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Hallo, Ouya!

Piets Ersteindruck von der Ouya

Seit dem 15. November 2013 ist nun die kleine Würfelkonsole OUYA für ungünstige 119,99 Euro im deutschen Handel. Wahrscheinlich haben die meisten bereits von dem kleinen Android-Gerät gelesen und gehört, und zwar nicht nur positives, sondern überwiegend Kritik. Die Konsole sorgte auf kickstarter.com für großes Aufsehen, weil sie mit ihren eingesammelten Geldern einen Rekord verbuchen konnte. Ziel war es, eine Indie-Konsole zu veröffentlichen, welche entgegen der großen etablierten Konsolen mehr Freiheiten auf allen Seiten zulassen soll. Weil es den Herstellern dann aber doch an Erfahrung und Manpower fehlt, kam die OUYA nach und nach dank lauter schlechten Reviews, nicht gehaltenen Versprechen und PR-Disastern zu ihrem aktuell nicht so guten Ruf.

Aber am besten macht man sich immer noch ein Bild, in dem man Dinge selber antestet. So habe ich die einzige OUYA, welche der riesige Saturn in Hamburg anfangs geliefert bekommen hatte, mitgenommen. Und nach einigen Stunden hab ich schon eine Menge, über das ich hier schreiben kann.

Frisch ausgepackt

(+) Gehäuse: Packt man die OUYA aus, so bekommt man das erste Mal einen echten Eindruck davon, wie klein sie ist. Das Gehäuse des Würfels besteht aus Alumium und Plastik und verschwindet bei Bedarf sehr unauffällig unter/hinter dem TV, oder auch ganz schnell samt Controller in eine Damenhandtasche.

(+) Anschlussmöglichkeiten: Mit der Konsole wird, neben dem Controller, ein Stromkabel und ein (kurzes) HDMI-Kabel mitgeliefert. Ein Ethernet-Anschluss, ein USB und ein Micro-USB Anschluss erweitern die Anschlussmöglichkeiten. Wer möchte, kann mit seiner OUYA auch über die eingebaute WLAN-Funktion ins Netz gehen. Mit meinem AV-Receiver habe ich allerdings HDMI-Probleme: Anscheinend stimmt irgendwas mit dem Sound der OUYA nicht und so versucht mein Receiver ständig irgendwas umzustellen, was ich nicht versehe. Jetzt läuft die OUYA einfach direkt am TV.

(-) Controller: Das nächste, womit man konfrontiert wird, ist der Controller. Bereits im Vorfeld hörte man nicht viel gutes, und scheinbar wurden ein paar kleine Kinderkrankheiten in der aktuellen Version bereits verbessert. Bei meinem Controller bleiben zu meiner Erleichterung jedenfalls keine Tasten stecken.

Ansonsten sehe ich den Controller mit gemischten Gefühlen an: Er ist doch verhältnismäßig schwer, die analogen Schultertasten fühlen sich sehr schwammig an, die Touchfläche, um einen Maus-Cursor zu bewegen, reagiert nicht wirklich flüssig auf meine Eingaben und die Tasten O, U, Y und A stehen für mich ein wenig zu weit hervor. Einen Start- und Select-Equivalent gibt es leider auch nicht. Das größte Manko am Controller ist das digitale Steuerkreuz... und das verstehe ich nicht! In den 90ern gab es da selten etwas zu meckern, doch über die Zeit haben die Entwickler es irgendwie verlernt gute Steuerkreuze zu schaffen.

Positiv am Controller ist seine Größe und Form, die Batterien halten sehr lange und man muss ihn nicht zwingend benutzen. Ohne großen Aufwand konnte ich die Dualshock 3-Controller meiner PS3, Wii U Pro Controller und sogar einige USB-Controller (wie z.B. SNES zu USB Adapter) verwenden. Allerdings sind nur OUYA und Dualshock 3 vollständig kompatibel. Der Einsatz von anderen Controllern ist auf die jeweilige Software dann eingeschränkt.

(-) Einrichtung: Wer schon einmal ein neues Android-Handy eingerichtet hat, kennt die Vorzüge vom Google-Account und wie schnell alles eingerichtet ist. Auf der Ouya tippt man sich mit Controller mühevoll durch den Einstieg und wenn man weder Google Play-Guthaben noch eine Kreditkarte besitzt, geht es hier gar nicht erst weiter. Man braucht eines von beiden, um mit der Konsole irgendwas machen zu können. Oh, warum nur?

