Let's Play

Doom neu erleben

Wie Fans ihre Spiele neu erschaffen

Die Filmindustrie hat sie, die Musikszene hat und auch die vergleichsweise junge Branche hat sie inzwischen: die Rede ist von zeitlosen Klassikern. Filme, Lieder und Spiele, die trotz ihres alters ihren Zauber kaum einbüßen, die als strahlendes Vorbild ihrer Zunft stets glänzen und immer wieder zitiert werden.

Natürlich ist es auch eine Frage der Generation, wer zu jung ist und der besagte Klassiker bereits in Kindestagen zu altbacken war, der wird den Zauber, den die ältere Riege darin sieht nicht verstehen, geschweige denn erleben können. Wer den heutigen Teenagern Atari Klassiker wie Pong zeigt, wird vermutlich nur fragende Blicke ernten und auch Videospiel-Legenden wie Super Mario Bros. treffen heute nicht mehr überall auf Gegenliebe. Eben so wenig können sich vermutlich nur wenige mit Schwarz-Weiß Stummfilmen anfreunden.

Doch man kann vielfältige Anstrengungen unternehmen um auch den Menschen abseits der Blütezeit dieser Klassiker das Interesse zu wecken. Sei es durch digital überarbeitet Fassungen von Filmen oder indirekt durch Remakes, oder neu eingespielte Songs oder auch wieder indirekt durch Remixes. Dadurch wird zumindest ein Teil des Werks auf einen moderneren Standard gebracht und wird eventuell mehr akzeptiert.

Der Stöpsel und sein Spiel

Ich bin mit Videospielen aufgewachsen, ich habe an einem Atari gezockt, habe Load Befehle in einen Commodore 64 gehämmert und den ratternden Ladegeräuschen meiner Amiga 500 Disketten gelauscht. Wenn ich zurück denke, fallen mir zahlreiche persönliche der Videospielgeschichte ein und fast genau so viele allgemein anerkannter Klassiker. Einer dieser Klassiker, ein wahrer Pionier des Ego-Shooter Genres ist Doom von id Software. Doom - ein Name, der vermutlich jedem Spieler bekannt ist und viele dazu veranlasst nostalgischen Gedanken nachzuhängen.

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Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals Doom zum ersten mal spielen durfte und welchen Aufwand ich betrieben habe um an das Spiel heran zu kommen. Dies war damals gar nicht so einfach, denn Doom war bei uns in Deutschland indiziert als es 1993 erschien und wurde erst im August 2011 vom Index genommen. Für einen 12 jährigen Stöpsel für mich, war es dementsprechend keine leichte Aufgabe an ein Videospiel, das für Erwachsene gedacht ist und indiziert ist, zu kommen. Zum einen hatte ich nicht das große Geld und zum anderen konnte ich nicht einfach in den nächsten Videospielladen oder Elektroriesen gehen um mir das Spiel zu kaufen, zumal die meisten Händler das Spiel gar nicht hatten. Einige Monate versuchte ich händeringend das Spiel in die Finger zu bekommen und irgendwann traf ich auf den Videodealer meines Vertrauens, bevor ich nur zwei Jahre später selbst zum Videodealer des Vertrauens auf unserer Schule wurde.

Eine Packung 3,5 Zoll Disketten und 10 D-Mark später hielt ich das begehrte Stück Videospiel-Ekstase in den Fingern und konnte es kaum erwarten. Zuhause angekommen wurde sofort der PC angeworfen und ich lies meiner Begeisterung freien Lauf. Natürlich war da zum einen der Reiz des Verbotenen, denn eigentlich war ich viel zu jung für das Spiel und dazu sorgte die explizite Gewalt für viel Aufsehen in den Medien, doch es war nicht das viele Blut was mich lockte und begeisterte. Zu dieser Zeit war Doom einfach was völlig neues, die Ego-Perspektive war zwar nicht neue, aber so real für diese Zeit und mit solch einer flüssigen Steuerung, dies hatte man noch nie erlebt.

