Filmtipp

Die Jagd (2012)

Regie: Thomas Vinterberg | Genre: Drama | FSK: ab 12

Im Laufe der letzten Jahre haben skandinavische Filme auf sich aufmerksam gemacht, da sie im Gegensatz zu amerikanischen scheinbar keine Tabus kennen und im Gegensatz zu asiatischen Filmen nicht aus allem eine Kunst machen, sondern sehr bodenständig mit ihrem Setting bleiben. Das bietet eine schöne Abwechslung und eine nette Auswahl an unscheinbaren Filmen, die für Film-Enthusiasten ein bisschen frischen Wind auf die Leinwand bringen. Nach einigen schwarzen Komödien à la "Adam's Äpfel" landete bei mir nun mit "Die Jagd", ein ernstes Drama, im Player, das mir wieder nur beweist, dass die Filmemacher des Nordens nicht nur bei Komödien kein Blatt vor den Mund nehmen.

Es könnte alles so schön sein

Mads Mikkelsen, der den Mainstream spätestens seit James Bond "Casino Royale" als Bösewicht kennengelernt hat, steckt neben etlichen derberen und provokanten Rollen in der Rolle des Lucas, ein ehemaliger Lehrer, der nun in einem Kindergarten arbeitet. Ein ziemlich netter, beliebter und zivilisierter Kerl, der wahrlich einen guten Draht zu Kindern hat und in seinem kleinen dänischen Dorf durch einige gute Freundschaften ein sehr unscheinbares Leben führt. Sein einziges Problem ist zunächst der Zwiespalt mit seiner Ex-Frau, da sein Sohn gerne zu ihn ziehen möchte.

Besonders zu der kleinen Tochter seines besten Freundes hat er einen besonders guten Draht. Doch als diese sich abgewiesen fühlt, setzt sie unbedacht ein für Lucas verheerendes Gerücht über ihn in die Welt und schon bald muss Lucas mit weitreichenden Konsequenzen klarkommen.

In diesem Film herrscht eine große Spoiler-Gefahr, daher beschränke ich die Inhaltsangabe auf das Wesentliche. Die Frage ist ja eh nur: Für wen ist dieser Film sehenswert und worum geht hier genau?

Freunde von Dramen sollten mit Thomas Vinterberg's Film so ziemlich auf ihre Kosten kommen. Die Anspannung und die emotional aufwühlenden Geschehnisse schaffen ein enges Band zwischen Zuschauer und dem Hauptdarsteller. Wer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt, wird in diesem Film eine schwere Last mit sich rumschleppen müssen, da es keine Schuldigen gibt. Der Antagonist bleibt in diesem Film das Gerücht allein und das macht diesem Film so gut, statt einen Fingerzeig oder ein plumpes Feindbild zu haben, wird der Zuschauer nur Zeuge von der unscheinbar grenzenlosen Reichweite von Liebe und Angst.

Fast schon wie in einer Studie steht das kleine dänische Dorf für unsere heutige Gesellschaft. Das vordergründige Thema selbst, welches recht kontrovers ist, spielt eigentlich in Wahrheit nur eine Nebenrolle. Die wirklich spannenden Aspekte findet man in den Figuren und in ihrem Verhalten. Dem aus der Distanz wirkenden Zuschauer werden einige Aktionen überzogen und irrational vorkommen, allerdings zeigen diese besonders ungerechten Reaktionen bestens, wie schnell die Menschen aus Angst/Liebe den Bereich der Vernunft verlassen.

Ein zu böses Spiegelbild unserer westlichen Gesellschaft, die je weiter sie versucht kultivierter zu werden, gleichzeitig auch ein enges Korsett schnürt und sich immer weiter von der Natürlichkeit entfernt.

Trailer

Piet

Fazit

Der Film ist sicher keine Neuerscheinung, aber da solche Filme dann doch meist abseits des typischen TV-Futters laufen, möchte ich ihn an dieser Stelle nur zu sehr empfehlen. Mir hat er nur wieder einmal bewiesen, dass wir die Dänen, Schweden & Co. brauchen, um im Bereich des Films wieder ein Stück voran zu kommen. Hier geht es nicht nur um Unterhaltung, der Film erzählt eine Geschichte über die menschlichen Eigenarten und Gefahren, denen wir ausgesetzt sind. Wie schnell greift man selber zu einem Urteil aus Angst oder aus Liebe? Wie steht es um das Vertrauen in unsere Mitmenschen und wo fängt die Paranoia an?

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