Ein kleiner Bug hatte mich hier auch noch zusätzlich aufgehalten: Bei der Eingabe meiner Kreditkarten-Daten gibt es noch ein Feld für die Postleitzahl. Nichtsahnend habe ich es ausgefüllt und so wurde meine Karte als "nicht gültig" erklärt. Ich habe dann am Rechner via Browser meinen OUYA Account angeschaut und dort gab es den Hinweis, dass die PLZ-Eingabe für Kanadier relevant ist. Kaum habe ich das Feld freigelassen, ging's endlich weiter.

Es sind so die kleinen Dinge, welche die OUYA von anderen Konsolen von großen Herstellern unterscheiden. Unser einer kommt wohl damit klar, aber die Spieler, die nicht sehr technikaffin sind, könnten hier auf Frust stoßen.

Haupteinsatzgebiete

(+/-) Spiele: Die angebotene Software ist auf einer Konsole normalerweise das A und O. Indiespiele genießen seit großen Erfolgen von "Super Meat Boy", "Journey" oder "FEZ" mittlerweile einen besonderen Ruf und kapseln sich durch meist viel Herzblut und Minimalismus von großen kommerziellen Titeln ab. Auf der OUYA gibt es sehr niedrige Einstiegshürden und durch dem guten Entwickler-Support demnach auch Chancen auf tolle neue Indietitel.

Im Gegensatz zu anderen "offenen" Konsolen wie z.B. GP2X CAANOO hat die OUYA auch keinen schlechten Software-Nachschub. Über 500 Titel stehen mittlerweile im Store bereit und können alle ausnahmslos angespielt werden. Allerdings ist das Angebot dennoch ernüchternd: Von den wunderbaren Spielen, die man von den Humble Bundles kennt, gibt es leider keine Spur.

Vielmehr trifft man hier auf viele Spiele, die unter anderem aus dem Mobile-Bereich bekannt sind. Das Qualitätsniveau pendelt daher derzeit zwischen Handy- und Browser- sowie einfachen 3D Titeln. Technisch überraschte mich "Shadow Gun" und erreicht eine Grafik à la PlayStation3/PS Vita.

Nichtsdestotrotz, kann man hier ein paar witzige Abende verbringen. Schon in Little Big Planet habe ich es genossen, mich durch die User-generierten Spiele durchzuwurschteln und auf Spiele-Safari zu gehen. Ob ich einen Abend lang ein richtig gutes, oder 5-10 eher mäßige, aber dafür kreative oder witzige Titel spiele, macht für mich nicht zwingend sofort einen Unterschied. Die Spiele kann man ja allesamt kostenlos anspielen und so bleibt der große Frust aus, wenn jetzt ein paar richtig miese dabei sind.

Spielertypen wie mein Kollege Benny dagegen, welche sehr viel wert auf Qualität setzen und schon bei Mobilegames einen großen Bogen darum machen, werden hier garantiert nicht auf ihre Kosten kommen.

Eines steht für mich fest: Die meisten Spiele-Genre profitieren deutlich von einer Controller-Steuerung. Und wer bei der Wahl zwischen Spielen auf dem Smartphone oder auf der OUYA wählen muss, wird hier und da auf letzterem wohl mehr Spaß haben, allein schon wegen dem Multiplayer Aspekt.

(+) Emulatoren: Ein ganz heißes Eisen sind und bleiben wohl immer die Emulatoren. Viele alte Spiele sind nicht mehr so leicht erhältlich oder durch alte Hardware kaum noch spielbar.

Echte Retro-Enthusiasten werden natürlich immer nur auf der Original Hardware mit Original-Röhren-TV zufrieden sein, aber wer am TV mit viel Komfort, Bildverbesserern und Gamepad-Unterstützung eine Lösung für solche Zwecke sucht, für den kann sich ein OUYA Kauf wohl sehr auszahlen.

Allerdings empfiehlt es sich nicht, die Emulatoren für illegale Raubkopien zu missbrauchen: Wenn Ihr z.B. ein altes Super Nintendo Spiel haben wollt, so kauft es am besten auf der Wii U oder Wii, um auch wirtschaftlich ein Zeichen zu setzen, dass eine solche Art von Spielen heute immer noch gewünscht wird.

