Kolumne

Simfy, Spotify... Segen oder Fluch?

Erfahrungen und Gedanken

Seit ungefähr einem halben Jahr habe ich nun bereits ein kostenpflichtiges Konto bei einem Musik-Streaming Anbieter. Und so langsam wird es Zeit für ein Status Quo.

Der ursprüngliche Plan

Als ich mich beim Anbieter registriert hatte, klang das ganze Angebot doch recht verlockend: Entweder man nutzt es kostenlos und muss mit Werbe-Einblendungen leben, oder man zahlt 4.99 Euro monatlich und hört die gesamte Musikbibliothek des Anbieters werbefrei. Wer es noch drauf anlegt Musik lokal von Festplatte oder auf dem Smartphone oder Tablet zu hören, kann für 9.99 Euro das volle Paket bekommen.

Also leidenschaftlicher Musikhörer und CD Sammler hatte ich sehr schnell einen Plan: Ich kann endlich jedes Album in Ruhe mehrfach durchhören per Streaming und am Ende des Monats kommen dann nur die besten materiellen CDs mit hoher Qualität in den Warenkorb. Somit dürften Fehlkäufe ja endlich der Vergangenheit angehören und CDs, die in den ersten Tagen begeistern, aber nach spätestens 2 Wochen tot gehört sind werden gemieden. Dadurch, dass jedes Anhören den Künstlern Geld beschert, leistet man so dann auch seinen Beitrag.

Wer gerne neue Musiker für sich entdecken möchte, kann auch einfach via Künstler- oder Genre-Radio durch passende Songs begleitet werden, welche man natürlich bequem zwischendurch "liken" kann, um später in deren andere Alben reinzuhören.

Der Musik-Hörer bekommt neue Möglichkeiten und Komfort, die Anbieter ihre Werbe- und Abonnement Einnahmen und die Musiker/Labels bekommen für jeden gestreamten Song Geld.

Beobachtung des eigenen Verhaltens

Was in der Theorie sehr vielversprechend klang, wurde jetzt ein halbes Jahr an mir selbst auf die Probe gestellt. Ich konnte dabei folgendes beobachten:

  • ich habe viele neue Bands kennengelernt
  • dementsprechend habe ich auch mehr verschiedene Musik gehört
  • meine CD-Käufe sind massiv zurückgegangen

Ich habe ja meine Lieblings-CDs schon sehr gerne im Regal stehen. Zum Teil "ehrt" man damit ja auch ganz besondere Alben, und meine Einkaufsliste wächst und wächst. Im selben Zuge aber fällt es mir immer schwieriger CDs zu kaufen, weil es einfach wiederum zu viele werden.

Und wo führt das hin?

Mein Beispiel ist natürlich nicht repräsentativ für die ganze Community, aber man muss sich nun bald wirklich mal fragen, wo das ganze hingeht. Was die Unterhaltungsindustrie angeht, so wurde Musik ja bereits vor langer Zeit von Videospielen oder Filmen überholt. Sorgen wir dafür, dass der Luxus auf Millionen von Songs Zugriff zu haben, die ganze Musik-Industrie weiter schädigt? Werden seit den Streaming-Diensten jetzt eigentlich weniger CDs verkauft, oder nutzen hauptsächlich die Menschen diese Möglichkeiten, die sich sonst keine CDs kaufen würden?

Piet

Fazit

Es wird nicht leichter das richtige zu tun. Einerseits helfen die Streaming-Dienste viel mehr Musik zu entdecken und vor allem unbekanntere Bands, andererseits verkaufen sich so weniger CDs. Und der anderen Hand aber verdienen Musiker ohnehin nur Cent-Beträge pro verkaufte CD. Dass sie auf Konzerten oder durch Merchandising schon immer besser unterstützt wurden, war ja schon vor Erscheinen der Dienste Programm.

Ich für meinen Teil komme aber langfristig nicht um CDs drumrum, weil ich eine hohe Sound-Qualität schätze und mir nicht umsonst deswegen auch ordentliche Lautsprecher gekauft habe. Das ganze wird aber immer mehr zum "Liebhaber"-Ding, denn ich beobachte, dass die Masse der Menschen da nicht so anspruchsvoll ist wie ich. Also wozu sollen die denn noch CDs kaufen?

Was denkt Ihr über das Thema? Nutzt Ihr solche Dienste?

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.