Review

Der Puppenspieler

Entwickler: SCE Japan Studio | Genre: Jump 'n' run | Plattform: PlayStation 3 | USK: ab 6 Jahren

2013 – das Jahr des Jump ’n’ Runs? Fans des Genres können sich zumindest angesichts der üppigen Auswahl wahrlich nicht beklagen: Vom handgemalten 2D-Hüpfer über 2,5D-Ableger bis hin zu 3D-Plattformern, diverse Remakes inbegriffen, wird dem Spieler jede Menge Abwechslung geboten. Optisch am meisten sticht dabei „Der Puppenspieler“ heraus, dessen Abenteuer konsequent wie ein Puppentheater aufgezogen sind. Originelle Idee, die auch spielerisch überzeugt?

Applaus! Applaus! Applaus!

Als sich der virtuelle Vorhang öffnete und die Stimme des Erzählers erklang, beschlich mich sofort die Magie, die ich einst als Kind bei einer Puppenaufführung verspürte. Und so lauschte ich mit diesem warmen Gefühl gebannt der Handlung: Eine weitere irdische Kinderseele hat der fiese Mond-Bärenkönig in einer dunklen Mondnacht zu sich gerufen und sperrt diese in den Körper einer kleinen Holzpuppe ein. Doch anstatt ihr Besitzer, der kleine Junge Kutaro, wie die anderen Gefangenen das schwarze Schloss bewacht, verschlingt der schreckliche Tyrann dessen Holzkopf und wirft den enthaupteten Knaben in den Burgverlies. Zum Glück kommt ihm schon bald der skurrile Kater Ying Yang zu Hilfe, der dem Jungen einen passenden Ersatz beschafft und anschließend zur Hexe Ezma Potts bringt. Diese vertraut dem armen Kutaro mit der Aufgabe, die magische Schere Calibrus aus dem Besitz des Mond-Bärenkönigs zu entwenden und zu ihr zu bringen – schließlich möchte sie diesen vom Thron stürzen. Doch es kommt anders, als Calibrus den kleinen Jungen als rechtmäßigen Besitzer auserkoren hat.

„Der Puppenspieler“ erzeugt eine stimmungsvolle Atmosphäre, einerseits durch die märchenhafte Geschichte, vor allem aber durch die bereits erwähnte Aufmachung eines glaubhaften Marionettentheaters. Die Bühne steht selten still und wackelt dann und wann bei der gebotenen Darstellung gehörig. Mit polterndem Lärm wird die Kulisse binnen eines Bruchteils einer Sekunde umgebaut. Publikum jubelt beim Erfolg des kleinen Kutaros und hält den Atem bei waghalsigen Situationen an. Permanent wird der geöffnete Vorhang eingeblendet, während die Flutlichter Highlights der Show untermalen. Musikalisch bewegen sich die komponierten Stücke von Patrick Doyle (Merida – Legende der Highlands) auf demselben hochwertigen Niveau wie die von Ari Pulkkinen (Trine). Und auch die einzelnen Szenen sind geschmackvoll designt und erinnern in lauschig düsteren Abschnitten an den Charme von Tim Burtons Werken.

Doch so schön die Atmosphäre auch ist, die vielen Zwischensequenzen überspannen mit ihren minutenlangen Dialogen deutlich den Geduldsbogen (immerhin kann man sie überspringen), so dass der Spieler immer wieder die Rolle des Zuschauers einnimmt und der Spielfluss leider erheblich leidet.

Das Ding hat einen Haken – dann ziehe ich halt dran

Und auch der erste von siebten Akten mit je drei Szenen ist spielerisch wenig motivierend. Das liegt vor allem daran, dass die Level-Abschnitte anfangs kaum größer als der tatsächliche Bildschirm sind, woran auch der Sprung in die Tiefe, zu weiteren bildschirmfüllenden Kulissen wenig ändert.

Der zu Beginn zu leichte Schwierigkeitsgrad ist ebenfalls ein Kritikpunkt, resultierend aus den kleinen Arealen, in denen schwere Gegner zu suchen sind, die Kutaro seinen Kopf verlieren lassen. Bis zu drei Köpfe kann Kutaro mit sich tragen und auf Knopfdruck wechseln, um bei einem passenden Symbol Kristalle, sogenannte Mondfunkel, oder Bonuslevel zu entdecken. Köpfe gibt es viele verschiedene, vom Totenkopf bis hin zu sonderbaren Exemplaren wie ein Hamburger oder ein Kirschbaum. Wird Kutaro von einem Gegner getroffen, verliert er einen seiner gesammelten Köpfe, die er innerhalb einer kurzen Zeit wieder aufsammeln kann, bevor sie ganz verschwinden. Verliert Kutaro alle drei Köpfe, verliert er eins seiner Leben, die er wiederum mit je 100 Mondfunkel um eins erhöhen kann. Mondfunkel erhält Kutaro nicht nur durch passender Interaktion an den entsprechenden Symbolen, die ganze Spielwelt ist voll ihnen, versteckt, hinter den vielen Bühnenrequisiten, die von seinem Begleiter Ying-Yang, gesteuert mit dem rechten Analogstick, entdeckt werden können.

Bereits nach dem ersten Akt zieht der Spielspaß aber gehörig an, da die Level-Abschnitte deutlich länger werden und Kutaro neue Fertigkeiten erlangt, welche die Spielmechanik erheblich erweitern. Die magische Schere Calibrus leistet nicht nur im Kampf gegen Feinde gute Arbeit, mit ihr kann Kutaro Hindernisse überwinden, indem er sich auf Knopfdruck durch Netze, Wolken, Fahnen, Blätter und andere Materialien schnetzelt. Später kommen unter anderem ein Schild gegen gegnerische Attacken, die im wahrsten Sinne des Wortes bombastische Ninja-Kräfte oder ein Greifhaken hinzu, mit dem Objekte, die wiederum ebenfalls mit einem Haken versehen sind, herangezogen werden können.

Im Spielverlauf zeigt sich auch das Leveldesign sehr abwechslungsreich, so durchläuft Kutaro neben der anfänglichen Burg unter anderem auch einen Bambuswald, einen Sumpf, die Wüste oder eine Winterlandschaft. Wirklich fordernd fallen dabei vor allem die Bossgegner, die sogenannten Generäle des Mond-Bärenkönigs aus, die mitunter auch durch Reaktionstests bezwungen werden.

Trailer

Benny

Fazit

Von der Aufmachung begeistert, vom ersten Akt beinahe enttäuscht, hatte ich bis zum Ende des siebten Aktes doch viel Spaß mit dem „Puppenspieler“ gehabt. Das konsequente Bühnengefühl ist ohnehin jedem Zweifel erhaben, doch habe ich neben der tollen Optik ein wenig die spielerische Kreativität vermisst. Auch wurde mir das Spielvergnügen etwas zu sehr von den vielen Zwischensequenzen unterbrochen. Wegdrücken wollte ich sie auch nicht, um nichts zu verpassen, sei es die Handlung oder den teils köstlichen Humor.

Für Genrefans ist „Der Puppenspieler“ definitiv ein Blick wert, zumal das Spiel bereits zu Release sehr günstig ist und für jeden unentschlossenen eine kostenlose Demo zur Verfügung steht. Wer dann doch nicht mit dem „Puppenspieler“ warm werden sollte, der hat im Jump ’n’ Run-Jahr 2013 sicherlich noch weitere Gelegenheiten, um auf seine Kosten zu kommen.

Wertung: 7,8

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.