(+) Multimedia: Die OUYA bedient übrigens nicht nur Spieler: Wer keinen Smart-TV besitzt und gerne alles aus der OUYA rausholen möchte, kann durch die Installation von zusätzlichen Apps den Funktionsumfang erweitern.

So steht eine offizielle Version von XBMC (X-Box Media Center) bereit, welche Eure Musik, Videos und Bilder von USB-Platte oder Netzwerkfreigabe abspielt. Zusätzliche Video-Plugins erlauben das Anschauen von z.B. ZDF-Mediathek Inhalten und mehr.

Zusätzliche Dienste bringen noch Webradios ins Spiel, eine Twitch App erlaubt Let's Play-Videos von anderen Spielern anzuschauen oder das gute alte YouTube. Crunchyroll gibt es auch für die OUYA, als Anime-Liebhaber, der auf der Suche nach neuen und legalen Anime-Streams ist, kommt man hier auch auf seine Kosten.

Was sonst noch läuft, kann man sich durch OUYA-Foren etc. in Erfahrung bringen. Dank einem Entwickler-Bereich, lassen sich auch nicht offiziell unterstützte Apps installieren, wie z.B. den Chrome Browser oder Dropbox.

Probleme

(-) Menü Oberfläche: Was jetzt noch angekreidet werden kann – im Dezember aber durch ein Update verbessert wird – ist der Aufbau der aktuellen Benutzeroberfäche. Der minimalistische Entwurf mag derzeit das Erscheinungsbild der OUYA aufhübschen und wohnzimmertauglich erscheinen lassen, doch fehlt es dann doch noch an einigen wichtigen Funktionen und einer schnellen Übersicht. So lassen sich die Spiele im Store nicht wirklich nach Qualität oder Preisen unterscheiden und das Sortieren oder Filtern meiner installierten Spiele ist bisher auch noch nicht möglich. Außerdem gibt es nur englische Spiele-Beschreibungen, wer der Sprache nicht mächtig ist, muss sich hier seinen Teil immer denken.

(-) Lüfter: Ein ganz großes Pfui gibt es für den eingebauten Lüfter. Dieser schaltet sich in der Regel nach einiger Zeit an und war in meinen Ohren viel zu laut für so ein kleines Gerät. Wie laut er wird, hängt wohl scheinbar vom Glück ab, denn in anderen Reviews wurde der Lüfter gelobt. Zum Glück sind die OUYA-Hersteller so fair und begrüßen Modifikationen, indem die Garantie durch das Verändern der Hardware nicht verfällt.

Das Internet wusste wie immer Rat und so stieß ich auf den "Silent Fan Mod".

Innerhalb von kurzer Zeit konnte ich den Lüfter wie im Video austauschen. Der Noctua NF-A4x10 FLX passt sehr gut in die Konsole und ist nicht mehr wirklich hörbar. Als ich damit fertig wurde, war ich dann sehr erleichtert die OUYA so leicht verbessern zu können. Allerdings stieg so mein Preis für die OUYA um 12,50 Euro.

Piet

Fazit

Eine OUYA 2 wurde bereits vom Entwickler angekündigt. In Anbetracht des Preises lohnt sich das Abwarten in jedem Fall. Wer jedoch auf eBay oder ähnlichem ein Schnäppchen macht, der könnte sich das durchaus mal überlegen, wenn er ohnehin ein Gerät für XBMC sucht und sich für die aktuellen Spiele begeistern kann.

Bisher scheint mir die Konsole begrenzte Einsatzgebiete zu haben: Wenn Ihr eine günstige Konsole für Eure Kinder sucht, so solltet Ihr ganz genau hinschauen, was sie spielen, da es bisher noch keine Alterseinstufungen gibt. Wenn Ihr einzig und allein für XBMC ein Gerät sucht, so lohnt sich auch ein Blick auf die Konkurrenz außerhalb von Spielekonsolen.

Letztendlich hat die OUYA bisher nichts, was sie zum Must Have macht. Und dennoch würde ich sagen, dass ihre Existenz wichtig ist: Denn im Gegensatz zu anderen Konsolen macht sie am Ende doch ein paar entscheidende Dinge anders, was den Markt irgendwann beeinflussen könnte.

Ersteindruck: Spielerei

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