dead Nation. Und da zähle ich noch nicht mal das Argument rein, dass es für PS+ Abonennten im März kostenlos Teil der Instant Game Collection ist. Es bietet spielerisch denselben Inhalt, den Dead Nation und das spätere DLC Road of Devestation enthält. Dazu kommen die oben genannten Features wie Second-Screen Unterstützung, Ghost-Daten anderer Spieler, Remote Play sowie der Broadcast+ Modus. Wer nicht eine grundlegend ablehnende Haltung gegenüber dem Zombie-Thema hat, gerne fordernde Twin-Stick-Shooter spielt und zudem einen Reiz darin sieht, auf Highscore-Jagd zu gehen, dem kann ich Dead Nation auf der PS4 nur wärmstens empfehlen. Und wer noch keine PS4 hat, aber eine PS3 besitzt, für den spreche ich auch (erneut) eine Kauf-Empfehlung für Dead Nation auf der PS3 aus.

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