Review

Super Mario 3D World

Entwickler: Nintendo | Genre: Jump 'n' run | Plattform: Wii U | USK: Ab 6

Mario, ich schätze, ich habe mich sehr in Dir getäuscht, als ich Dir nach dem ersten Trailer zu Deinem neuen 3D-Abenteuer wenig zugetraut habe. Aber du musst auch zugeben, dass Du anfangs mit kreativen Neuerungen wirklich gegeizt hast. Erst als Du sehr viel später die vielen neuen Ideen gezeigt hast, ist bei mir der Funke übersprungen, der ein Lauffeuer der Begeisterung ausgelöst hat. Nichtsdestotrotz komme ich nicht umhin, Deine Reise ins Feenland mit Deinen beiden Abstechern ins Universum zu vergleichen – zwei meiner absoluten Lieblingsspiele. Konntest Du Dich abermals selbst übertreffen?

Super Toad 3D World

Wieder ist es Nintendo gelungen, die Begeisterung des Kindes in mir zu wecken, als ich „Super Mario 3D World“ gekauft habe und schnell nach Hause fuhr, um das Spiel einzulegen. Die Wii U konnte gar nicht schnell genug hochfahren und die Disc auslesen, so schnell wollte ich mit Mario ins Feenland. Aber halt! Ich kann tatsächlich den spielbaren Charakter aussuchen, sogar im Einzelspielermodus? Großartig! Und noch besser wird die Option dadurch, dass die verschiedenen Figuren unterschiedliche Fähigkeiten haben. Im Gegenzug zum Allrounder Mario kann Luigi etwa höher springen, läuft sich aber wie auf Eis. Toad flitzt mit einem Affenzahn davon, während Peach nach einem Sprung für einen kurzen Moment an Höhe behält.

Nach der Charakterwahl empfängt einem die schön gestaltete Oberwelt, die sogar bis zur nächsten Barriere frei begehbar ist. Bevor ich die erste Herausforderung antrat, hat mich die Oberwelt auch erst einmal zu einem kleinen Spaziergang überreden können, um ein paar erste Eindrücke zu gewinnen. Anschließend machte ich mich zum „Superglockenhügel“ (1-1) auf und sah das bis dato schönste Mario-Spiel.

Die saftigen, grünen Grastexturen, der verpuffende Pappus des Löwenzahns, der sich bei Berührung ausbreitet, zwitschernde Vögel, die bei Annäherung das Weite suchen. Einfach traumhaft, das erste Level. Und sehr schnell hatte ich auch das erste neue Kostüm, das Katzenoutfit, das nicht nur dank der tollen Choreographie schön anzusehen ist, sondern hier und da ähnliche Parcour-Möglichkeiten bietet, wie etwa „Sonic: Lost World“. Dass das Katzenkostüm manche knifflige Passagen etwas entschärft, ist okay. Der Schwierigkeitsgrad ist in den ersten Welten ohnehin nicht sehr hoch, damit der Mehrspielermodus mit bis zu vier Spielern (Wii U-Controller, Pro-Controller und/oder Wiimote + Nunchuk) funktioniert, der in geselliger Runde enormen Spaß macht. Für Einzelspieler bieten sich sehr schnell knackige Level, zumal diverse Sterne oder Stempel sehr gut versteckt, bzw. schwer zu erreichen sind.

Dass die Steuerung tadellos von der Hand geht, braucht man wohl nicht weiter erwähnen, etwas anderes hätte man von Nintendo ohnehin nicht erwartet.

Ein weiteres Meisterwerk?

Ich fühlte mich im Feenland sehr schnell zu Hause, meisterte auf Anhieb drei Stunden am Stück Level und Welten. Und doch wiederholte sich der Zauber eines „Super Mario Galaxy“ nicht. Zu gewöhnlich ist „Super Mario 3D World“, ohne herausragendes Setting, bietet in Sachen Handlung sogar weniger als die sonst übliche Alibistory, die hier dieses Mal ganz ohne Worte auskommen muss, so dass die Charaktere etwas leblos wirken. Keine Sprüche von Bowser, keine Slapstickeinlagen, nichts. „Super Mario 3D World“ kommt (leider) völlig ohne Worte aus. Ob das am Mehrspielermodus liegt? Nein, es ist für die Entwickler ein Leichtes, den jeweils ausgesuchten Charakter direkt anzusprechen.

