Hardware

Wiko Smartphones im Test

Beliebter Hersteller aus Frankreich startet in Deutschland

Was ist den "Wiko"? Hinter diesem Namen, der hier in Deutschland noch recht unbekannt ist, versteckt sich ein französischer Smartphone Hersteller, der in seiner Heimat reichlich Popularität gewinnen konnte. Im Zuge meiner neusten Smartphone Recherche hatte die Gelegenheit die erst kürzlich erschienenen Geräte ausführlich zu testen. Da ich bei meiner Suche nicht auf High End-Ausstattung bin, sondern preiswert aber mit etwas Solidem wegkommen möchte, dachte ich mir: Vielleicht lohnt sich ja ein Blick abseits der bereits etablierten Hersteller wie z.B. Sony, Samsung oder Apple.

Zwei Modelle von Wiko konnte ich in den vergangenen Tagen testen.

Wiko Cink Peax 2

Dieses Smartphone verspricht hier für einen günstigen Preis mit seinem Quad-Core CPU 1,2 GHz bereits ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die Auflösung ist zwar leider mit seinen 960 x 540 Pixeln nicht wirklich das Maß aller Dinge, aber wer viel lesen und surfen möchte, wird sich womöglich ohnehin bei teureren Geräten umschauen wollen.

Der interne Speicher lässt sich über Micro-SD Karten mit bis zu 32 GB erweitern, dass empfiehlt sich für solche, denen die internen 4 GB zu knapp bemessen sind.

Das Gerät des Material ist überwiegend aus Kunststoff gebaut, was grundsätzlich auch völlig in Ordnung geht. Man muss sich nur im Klaren darüber sein, dass dieses Gerät nicht so hochwertig wie teuere Smartphones in der Hand liegt. Es ist sehr leicht und die Rückseite ist ziemlich glatt ausgefallen. Die Kamera steht aber davon ab, was meiner Meinung nach nicht hätte sein müssen.

Die Touch-Eingaben werden sehr gut angenommen und bisher kam mir das Display nicht wirklich kratzempfindlich vor. Für die Rückseite empfiehlt sich eventuell eine Schutzhülle, wenn man Angst vor Abnutzungserscheinungen haben sollte.

Im großen und ganzen bietet das Einstiegsmodell, gerade für seinen Preis, kaum Angriffsfläche. Auf die kleinen Kompromisse und Abstriche gehe ich gleich im Vergleich der beiden Modelle ein.

Wiko Darkside

Seit dem Überraschungserfolg des Samsung Galaxy Note wissen wir, dass es ein Zielpublikum für sehr große "Phablets" (Phone + Tablet) gibt, welche ein zusätzliches Tablet schon beinahe überflüssig machen.

Das Darkside entpuppt sich mit seinen ungewohnt großen 5,7 Zoll und einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel als interessante und preiswerte Alternative. Im Gegensatz zum Cink Peax 2 finden wir zwar grundlegend die selbe Technik, durch die Größe, die höhere Auflösung und einen internen Speicher von satten 16 GB und einer 12 Megapixel Kamera legt das Darkside auf dem Datenblatt noch eine Schippe oben drauf.

Größter Unterschied für mich ist zudem das Material: Hierbei hält man nämlich ein Gerät aus Aluminium und Gorilla Glas in der Hand, was sich gleich hochwertiger anfühlt und weniger Abnutzungserscheinungen verspricht. Das Gewicht unterstreicht dieses Gefühl zudem.

Für ein Drittel Aufpreis bekommt man hier aber vielleicht nicht zwingend das bessere Gerät:

Als ich diverse Apps und Spiele darauf getestet habe, sind mir einige Nachteile aufgefallen. Habe ich ein größeres Spiel gestartet und habe es kurz verlassen, so ist mir das Spiel bei der Rückkehr gerne mal abgestürzt. Ich weiß nicht genau, wie weit da immer die Spiele selbst dran Schuld sind, aber auf einem Nexus und auch beim Cink Peax 2 bin ich da tatsächlich ein wenig mehr Stabilität gewohnt.

Ein weiterer Knackpunkt ist für mich noch die Größe in der Praxis: Gerade für Spiele oder Videos sind 5,7 Zoll schon sehr angenehm, aber die Apps machen kaum Gebrauch davon. Anstatt, dass ich unter der Mail-Software im Querformat plötzlich zwei Spalten wie auf Tablets habe, bekomme ich eigentlich nur eine besonders groß dargestellte Smartphone Oberfläche. Angenehm ist das natürlich trotzdem, weil man so das Handy nicht vor der Nase halten muss. Einige potenzielle Vorteile von Tablets bleiben hier so leider aus.

Etwas irritiert war ich, dass sich die internen 16 GB Speicherplatz nicht erweitern lassen, wie beim kleineren Gerät. Wer viel mehr Platz benötigt, sollte hier unbedingt darauf achten!

