Videospiele

Angespielt: BEYOND: Two Souls

Unser Ersteindruck

Noch bevor der neue PlayStation 3 Exklusivtitel "BEYOND: Two Souls" am 9. Oktober im Handel erhältlich sein wird, durfte ich mir auf einem Preview-Event mit dem Fabi einen ausführlichen Einblick in der Hamburger Hafen-City machen. Wer von Euch bereits "Heavy Rain" oder "Fahrenheit" spielen durfte, kennt sicherlich den Namen David Cage und sein Studio Quantic Dream, sowie ihre einzigartigen Spiele. Wir waren natürlich im Vorfeld schon gespannt, in wie weit das neue Spiel die Fusion aus Film- und Videospiel ausbauen oder gar verändern könnte.

Mehr Hollywood geht kaum noch

Der Erfolg von "Heavy Rain" hat sich ausgezahlt: David Cage & Team standen dieses Mal erheblich mehr Mittel zu Verfügung. Ihre Rolle als Tür-Eintreter für ihr Spielprinzip wird hier deutlich gestärkt, indem sie namenhafte Schauspieler wie Ellen Page (Juno, Inception, Super - Shut up crime) und William Dafoe (Platoon, American Psycho, Spiderman) mit an Bord holen konnten. Zu guter Letzt sollte der erste Videospiel-Soundtrack überhaupt vom berühmten Komponisten Hans Zimmer (Fluch der Karibik, Inception) dann endgültig in Hollywood-Wellen schlagen und der filmischen Erzählung in Videospielform aus den Kinderschuhen helfen. Die Erzählweise lehnt sich zudem stark an Amerikas typischer Handschrift an und somit werden hier wiederholt die Weichen für ein neues Medium gestellt, was heute noch etwas unterrepräsentiert ist, aber definitiv Potenzial mit sich bringt.

Die Namen sind dabei nicht nur Schall und Rauch: Die Figuren überzeugten mich mit den bereits bekannten Qualitäten der beiden Schauspieler und der Soundtrack trug auch das typische Gefühl von Herrn Zimmer und unterstrich bisher die Bilder mit seinem gewohnt soliden Kaliber. Zum Glück kommen hier übrigens auch die bekannten deutschen Synchronsprecher der Schauspieler zum Einsatz, dadurch wird auch in der deutschen Version die Qualität eingehalten.

Aus dem Leben von Jodie Holmes

Taucht man in die Geschichte ein, so findet man sich in der Rolle von Jodie wieder. Sie ist, im Gegensatz zu anderen Mädchen, mit einer Gabe ausgestattet: Seit Ihrer Geburt ist sie nie allein, denn Aiden, ein übernatürliches Wesen, ist fest mit ihr verbunden. Als Spieler begleitet man den aussergewöhnlichen Lebenslauf der Protagonistin in verschiedenen Lebensabschnitten und entdeckt so nach und nach immer wieder neue Details und kommt dem Rätsel hinter ihrem Schicksal immer näher auf die Spur.

Wie zu erwarten, bleiben ihre Fähigkeiten nicht ganz unentdeckt und so bilden sich bereits im frühen Alter gewisse Gegenspieler, unter anderem natürlich Psychologen und auch das Militär, da sie gemeinsam mit Aiden als eine Waffe eingesetzt werden kann. Der emotionale und psychische Druck werden dementsprechend dadurch zu einer Last und so gilt es für Jodie einen Ausweg zu finden und vielleicht doch irgendwann ein normales Leben zu führen.

Stark beeinflusst von traditionellen Mystery-Thrillern gibt es hier ein feines Netz an Informationen, welche sich dem Spieler nur komplett erschließen, wenn man, wie bereits in Vorgängern, die verschiedenen Abschnitte mehrfach spielt oder mit besonderem Geschick und Neugier das meiste aus den Szenen rausholt. Das hebt BEYOND: Two Souls somit vom klassischen Spielfilm ab und fordert dem Spieler Mitdenken und Interesse ab. Wer sich nicht kommunikativ zeigt oder die Umgebung nicht gründlich erforscht, wird schneller mit dem Spiel durch sein und viele Feinheiten und Erklärungen verpassen und wahrscheinlich auch noch ein nicht-befriedigendes Ende zu sehen bekommen. Man erzählte uns, dass die Mindestspieldauer, also wenn man viele optionale Handlungsstränge verpasst, bei 8-10 Stunden liegt. Somit wäre ein Vergleich zu einer TV-Serie vielleicht schon passender als zu einem Spielfilm.

Ihr habt den Einfluss, nicht die Kontrolle

Womit womöglich nicht jeder Spieler klar kommen wird ist, dass selbst wenn Ihr in Dialogen entscheidet, wo es lang geht und auch verschiedene Lösungen für die Situationen bereit stehen, es immer wieder Schlüsselmomente gibt, an denen die Handlungsfäden wieder zusammenführen (müssen). Das ist nötig, damit die Geschichte voran kommt und Ihr nicht die komplette Handlung sabotiert. Wer hier also einen Film mit der Freiheit und der Charaktergestaltung eines Rollenspiels erwartet, könnte über die Einflussnahme etwas enttäuscht werden. Das war allerdings bei Heavy Rain auch schon so und für Neulinge wichtig zu wissen.