Auch dass der Wii U-Controller selten einfallsreich genutzt wird, ist äußerst schade. So etwa in Level 2-2 „Zieh auf den Pustegipfel“, das zu meinen persönlichen Highlights zählt. Die verträumte Musik erzeugt eine wohlige Atmosphäre, während ich auf dem Touchscreen Plattformen hoch- bzw. Klötze aus der Wand herausziehe, oder auch andere Plattformen herbei puste. Auch beim „Haus der tausend Touchscreens“ ist der Controller sehr gut eingebunden, wenn ich mit einem Fingerwisch die Schiebetüren eines japanischen Tempels öffne oder mit dem Finger gegen den Gong trommle. Wirklich oft oder auf andere Art wird der Controller nicht genutzt – schade, denn ich hatte gehofft, dass Nintendo einmal mehr ihre Kreativität demonstriert und zeigen, was man mit dem Controller so alles umsetzen kann.

Die vielen Level sind größtenteils schön gestaltet, optisch wie spielerisch, fordern manches Mal Fingerspitzengefühl ein. Sie erreichen hier und da den Charme eines „Super Mario Galaxy“, kein Wunder, schließlich wurden ein paar Ideen aufgegriffen, etwa die sich im Takt (de-)materialisierenden roten und blauen Böden oder die ?-Felder, die bei Berührung zum !-Feld umgewandelt werden. Und doch halten die Welten von „Super Mario 3D World“ in ihrer Summe nicht mit den galaktischen Abenteuern mit. Zum einen liegt das am größtenteils eher niedrigen Schwierigkeitsgrad, zum anderen ist die Architektur teilweise zu gewöhnlich. Auch wirft die Gestaltung der Oberwelt manches Mal Fragen auf, wenn etwa in der Winterwelt nur ein einziges Schneelevel existiert. Zugegeben, „Schneetreiben im Winterpark“ ist, wie so manche andere Stage, eine echte Augenweide, wenn man Platz im überdimensionierten Schlittschuh nimmt und im dichten Schnee, der umwerfend hübsch in Szene gesetzt wird, vor sich hinschliddert. Dass ansonsten eher sommerliche Level die Winterwelt füllen, ist wirklich sehr sonderbar. Auf Gegnerseite gibt nicht einen einzigen Pokey in der Wüstenwelt, nirgends einen Wiggler, Bowser Jr. scheint ebenfalls Stubenarrest zu haben. Yoshi glänzt auch durch Abwesenheit und dass gegnerische Bienen das Geräusch des Bienenkostüms erzeugen, ist schön und gut, das Bienenkostüm selbst vermisse ich trotzdem schmerzlichst. Dafür punktet „Super Mario 3D World“ mit allerhand neuen Gegenständen, beispielsweise dem Münzblock, dem Kanonenblock oder dem Scheinwerfer, mit dem man den Boohoos das Licht auspusten kann.

Die meisten Bossgegner können sich vom Vorgänger ebenfalls gehörig eine dicke Scheibe abschneiden, denn meist werden sie durch die obligatorischen drei Sprünge auf dem Kopf besiegt. Nur sehr selten müssen große Gesteinsbrocken hochgenommen oder haushohe Schlangen erklommen werden, um dem Bossgegner den Garaus zu machen.

Immer wieder blitzt die Genialität von Nintendos 3D-Vorgänger durch, um in der sonst sehr hohen, aber selten herausragenden Qualität unterzugehen. Schade.

Benny

Fazit

Das alles ist natürlich Kritik auf aller höchstem Niveau, schließlich kann sich Nintendo verdienterweise selber auf die Schulter klopfen, dass man von ihnen immer wieder Höchstleistungen erwarten kann. „Super Mario 3D World“ ist auch ein exzellentes Spiel geworden, das als Systemseller hoffentlich zahlreiche Konsolen über die Ladentheke wandern lässt. „Super Mario Galaxy“ war für mich jedoch Liebe auf den ersten Klick, dessen Charme bei Marios neuestem 3D-Abenteuer immer wieder durchblitzt aber leider nicht konsequent präsent ist.

Wertung: 8.9

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