Review

Btooom!

Genre: Action | FSK: ab 16 Jahren

Endlich! Es geht weiter. Drei neue Folgen von „Btooom!“, die wieder in einem Rutsch abgespult werden. Und dann beginnt das Warten erneut, bis auch das letzte von insgesamt vier Volumes erscheint… *seufz* Schlimm, wenn man die Schwelle der Vorfreude übertritt und sich in den Fängen der Ungeduld wiederfindet. Doch eben dieser innere Fehltritt beweist auch so eindrucksvoll, wie stark der Kampf ums Überleben auf der mysteriösen Insel fesselt. Denn wenn wir eines wissen, dann, dass auch asiatische Protagonisten nicht unsterblich und Happy Ends im fernen Osten nicht selbstverständlich sind.

Sommer, Palmen und Deathmatch

Als Sakamoto Ryuuta die Augen aufschlägt, dauert es einen Moment, eh er den Anblick der tropischen Faune rings um ihn herum verarbeitet und realisiert, dass er mit angelegtem Fallschirm an einer Palme  baumelt. Schnell die Gurte gelöst und eine winzige Tasche, die ebenfalls im Gestrüpp hängt, an sich genommen, schnellt er aus dem dunklen Dickicht gen gleißendes Licht, um festzustellen, dass er sich auf einer ihm unbekannten Insel befindet. Wie kam er hier her? Und was ist das für ein seltsamer grüner Stein, der sich inmitten seines linken Handrückens befindet? Er hat keinen blassen Schimmer, keine Erinnerungen an das, was am vorherigen Tag vorgefallen ist.

Dann öffnet Ryuuta die kleine Tasche und entdeckt acht winzige Quader, die ihn frappierend an das Videospiel „Btooom“ erinnern. „Btooom“ ist ein Virtual-Reality-Online-Shooter bei dem anstelle von Feuerwaffen Bomben geworfen werden und bei dem sich Sakamoto Ryuuta unter den zehn besten Spielern weltweit befindet. Ungläubig betätigt er die Taste einer mutmaßlichen Bombe, löst einen Zehnsekunden-Timer aus und schleudert den Sprengkörper kurz vor ihrer Detonation gerade noch rechtzeitig weg. Was zur Hölle… Befindet sich Ryuuta in einem Videospiel? Nein, er empfindet Schmerzen und auch sonst wirkt alles sehr real. Bevor er sich aber weiter mit seiner derzeitigen Lage auseinandersetzen kann, kommt schon ein sonderbarer Kerl angestürmt, angezogen von der Detonation. Der Kampf ums Überleben beginnt.

Trailer

Knackige Action aufs Wesentliche reduziert

Die 12-teile Animeserie „Btooom“ drückt bereits in der ersten Episode ordentlich aufs Gas und steigert sich in den kommenden Folgen stetig, wenn weitere Charaktere den Schauplatz betreten und Fragen geklärt werden, die wiederum neue aufwerfen. Dass die verschiedenen Personen zumeist waschechte Stereotypen sind und sie sich wenig weiterentwickeln, stört angesichts ihrer Extremen gar nicht. Sakamoto Ryuuta, Hauptpersonen, ist 22 Jahre alt, arbeitslos, hat keine Freundin, lebt noch bei seiner Mutter und kann scheinbar als einziges Talent seine Videospielbegabung vorweisen. Himiko, die zweite Protagonistin, musste in einer Extremsituation miterleben, wie ihre Schulkameradinnen vergewaltigt wurden hat seitdem sämtliche Männer als Feindbild auserkoren. Der kleine Junge Kosuke Kira wiederum löst sein Vater-Sohn-Konflikt dadurch, indem er seinen alten Herrn auf der Insel niederstreckt, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein schnörkelloser Psychopath.

„Btooom“ hält also genügend überspitzte Schicksale parat, um den Kampf ums Überleben anzufeuern und doch gibt es Charaktere, zu denen man trotz oder wegen ihrer Schwächen Sympathien aufbaut.

Neben der spannenden Dynamik des Anime ist auch die hervorragend umgesetzte Insel selbst ein echtes Schmankerl. Dichtes Unterholz, steile Klippen, tosende Wasserfälle, die Kulisse wirkt sehr unverbraucht und zaubert besonders als hochaufgelöste Blu-ray Fassung hübsche Panoramen auf den Bildschirm. Neben der tollen Optik überzeugt „Btooom“ auch akustisch, immerhin kann man Kazé längst vertrauen, dass sie bei der Synchronisation nicht am falschen Ende sparen. So wurden die verschiedenen Rollen durch die Bank weg ordentlich und vor allem auch passend vertont. Und wer möchte, kann selbstverständlich auch die japanische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln genießen.

Benny

Fazit

Was haben „Btooom“ und die sehr philosophische Serie „Kino’s Journey“ gemeinsam? Ihre Episoden sind jeweils Extreme der Wahrnehmung. Während es die etwa 24-minütigen Folgen der letztgenannten Serie schaffen, sich wie eine geschlagene Stunde anzufühlen, so gedrosselt ist das Erzähltempo, könnte man bei „Btooom“ meinen, dass ein komplettes Volume nur einer einzigen Folge entspricht. So kurzweilig und eingängig ist das Abenteuer auf der mysteriösen Insel.

Besser könnte eine actionorientierte Handlung auch kaum inszeniert werden, zumal ich in letzter Zeit die kurze und bündige Art von schlanken 12-Epsioden-Animes sehr zu schätzen gelernt habe. Zeit genug für interessante Handlungsstränge ist genügend vorhanden, auch wenn die Geschichte genretypisch nicht tiefgründig daherkommt oder kommen will. Actionfans dürfen getrost zugreifen, zumal die Serie mittlerweile beinahe vollständig erhältlich ist und nicht wegen einmonatigen Wartezeiten aus „Btooom“ gerissen werden. Ich selbst habe selten ein derart fesselndes Actionfeuerwerk erlebt.

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