Review

Hentai Kamen (2013)

Produktionsjahr: 2013 | Genre: Superhelden/Eastern | FSK: ab 16 Jahren

Ich bin ein ganz großer Fan japanischer Unterhaltungsmedien - ohne Animes wären meine Regale zig Highlights ärmer und auch die besten Videospiele kommen für meinen Geschmack aus dem Land der aufgehenden Sonne. Zugleich ist es der Mut zu total abgedrehten Ideen, den ich an good old Nippon sehr schätze. Das verrückteste, was ich bis dato gesehen habe, ist definitiv der Live-Action-Streifen „Hentai Kamen“, benannt nach dem perversen Superhelden der Gerechtigkeit, der auf einer sechsteiligen Mangareihe basiert. Und wer hätte gedacht, dass sich mit FilmConfect Home Entertainment ein deutscher Publisher findet, der diesen Ausnahmetitel exzellent vertont in die Regale stellt?

„Was habe ich da auf meinem Kopf?“ – „Das sind meine Eier aus Stahl“

Nachdem ich die Starttaste des Players betätigt habe und die Panels des „Hentai Kamen“-Mangas über den Bildschirm huschten, machte die Hommage an die Marvel-Verfilmung eines deutlich: Die nächsten 100 Minuten werden ein Trashfest, das seinesgleichen sucht.

Kyosuke Shikijo, Sohn eines masochistischen Polizisten und einer Domina, ahnt nicht, dass tief in ihm besondere Superkräfte schlummern.  Als Aiko Himeno, seine neue Mitschülerin, in die er sich sofort verliebt hat, bei einem Raubüberfall als Geisel genommen wird, fasst er den Entschluss sie auf eigene Faust zu retten. Um unerkannt zu bleiben, tastet er im halbdunklen nach der Maske eines überwältigten Geiselnehmers, greift aber versehentlich zu einem Damenschlüpfer. Als er sich das Höschen über das Gesicht zieht, werden in ihm die perversen Gene seiner Eltern geweckt und er kann als Hentai (dt. Perversling) 100% seiner Kräfte nutzen – ein normaler Mensch kann im Vergleich nur 30% seines Potenzials abrufen.

Für diese geballte Power reicht der Platz in Kyosukes Klamotten nicht, so dass er sie schneller herunterfetzt, als es dem unglaublichen Hulk jemals gelungen ist. Zurück bleibt das spärliche Superhelden-Outfit in schwarz-weiß: Der Schlüpfer im Gesicht, ein String-Badeanzug, Strapse und Turnschuhe. Bietet sich genügend Aussicht auf den muskulösen Körper des Schauspielers. Tatsächlich muss man auch als absolut heterosexueller Zuschauer eingestehen, dass der Darsteller eine top Figur hat. Frauen dürften zumindest optisch auf ihre Kosten kommen.

Natürlich befreit Kysosuke als "Hentai Kamen" seine heimlich geliebte Aiko, bleibt aber unerkannt, so dass sich die beiden fortan mit inneren Konflikten einsam quälen. Kyosuke fällt es schwer, zu akzeptieren, dass er pervers ist, während Aiko es nicht fassen kann, dass sie Hentai Kamen wegen seiner Perversion zu lieben beginnt.

Und wie es sich für einen waschechten Actionkracher gehört, gibt es auch bei „Hentai Kamen“ einen finsteren Oberbösewicht. Kein Professor, der sich als verwandeltes Reptil in die Riege der langweiligen Schurken einreiht. Nein, hier haben wir es mit einem fiesen Halunken mit Zöpfen zu tun, der eine Bande finsterer Kerle mit Frauenfrisuren anführt. Im Showdown lässt die Mecha-Action sogar Pacific Rim alt aussehen. Na ja, nicht wirklich.

Genug gelacht, ich kann nicht mehr!!!

Dass sich „Hentai Kamen“ nicht wirklich ernst nimmt, ist keine Überraschung. So viele Szenen sind zum Fremdschämen, so viele Dialoge herrlich dämlich, dass man gar nicht anders kann, als sich vor Lachen zu biegen. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr mit einem Streifen. Am Set hatten Regisseur und Schauspieler mit Sicherheit jede Menge Spaß gehabt haben, zumindest jene, die nicht gerade als Schurke den Sack von Hentai Kamen ins Gesicht gedrückt bekamen. Die verschiedenen Special-Moves von Hentai Kamen balancieren gekonnt zwischen kreativem Genie und perversem Wahnsinn. Einfach nur lustig. Wobei „Hentai Kamen“ zum Ende hin einen kurzen Abknicker beim Versuch hat, pervers zu philosophieren. Das trübt zwar den Gesamtspaß keineswegs, aber man hätte diese Minuten lustiger gestalten können.

Es kommt ja leider oft genug vor, dass B-Movies und Trashfilme von uninspirierten Sprechern verschandelt werden, insbesondere in der Eastern-Ecke. Deshalb gilt ein ganz großer Dank FilmConfect Home Entertainment, dass sie sehr gute Synchronsprecher engagiert haben, denen die debilen Dialoge nicht peinlich genug waren, um sie sauber einzusprechen. In diesem Punkt hatte ich aber im Vorfelde nur geringe Befürchtungen, da auch die Anime-Serien aus dem Hause FilmConfect tontechnisch keine Wünsche offen lassen.

Trailer

Benny

Fazit

Der Release von „Hentai Kamen“ verdient größten Respekt, denn ob der hiesige Zuschauer nicht nach den 100-münitigen Trashfeuerwerk geschockt auf dem Sofa sitzt, ist fraglich. Der Humor ist speziell, aber auf jeden Fall ein Blick wert. Asia-Fans können ohnehin grob abschätzen, was auf sie zukommt, zumal der geniale Trailer die Kaufentscheidung erleichtert. Wem der Trailer gefiel, kann sich beim ganzen Film auf mehr davon freuen. Zuletzt hoffe ich, dass FilmConfect Home Entertainment weitere Nischenfilme und –Serien zu uns nach Deutschland bringt. Allen voran Queen’s Blade.

Wertung: 8.5

Wir bedanken uns zudem herzlich bei FilmConfect Home Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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