Videospiele

PlayStation 4: Die Aussichten 2014

Benny schaut auf die kommenden Monate

Ich war dabei, am 29. November 2013, Schlusslicht einer Schlange von über 250 Menschen, die darauf wartete, dass der örtliche Media Markt pünktlich die Pforten öffnet.  Eine solche Versammlung ist hier schon eine kleine Sensation, auf der Schwelle zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg, und dass sogar einige Leute vor dem Geschäft campiert haben, erinnerte an Szenen aus Amerika oder Japan, wenn eine brandneue Konsole das Licht der öffentlichen Welt erblickt. Allerdings stand ich nicht für die PlayStation 4 an, sondern nur für „Super Mario 3D World“, das zufällig am selben Tag seinen Verkaufsstart feierte. Dass ich nur das Spiel und nicht wegen dem ganz großen Hype anstand, das wollte mir keiner meiner Smalltalk-Partner abnehmen, umso besser waren später die Blicke, als ich meine Worte in die Tat umsetzte. Warum ich aber nicht mit dem Gedanken spielte, mir die PS4 zuzulegen, hatte zwei ganz einfache Gründe.

Schlechtes Spieleangebot zum Launch

Erstens plagt sich die neue Hardware oft mit nervigen Kinderkrankheiten herum, im Falle der PS4 waren es die Gummierung der Analogsticks, die sich bei bestimmten Chargen auflöste und ein Spielestand-Bug, der dafür sorgte, dass die Speicherstände unbrauchbar wurden. Sehr ärgerlich, doch das System-Update, das dieses Problem löste, kam sehr schnell. Und auch die Charge mangelhafter Controller tauschte Sony anstandslos um, bzw. sind neue Geräte, wenn sie denn vorrätig sind, einwandfrei. Zweiter Grund, warum ich mir keine Konsole mehr zum Launch zulegen werde, ist der Spielemangel zu Beginn. Am 29. November hätte ich nur zwei Titel nennen können, die mich halbwegs interessiert hätten, erst zwei Monate später, am 31. Januar 2014, kam das erste Spiel, das für mich ein Pflichttitel ist – die Portierung von Tomb Raider in der sogenannten Definitive Edition. Sie ist grafisch nicht nur deutlich aufgebohrt worden, unglaublich, wie toll die Texturen ausschauen. Es sind auch alle bisherigen Download Contents enthalten. Ob die Version für die neue Konsolengeneration nun den Vollpreis wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich habe meine PS3 Version rechtzeitig veräußert, so dass ich die Definitive Edition quasi kostengünstig bekommen habe, als der Media Markt um die Ecke endlich zehn Exemplare der heiß begehrten PlayStation 4 vorrätig hatte (für wenige Stunden) und ich schließlich doch zugriff.

Warum nun doch so kurz nach dem Launch? Den zweiten Durchgang von „Tomb Raider“ habe ich mir extra für die Definitive Edition aufgespart, so dass ich bereits jetzt für einige Stunden unterhalten werde. Außerdem wanderte beim Kauf der Konsole gleichzeitig Killzone: Shadow Fall über die Ladentheke. Wer mich kennt, wird verwundert sein, so habe ich kaum bis nichts mit First Person Shootern am Hut. In diesem Fall wollte ich gerne für die gewisse Abwechslung einen zweiten Titel im Regal stehen haben und auch der Sci-Fi-Bonus ließ mich zugreifen. Und ich wurde auch tatsächlich so gut unterhalten, dass ich das gut zehnstündige Spiel am Wochenende durchgespielt hatte.

Doch was ist, wenn ich auch „Tomb Raider“ erneut durchgespielt habe? Droht dann die typische Launch-Spieleflaute?

PlayStation 4: Der Ausblick auf das nächste halbe Jahr

Mitnichten, denn bereits nächste Woche steht ein weiterer Titel an, den ich mir zulegen werde. Das Reboot von Thief vom selben Publisher von „Tomb Raider“, Square Enix, der momentan einen Sinn für das perfekte Timing zu haben scheint und angesichts des sonst mittelmäßigen Spieleangebots sicher mit entsprechenden Verkaufszahlen belohnt wird. Ich freue mich jedenfalls darauf, als Dieb Garrett in bester Stealth-Manier im mittelalterlich-viktorianischen London lange Finger zu machen und alles einzustecken, was nicht niet- und nagelfest ist.

Im März erscheint auch schon das Open World-Abenteuer inFAMOUS: Second Son, in dem der Spieler in die Rolle des 24-jährigen Delsin Rowe schlüpft, der die Fähigkeit besitzt, Rauch zu manipulieren, ihn zu bewegen oder sich in ihn zu verwandeln. Während die Vorgänger bereits recht gelungen waren, wird der PS4-Ableger vor allem von den Ressourcen der Konsole profitieren, die eine tolle Spielwelt auf den Bildschirm zaubern wird. Screenshots und Trailer sehen optisch bereits fabelhaft aus.