Ein moderner Klassiker

Wer die Entwicklung der Videospiele in so frühen Stadien wie den 80ern und 90ern nicht miterlebt hat, der kann dies vermutlich nicht wirklich verstehen. Doch ich habe Doom seit damals unzählige male erneut ausgepackt und voller Begeisterung immer und immer wieder durchgespielt, mit und ohne Cheats - IDKFA! Doom macht damals wie heute ungeheuren Spaß. Man bekommt herausfordernde Action geboten, bei der man nicht viel nachdenken muss und darf dabei einem kultigen Soundtrack lauschen. Inzwischen sind zahlreiche Versionen des Spiels erschienen, doch geändert hat sich nur wenig.

Die Steuerung via Maus wurde sinnvoll ergänzt und der Soundtrack wurde etwas aufgebohrt, aber Doom bleibt Doom. Nach all der Zeit macht sich nur eine Verschleißerscheinung bemerkbar, ich kenne das Spiel inzwischen fast auswendig. Doch wie die Musik- und Filmbranche haben auch wir Gamer unsere Mittel und Wege unsere Klassiker aufzubohren. Gerade in den letzten Jahren macht auch hier sich der Trend breit, olle Kamelle mit verbesserter Grafik auszustaffieren. HD Remake hier, Fan Projekt dort. Einen Trend den ich persönlich gut heiße, haben doch so jüngere Gamer es etwas leichter unsere alten Leckerbissen ebenfalls zu genießen und wir dürfen zurück in unsere Kindheit oder Jugend reisen.

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Eine weitere Möglichkeit, und dazu sehr beliebt, sind sogenannten Mods. "Mods" steht kurzum für Modifications, also Modifikationen, die das Spiel verändern. Einige moderne Spiele nutzen diese Features ganz gezielt und bieten sie von Haus aus an. The Elder Scrolls: Skyrim ist hier z. B. ein ganz starker Vertreter dieser Szene. Unzählige Mods hat die Community der Skyrim Fans geschaffen, die das Spiel auf zahlreiche sinnige und unsinnige Weise verändert, ob zum albernen Scherz oder zur Verbesserung des Spielerlebnisses. Verbesserte Texturen für noch schönere Grafik, Gameplay Veränderungen für neue Mechaniken und Möglichkeiten im Spiel, oder um den Schwierigkeitsgrad für Spieler, die harte Herausforderungen suchen, anzuheben.

Der Vorteil den Fans von Haus aus Mods anzubieten hält ein Spiel über seine eigentliche Lebenszeit am Leben. Ein perfektes Beispiel für die Erweiterung der Lebensdauer, also die Zeit, in der das Spiel von einer hohen Anzahl Spieler gespielt und verfolgt wird, ist das Indie Horror Game Amnesia: A Dark Descent. Amnesia zog viel Aufmerksamkeit auf sich, da es unglaublich gruselig war und vor allem die Let's Play Szene diesen Titel auf ganz YouTube verbreiteten, da die Zuschauer es liebten den Spieler beim gruseln zuzusehen. Dieser Hype hielt ungewohnt lange an und dies lag alleine daran, dass auch Amnesia indirekte Mods erlaubte, sogenannte Costum-Storys. Spieler konnten ganz eigene Kampagnen für Amnesia erschaffen und einige dieser Kampagnen waren sogar erschreckender als das Hauptspiel. Die Möglichkeit das Spiel an sich zu ändern war zwar sehr begrenzt, aber nichts desto trotz vorhanden.

Doch die Modder Szene ist so alt wie Videospiel selbst. Auch wenn ein Spiel diese Möglichkeit gar nicht geboten haben, fanden findige Nerds meist trotzdem einen Weg. Auch beim Klassiker Doom war die Modder Szene sehr geschäftig und zahlreiche Mods sind für Doom erschienen. Einige der interessantesten Mods, die Doom sehr gravierend verändern, möchte ich Euch hier nun vorstellen. Dank derer durfte ich eine meiner liebsten Perlen der Vergangenheit nahezu völlig neu erleben.

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Blutig, Rasant, Actiongeladen und völlig neu

Eines der größten Probleme bei jedem Klassiker ist: irgendwann kennt man einfach jede Ecke. Man weiß wo jeder Gegner steht und kennt jeden Geheimgang und jede Abkürzung. Diese Tatsache nimmt auch einem Klassiker sehr viel Faszination. Bei Doom schafft der Doom One Mod hier Abhilfe.