Die beiden Wikos im Vergleich

Dual Slim ist für die Wiko Geräte wohl ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Hier scheint der französische Hersteller mit der Unterstützung von zwei Sim-Karten punkten zu wollen. Tatsächlich kann man hier, sofern man unter zwei Telefonnummern erreichbar sein möchte, einige Vorteile mitnehmen. Wer im Urlaub andere Tarife oder beruflich bedingt so eine Funktion sucht, könnte hier mit den Wikos sehr fündig werden.

Ist nur eine Sim Karte vorhanden, wird aber immer eine zusätzliche Antenne ohne Empfang eingeblendet. Bisher habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, diese Anzeige auszublenden.

Die Sprachqualität ist natürlich zum Teil auch vom Provider abhängig, aber von meinen Tests her hatte ich nicht das Gefühl, dass die Wikos an den Qualitäten anderer Hersteller anknüpfen. Zum Telefonieren reicht es schon, nur wer bei Geschäftsgesprächen einen besseren Eindruck machen möchte, sollte schauen, dass man hier zu einem guten Netzanbieter greift.

Beide Wikos kommen mit Android 4.1.2 (Cink 2) und  4.2.1 (Darkside) daher und sind zum Glück nicht mit Hersteller-eigenen Apps, welche man nicht deinstallieren darf, überladen. Durch den schnellen Prozessor und das schlanke Android bekommt man hier definitiv für sein Geld genügend Leistung für die nächsten Jahre.

Die integrierte Bildbearbeitung oder kleine nette Ideen wie das automatische Ein- und Ausschalten zu bestimmten Uhrzeiten sind sehr gute Ergänzungen und man dürfte sich hierbei dann weniger dran stören, dass es nicht wie auf Nexus-Geräten das "nackte" Android gibt, welche bekanntermaßen am schnellsten Updates bekommen. Ein besonders nettes Feature ist noch das Speichern von Webseiten, um unterwegs Bandbreite zu sparen.

Über die Akkuleistung lässt sich bei beiden nichts bemerkenswertes sagen, ähnlich wie auch bei anderen Geräten kommt man hier auf die üblichen Laufzeiten und kann ohne WLAN und voller Helligkeit und normalem Gebrauch über einen ganzen Tag locker damit auskommen. Wer viel spielt, alles eingeschaltet lässt, wird hier aber am späten Abend bereits wieder laden müssen.

Was mich am meisten an den Wikos enttäuscht ist die Soundqualität der Lautsprecher. Auf dem Sofa mag ich es ja gerne meine "Watch later"-Liste auf YouTube-App durchzuschauen, aber die Mono-Lautsprecher, die bei etwas höherem Pegel bereits etwas kratzig daher kommen, verlangen ja regelrecht den Einsatz von Kopfhörern. Das mag ich allerdings nicht so gerne, denn ich möchte ja gerade zuhause nicht mit Stöpseln im Ohr rumlaufen.

Wer gerne fotografiert und denkt mit den 8 bzw. 12 Megapixel der Wikos schöne Schnappschüsse zu erzielen, muss sich hier auf kleinere Kompromisse einstellen. Zwar sind Features wie HDR in Innenräumen oder Panorama-Shots sehr nett, aber gerade beim Cink Peax 2 bekommt jedes Foto in Innenräumen durch den Blitz einen Blaustich. Das ist ein großer Kritikpunkt für die Benutzer, denen so etwas wichtig ist. Ich selbst ziehe immer meine Spiegelreflex einer Smartphone Kamera vor,  halte die Qualität für wichtige Situationen oder für draußen für absolut ausreichend.

Piet

Fazit

Es fällt natürlich immer leichter auf die Kritikpunkte einzugehen, als die positiven Seiten hervorzuheben. Trotz kleinerer Einschränkungen, die je nach Benutzer leicht hingenommen werden, bleibt hier am Ende immer ein preisbewusster Kauf, der kleinere Kompromisse locker verschmerzen lässt.

Demnach halte ich Wikos Angebot für sehr gelungen und trotz der günstigen Preise trifft man hier auf absolut brauchbare, funktionierende Geräte, von denen man länger etwas hat. Die UVP für das Wiko Cink Peax 2 liegt bei 179€ und für das Wiko Darkside liegt sie bei 299€.

Ich würde derzeit noch eher zum günstigeren und kleineren Cink Peax 2 tendieren, auch wenn die geringe Auflösung und der Lautsprecher mich etwas abschrecken. Mit dem 5 Zoll großen Wiko Stairways scheint aber noch ein neues Gerät dazwischen zu liegen, welches die Vorteile beider Modelle vereint. Mal sehen ob ich da auch noch ein mal Hand anlegen kann.

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