Und auch im zweiten Quartal wird die Konsole scheinbar gut versorgt. Da steht der große Name Final Fantasy XIV im Raum. Nachdem das MMORPG bereits für die letzte Konsolengeneration erschienen ist, steht der Release der PS4-Version an. Für mich jedoch uninteressant, da ich MMORPGs generell aus dem Weg gehe. Zombie-Fans werden mit Dying Light auf ihre Kosten kommen, Rennspielfreunde dürfen sich auf DriveClub freuen, wenn der Titel denn nicht wieder verschoben wird – DriveClub war nämlich einst als Launchtitel geplant. Bound by Flame wird das erste interessante Action-Rollenspiel für die PS4 sein, das ich alter RPG-Haudegen definitiv im Auge behalten werde. Erstes Bildmaterial macht bereits einen soliden Eindruck. Mit Watch Dogs liefert Ubisoft einen weiteren Open World-Titel, in dem der Spieler den Hacker Aiden Pearce lenkt. Die Möglichkeiten klingen vielversprechend, so ist es unter anderem möglich, Ampelanlagen zu manipulieren und damit den Verkehr lahmzulegen. Jedoch interessiert mich „Watch Dogs“ persönlich weniger, da mir der Stil insgesamt weniger zusagt, dennoch dürfte das Spiel gewiss Abnehmer finden.

Shinji Mikami, Erfinder der „Resident Evil“-Reihe, wird das 2. Quartal mit dem Horrorspektakel Evil Within abschließen. Ich bin sehr gespannt, wegen Shadows of the Damned, seinem letzten Werk, aber auch gewissermaßen skeptisch, da er sich damit nicht allzu sehr mit Ruhm bekleckert hat. Andererseits ist es auch gut möglich, dass dieser Aussetzer am schlechten Einfluss von Suda 51 lag, mit dem er den Titel zusammen entwickelt hat. Wer weiß…

Und was hat das Jahr 2014 noch zu bieten?

Unter weiteren Veröffentlichungen wird sicher für jeden etwas dabei sein: Sollte sich das „Alien: Colonial Marine“-Debakel nicht wiederholen, können sich Fans des Alien-Universums auf Alien: Isolation freuen, ein Überlebenskampf mit Ripleys Tochter als Protagonisten. Doch wegen „Alien: Colonial Marine“ genieße ich diese Ankündigung noch mit äußerster Vorsicht. Große Versprechen gab es damals auch  und das Fazit haben wir dann alle erlebt.

The Order: 1886 dürfte zum Jahresende ein echter Blockbuster werden. Dieser 3rd-Person-Shooter spielt ebenfalls in der viktorianischen Epoche Englands, mit gewissen Fantasie-Elementen. „The Order: 1886“ wird grafisch wohl alles bis dahin auf der PS4 gesehene in den Schatten stellen. Zugegeben, die von Filmen bekannten Balken beschneiden sicher nicht den Bildschirmanteil nur aus Stilgründen, wie es die Entwickler Glauben machen wollen, denn dieser Trick erlaubt es, für die übrige Bildschirmfläche mehr Ressourcen einzusetzen, doch so oder so, „The Order: 1886“ dürfte ganz großes Videospielkino werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf, zumal mich die Balken auch bei „Dragon’s Dogma“, meinem persönlichen Spiel des Jahres 2012 nicht im Geringsten gestört haben.

Ein weiteres Highlight für viele wird mit Sicherheit Destiny von den Bungie Studios, den Entwicklern von „Halo“ sein. Ein Mehrspieler-Ego-Shooter, der das bis dato teuerste Videospielprojekt ist. Noch bin ich unentschlossen, ob ich hier zugreifen werde. Wie gesagt, ich bin kein Ego-Shooter-Fan, bin aber mit „Killzone: Shadow Fall“ bereits wieder in die Egoperspektive geschlüpft und habe meinen Spaß gehabt. Und da „Destiny“ auch einen ordentlichen Sci-Fi-Bonus erhält, will ich nichts ausschließen. Ausschlaggebend dürfte mein Freundeskreis werden.

An zweiter Stelle meiner heiß ersehnten Titel 2014 für die PS4 steht Witcher 3: Wild Hunt, ein düsteres West-RPG, das nun in die dritte Runde geht. Insbesondere der Erstling war ein erfrischend düsteres wie dreckiges Rollenspiel, bei dem man sich nie sicher sein konnte, ob die verschiedenen Charaktere wirklich vertrauenswürdig sind, so hat sich beispielsweise ein alter Greis als Kannibale entpuppt, während sich ein Lykaner als Freund herausstellte. Auch der für Videospielverhältnisse erwachsene Umgang mit Sex war erfrischend. Alles in allem zähle ich „The Witcher“ mittlerweile zu meinem Lieblings-West-Rollenspiel, das EA mit „Dragon Age“ versucht hat, zu kopieren. Apropos „Dragon Age“. Ein dritter Teil steht dieses Jahr ebenfalls an, nach dem katastrophalen zweiten Teil für mich aber nicht weiter von Interesse.