Dieser Mod verändert die Kampagne merklich. Zwar erkennt man die Levels noch wieder und sie sind im großen und ganzen noch gleich aufgebaut, doch der Teufel liegt hier im Detail. Zum einem sind die Levels in den einzelnen Kapiteln nicht mehr separiert. Ursprünglich drückte man am Ende des Levels eine Knopf und nach einer Zusammenfassung erlangte man ins nächste Level. Bei "Doom One" fehlt dieser Ladeprozess. Es öffnet sich nun eine Tür oder ein Aufzug befördert uns in einen völlig neuen Zwischenbereich, über den wir dann in das nächste Level gelangen. Das Spielerlebnis wird also nicht unterbrochen - Großartig!

Weiterhin haben sich auch einzelne Räume verändert. Gegner tauchen an völlig neuen Stellen auf und fiese Fallen überraschen den sonst so routinierten Doom Profi. Man hat also durchaus das Gefühl eine neue Kampagne zu spielen, ohne dass das unvergleichliche Doom Feeling verloren geht. Den Mod gibts auch in zwei Fassungen, bei der "Lite" Version bleibt der originale Soundtrack bestehen, bei der "Full" Version wird dieser durch eine ziemlich coole Heavy Metal Version ausgetauscht! Das Fetzt!

Bisher wurde leider nur das erste Kaptitel "Knee-Deep in the Dead" und die ersten vier Folgelevels in Doom One überarbeitet, aber es wird noch aktiv am Mod gewerkelt, man darf also mit weiteren Levels rechnen.

Noch gravierender wird der Unterschied jedoch wenn man den Brutal Doom Mod hinzunimmt. Durch diesen Mod ändert sich das Gameplay gravierend und Doom wirkt auf einmal fast modern. Auf einmal sind Dinge möglich, die damals undenkbar waren.

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Man kann nun z. B. springen und sich ducken. Es wurde eine echte Maussteuerung hinzugefügt, denn nach oben und unten sehen war damals nie nötig. Dies wiederrum bedeutet auch, dass man nun wirklich zielen muss wohin man ballert, auch dies war damals anders, da reichte die ungefähre Richtung um zu treffen. Um das zu vereinfachen kann man nun über Kimme und Korn zielen, ein völlig ungewöhnliches Gefühl bei Doom. Und endlos drauf losballern ist auch vorbei. Musste man im Original niemals nachladen, sieht man in Brutal Doom schnell alt aus, wenn man mitten im Gefecht ein leeres Magazin vorfindet. Doch nicht nur der Spieler muss nachladen, auch die Gegner haben keine Endlos-Magazine mehr. Dazu gibt es neue Waffen, Power Up und auch zutreten kann man nun.

Der Spieler bekommt eine eigene Sterbeanimation geliefert und auch alle Gegner haben nun zahlreiche Sterbesequenzen. Außerdem wurde der Gewaltgrad drastisch angehoben. Das Blut spritzt pixeleimerweise, an Bildschirm, Wände, Böden oder tropft gar von der Decke. Gegner ballert man bei einem guten Headshot die Rübe weg oder sie zerfetzen ganz und gar, so das überall Körperteile umherfliegen. Brutal Doom schafft ein völlig neues, extrem rasantes und fetziges Spielgefühl, welches jeder Doom Fan unbedingt ausprobieren sollte.

Auch dieser Mod wird noch aktiv weiter entwickelt und wer weiß, was uns noch erwartet. Übrigens lässt sich Brutal Doom auch auf Doom II anwenden.

Die Mods sind völlig kostenlos und können auf ModDB.com gezogen werden. Das einzige, was Ihr benötigt ist eine Original Version von Doom. Ob eine Standalone Version oder Doom aus der "Doom 3 BFG Edition" ist dabei völlig egal. Wenn Ihr also dieses nostalgische Retro-Erlebnis ebenfalls einmal völlig neu erleben wollt, im folgenden Video erkläre ich euch, wie genau Ihr die Mods ans Laufen bekommt.

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Video-Anleitung

Sascha

Fazit

Damit wünsche ich viel Spaß beim Kampf gegen die Höllenkreaturen auf dem Mars und freue mich, dass ich ein paar Anekdoten aus meiner Gamer-Jugend loswerden durfte.

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