Review

Grabbelkiste: Shadows of the Damned

Publisher: EA | Genre: Action Adventure | Plattform: PlayStation 3, X-Box 360 | USK: ab 18 Jahren

Momentan kann man ja nicht anders, als sich vor lauter guten Spielen zu verstecken. Ob Coop-Spaß auf der Couch mit Diablo 3, Eintauchen in die riesige Spielwiese von GTA V oder die astreine Singleplayer-Erfahrung mit Legend of Zelda - Wind Waker HD. Andersartige Spielerlebnisse wie Beyond: Two Souls oder faszinierende Indiespiele wie Brothers: A Tale of Two Sons.

Nichtsdestotrotz lohnt sich ja immer mal auch ein Griff in die Grabbelkiste. Lange habe ich mich um Shadows of the Damned gedrückt, das Spiel von Suda 51 und Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami. Diese beiden Namen bringen natürlich gewisse Erwartungen mit sich, und als ich dann noch las, dass der Silent Hill-Komponist für den Soundtrack verantwortlich war, wurde mein Interesse zwar geweckt, aber aufgrund damals schon unzähligen Alternativen wartete der Titel brav auf meiner Wunschliste. Momentan gibt es das Spiel inzwischen für unter 20 Euro und so kam eins zum anderen.

Halbstarker Dämonenjäger in der Unterwelt

Kleine Einführung in die Welt: Ihr schlüpft in die Rolle des stark tätowierten Dämonenjägers Garcia Hotspur, der jetzt endgültig dem falschen Dämon auf den Fuß getreten ist. Die Freundin Paula wird dem Macho-Latino entrissen und so macht er sich durch einen Sprung in ein Portal in die dunkle Welt auf, um sie aus den Fängen des Bösen zu befreien. Begleitet werdet Ihr dabei von Johnson, einem Dämon, der die Fronten gewechselt hat und sich in verschiedene Waffen, eine Fackel oder sogar ein Motorrad verwandeln kann.

Die Reise durch die düsteren, linearen Levels entpuppt sich als sehr abgedreht: Auf der Designer-Seite hat man sich hier kaum zurückgehalten und stellt schonungslos ziemlich morbide Dinge zur Schau, welche das Spiel weniger unheimlich, aber dafür sehr verstörend gestalten. Wer einen schwachen Magen hat und oder sich mit sexuellen Inhalten nicht sonderlich wohl fühlt, darf hier einen riesigen Bogen um's Spiel machen. Der schwarze Humor ist einigermaßen gelungen, doch die platten Sprüche mitsamt Penis-Witzen verzerren die düstere Stimmung in eine doch eher unreife Richtung. Nur weil ein Titel ab 18 Jahren freigegeben ist, muss es nicht zwingend auch etwas für Erwachsene sein. Die emotionale Verbindung zu den Charakteren bleibt aufgrund dessen auch eingeschränkt, wodurch ich das Spiel auf meiner Gefühlsebene nicht so bewegend fand, wie gewünscht.

Der Artstyle erweist sich insgesamt als eine der herausstechenden Elemente, denn auf technischer Seite reisst das Spiel mit der Unreal 3 Engine keine Bäume mehr aus. Die Animationen sind insgesamt etwas hölzern und so sieht man dem Spiel dann letztendlich doch ein geringeres Production-Value an, als möglich gewesen wäre.

Steuerung und Spieldesign aus der Hölle

Wer Resident Evil 4 gespielt hat, kann sich schon ein wenig vorstellen, wie sich dieser Titel hier anfühlt. Das Zielen fühlte sich für mich von Beginn an recht unbequem an und schnell verliert man durch die Perspektive die Übersicht um einen herum. Einige Tastenbelegungen, wie das Tränke trinken (Dreieck + Steuerkreuz-Richtung oder Laufen auf R1), wollen bis zum Schluss nicht so recht in Fleisch und Blut übergehen, aber insgesamt bieten die unterschiedlichen Wege, die Dämonen zu verprügelt, einigermaßen Freiraum.

Mein größtes Problem hatte ich wohl mit dem Leveldesign: Einerseits ist es ab und an sehr erfrischend, auf kleinen Pfaden zu reisen und mal nicht ständig erkunden zu müssen, andererseits baut das Vorankommen oft nur auf Schlüssel sammeln. Ein Graus waren mir dann noch so einige seltsame Abschnitte, wo eine Zombie-Paula einen verfolgt und bei bloßer Berührung gleich ins Game Over schickt. Das heißt dann gleich wieder Ladezeiten, Zwischensequenz, Abschnitt wiederholen, um danach gleich wieder alles wiederholen zu müssen, weil man nur Sekunden Zeit hat.

Überhaupt hat man es leider oft mit Wiederholungen in dem Spiel zu tun, ständig begleitet einem ein Déjà-vu Erlebnis, als wenn man versucht hätte, das Spiel ein wenig in die Länge zu ziehen.

Überraschend nett waren dagegen die Bosskämpfe: Hier hat man sich nicht nur nette Geschichten für die speziellen Gegner überlegt, sondern auch der gute alte Oldschool-Weg, bei dem man Schwachstellen nach und nach entblößt, war mir sehr sympathisch. Fordernd, aber nicht frustrierend, legt man sich mit sehr unterschiedlichen Bestien an.

Piet

Fazit

Immerhin hält der Soundtrack aber was er verspricht. Auch wenn er nicht wirklich an der Qualität eines Silent Hill Soundtracks anknüpfen kann, so kann sich ein Durchgang für Akira Yamaoka-Fans lohnen.

Wer Spiele abseits des Mainstreams sucht, dem kann ich Shadow of the Damned – gerade bei dem günstigen Preis – hier tatsächlich empfehlen. Dennoch sollte man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, denn spielerisch fand ich meinen Höllentrip ziemlich dünn und aufgrund vieler Wiederholungen teilweise sogar recht nervig.

Es ist der typische eigenwillige Lückenfüller geworden, der besonders dank seines Artstyles zwischendurch glänzt und auch Spaß macht, aber an einigen Stellen leider die Chancen auf einen großen Hit verpasst hat.

Grabbelkiste-Wertung: Bestanden!

Screenshots haben wir der offiziellen Webseite entnommen.

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