Und auch Diablo 3 wird im Laufe des Jahres für die nächste Konsolengeneration erscheinen, samt Add-On "Reaper of Souls". Neben verbesserter Grafik sollten auch die häufigen Miniruckler Geschichte sein und das Touchpad des DualShock 4 die ohnehin intuitive Steuerung nochmals optimieren. Ich freue mich schon darauf, "Diablo 3" mit meiner Frau vom Sofa aus zu spielen. Vielleicht stößt Piet mit seiner Freundin dann noch via Internet dazu.

Das war’s schon?

Natürlich nicht, denn zum einen habe ich nicht alle Retail-Spiele aufgeführt, da es diesen ohnehin schon langen Artikel sprengen würde. Zum anderen werden auch kleine Indie-Perlen den PSN-Store füllen. Bereits jetzt kann ich das Noir-Action-Adventure Contrast empfehlen, das ich allerdings auf der PS3 gespielt habe. Wer den Ausnahmetitel "Flower" verpasst hat, kann sich nun die leicht verbesserte Next-Gen-Version zulegen. Besitzer der PS3-Version erhält die neue Fassung kostenlos. Mit Outlast steht ein harter Schocker zum Preis von knapp 20 Euro bereit, PS+ Mitglieder dürfen sich den Titel diesen Monat sogar kostenlos herunterladen. Im April werde ich mir den verrückten Octodad gönnen. Die Trailer sind herrlich schräg, das Spiel laut ersten Wertungen gelungen. Zwei Indie-Pflichttitel für mich sind noch das Puzzle-Adventure Pavilion und Rime, der Titel, der ganz oben auf meiner Liste aller PS4-Titel im Jahr 2014 steht. Der bisherige Trailer hat mich sofort verzaubert und erinnert direkt an das Action-Adventure „Ico“, das durch seine leise, sentimentale Atmosphäre glänzte.

Und wenn es doch zum Leerlauf kommt?

Ich schätze, die PlayStation 4 wird im ersten Jahr außergewöhnlich gut versorgt werden und kommt es doch zum Leerlauf, wird meine Zweitkonsole, die Wii U, angeschmissen. „Mario Kart 8“ im Mai, „Bayonetta 2“ irgendwann im Sommer und vor allem „X“, geistiger Nachfolger von „Xenoblade“ ist mein konsolenübergreifendes Most-Wanted 2014, schließlich war „Xenoblade“ mein persönliches Spiel der letzten Konsolengeneration. Ein Leerlauf wird mir garantiert nicht drohen.

Und die Xbox One? Sie ist mir nur ein kleiner Seitenhieb wert. Sie kostet 100 Euro mehr als die PS4, ist leistungsmäßig ein gutes Stück unterlegen, hat ein schwaches Exklusivangebot und die Multititel ruckeln teils erheblich, bzw. halten optisch längst nicht mit. Hinzu kommen fragwürdige Gängelungsversuche, die zwar vor dem Erscheinen der Konsole nochmals größer geplant waren, für mich aber auch jetzt ein absolutes No-Go sind. Anstatt die Konsole dauerhaft online sein muss, müssen es manche Spiele. Sehr kundenfreundlich. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass die Xbox One wie Blei in den Regalen liegt und die PS4 bei Nachlieferung ruckzuck ausverkauft ist.

Bevor ich 500 Euro für eine überteuerte Konsole ausgebe, lege ich nochmals 200 drauf und bin mit der Kombi PS4 und Wii U bestens versorgt.

Benny

Fazit

In der Blüte meines Lebens kann ich sagen, dass ich bereits diverse Konsolenstarts miterlebt habe, doch ich kann mich nicht entsinnen, dass jemals eine Konsole bereits im ersten Jahr so gut versorgt wurde. Gut, wollen wir das Jahr nicht vor der Silvesternacht loben. Sämtliche Titel müssen sich noch bewähren, bzw. müssen sie überhaupt erst erscheinen. Erinnere ich mich an die Wii U-Version von „Alien: Colonial Marines“ ist das ja scheinbar keine Selbstverständlichkeit. Unterm Strich kann ich jedoch sagen, dass ich bereits jetzt sehr zufrieden mit dem Kauf der PlayStation 4 bin und auf eine tolle Spielezukunft blicken kann. Denn die ganz großen Titel werden erst in den nächsten Jahren erscheinen: „God of War“, „Uncharted“, vielleicht sogar ein „The Last of Us 2“ oder gar das lang ersehnte „The Last Guardian“? Und wer weiß, was noch alles von den Indies kommen wird, die Sonys Unterstützung sehr schätzen. PlayStation 4, wir werden noch sehr viel Spaß haben. Ich heiße Dich in Deinem neuen Zuhause willkommen!

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