Einziger Knackpunkt, der mir beim Spielen einer bestimmten Szene im Preview besonders auffiel war, dass ich "vermutlich" unter Zeitdruck gewisse Informationen aus einem Versteck besorgen musste. In der Geschichte musste ich mich natürlich beeilen, aber ob es hier einen Zeitdruck aus spielerischer Sicht gab, war nicht wirklich klar. Leider auch nicht, ob es einen positiven, wie auch negativen Ausgang, für diese Situation gibt. Nach Rückfragen wurde uns gesagt, dass bisher alle Spieletester am Ende der Szene auf ein negativen Ergebnis gekommen sind.

So etwas macht es einen als Spieler nicht gerade leicht, den eigenen Einfluss zu erkennen und vor allem die Möglichkeiten der Szene auszuschöpfen. Man bleibt im Unklaren, weil es im präsentierten Stil kaum Spielraum für traditionelle Elemente wie einen ablaufenden Timer gibt, das würde einfach nicht passen.

Somit bleibt später im Zweifel nur noch das mehrfache Durchspielen von einigen Szenen, um zwischen den variablen und festgelegten Ereignissen unterscheiden zu können. Das ist für mich zwar in Ordnung, ändert aber nichts an einem gewissen Frust beim ersten Spielen, weil man erstmals nie wirklich weiß, woran man selber Schuld hatte und woran nicht. Dass einem da der ehrgeizige, innerliche Gamer im Wege steht und ein recht unerfahrener dagegen kaum Probleme damit sieht, zeugt immerhin von einem recht subjektiven Problem, was zumindest den Kollegen Fabi und mich betrifft. Zumindest nahmen wir das vom bisher Gespielten so mit.

Die zahlreichen verschiedenen Enden und kleine Veränderungen, die über mehrere Spielabschnitte nachträglich Folgen haben, bieten hier letztendlich aber genügend Anreize, nach dem ersten Durchspielen weiter rumzuspielen.

Aiden, die spielerische Erfrischung

Wo es in Heavy Rain noch diverse Protagonisten gab, habt Ihr es in BEYOND: Two Souls bisher aber nur mit Jodie und Aiden zu tun. Dabei übernimmt Jodie durch das fantastische Schauspiel von Ellen Page die emotionale  und aktive Rolle in der Welt. Zuerst kann sie zwar nur sehr triviale Dinge, wie sich hinsetzen oder Türen öffnen, später aber werden die neuen Quicktime-Events, die etwas mehr in den Kontext der Bewegung passen als in den Vorgängern, für aufwendigere Aufgaben wie Kampf und schnelle Reaktionen genutzt. In den Dialogen fühlte es sich für mich schwer an zu antworten, weil man niemandem so recht trauen möchte, aber sie erst durch ihre Antworten besser kennenlernt.

Aiden, ihr bisher unsichtbarer und stummer Begleiter, bietet dagegen spielerisch mehr Freiheit. So kann er meistens jederzeit abgerufen werden und sich in den Szenen frei bewegen, durch Wände kommen, Gegenstände bewegen oder sogar in einige Personen eindringen und diese steuern. In einer Szene war dank meiner Entscheidung Jodie auf Rache aus und so verwandelte sich Aiden in ein Troll-Instrument für den Spieler und ich hatte meinen Heidenspaß böswilligen Teenies um den Verstand zu bringen.

Leider konnten wir den Zweispieler-Modus nicht testen, aber wenn man das Spiel später so aufteilt, dass der zweite Spieler auf seinem "Second Screen" (Smartphone/Tablet) via App den Aiden steuert, so weiß ich jetzt schon welche Rolle ich einnehmen möchte.

Hauptdisziplin: Story

Ich hab ein wenig überlegt, wie weit ich in diesem Preview wirklich schon Dinge aus der Geschichte verraten sollte, da einige von Euch vielleicht die Kaufentscheidung noch von dieser abhängig machen. Meiner Meinung nach reicht es, wenn man Filmen wie "The Sixth Sense" oder "Paranormal Activity" nicht gleich ablehnt, um sich da keine Sorgen machen zu müssen.

Die Macher versprechen ein hochemotionales Drama und dank der wirklich gelungenen Darbietung von Ellen Page und die Begleitung seit Kindesalter bekommt Jodie definitiv die Verbindung zum Zuschauer. Durch die überwiegend ungerechte Welt, welche ihr gegenübersteht, bekommt man recht schnell die Motivation, sie bei ihren Lebensausschnitten zur Seite zu stehen. In den ersten Stunden gab es hier und da noch ein wenig das Tutorial-Gefühl, aber erste Hinweise scheinen für den späteren Verlauf noch einiges mehr zu versprechen, als man zunächst noch erwartet.

Piet

Fazit

"Heavy Rain" konnte bereits nicht alle Spieler vollends überzeugen, allerdings auch viele neue Spieler ansprechen. Ähnlich wird dieser Titel sein Publikum finden, abseits der typischen Blockbuster, mit einer neuen Richtung . Wir hier auf CouchCastle.de heißen jeden Schritt, der die Erzähl-Strukturen von Videospielen einen Schritt weiter bringt, natürlich besonders willkommen.

Ich freue mich persönlich schon auf BEYOND: Two Souls!

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