Review

Schattenkrieger - The Shadow Cabal (2013)

Genre: Fantasy | FSK: ab 16 | Erhältlich auf DVD/Blu-ray

Den geneigten Fantasyfans unter Euch dürfte die Problematik sicher bekannt sein, dass mangels einer üppigen Auswahl immer dieselben Filme im Player landen: Entweder die typischen Streifen aus den 80ern („Conan der Barbar“, „Willow“ und andere), wenige Highlights aus den 90ern („Der 13. Krieger“) oder die einzigen Blockbuster der Moderne – „Der Herr der Ringe“, „Der Hobbit“ und natürlich die TV-Serie „Game of Thrones“. Da mir das einfach nicht ausreicht und „Der Hobbit“ mich sogar arg enttäuscht hat, viel zu sehr lag der Fokus auf Action, habe ich einfach einmal mit „Schattenkrieger – The Shadow Cabal“ einen Blick in die B-Movie-Ecke gewagt. Wirklich nur billiger Schund oder gar eine ordentliche Alternative?

Der schlechte Ruf des B-Movie

Ohne große Erwartung legte ich die Disc mit dem mulmigen Gefühl ein, Geld für ein miserables Machwerk rausgeworfen zu haben und wurde von einem positiven Ersteindruck überrascht. Das Bild der Blu-ray-Fassung ist ganz ordentlich, trotz leichtem TV-Serien-Look der Kamerabilder. Kostüme wirken authentisch, die Maske des Orks, der auf einem gelungenen CGI-Drachen fliegt, hochwertig, wenngleich die Inspiration durch „Die Herr der Ringe“ offensichtlich ist. Und auch schauspielerisch macht bereits Danielle Chuchran als elfische Kopfgeldjägerin Nemyt bereits zum Auftakt eine gute Figur. Nachdem sie mit einer Balliste den Drachen vom Himmel holt (die Frage, warum das schwere Kriegsgerät mitten im Nirgendwo steht, stellen wir uns an dieser Stelle nicht) folgt ein glaubhaft choreographierter Kampf zwischen Ork und Elfe. Es ist der geschmeidigen Bewegung der hübschen Elfe zu verdanken, dass man über zwei verpatzte Schläge, die den Gegner trotz entsprechenden Soundeffekten gar nicht treffen, hinwegsehen kann und manche Bewegungen etwas langsamer ausgeführt werden. Kleine Aussetzer, die über die gesamte Filmlänge zum Glück eine Seltenheit sind.

Und der Zweiteindruck?

Alles in allem kein übler Start, der erste Befürchtungen bezüglich grober Schnitzer gekonnt verblassen lässt. Und auch wenn die nächste viertel Stunde etwas überhastet wirkt, da mehrere Handlungsstränge schnell zusammengeführt werden, entfaltet der Plot eine gewisse Spannung, der vor allem von einer (Anti-) Heldengruppe der etwas anderen Art lebt: Nemyt, die Elfe, Keltus, Krieger der Prophetin Ari-Alia, dessen Mimik mich manches Mal an Gerard Butler erinnert hat und dem Ork Kullimon, der bei mir eine große Sympathie aufbauen konnte. Überhaupt ist die Tatsache, dass ein Ork der Heldengruppe beitritt, erfrischend neu. Ihre Aufgabe ist es, die Schatten daran zu hindern, einen Avatar, den "Herr der Toten“, zu erwecken. Zugegeben, die Story reißt erzählerisch keine Bäume aus, Wendungen braucht man sowieso nicht erwarten, immerhin weist sie keine groben Logiklücken auf oder driftet ins Lächerliche ab.

Im Gegenzug hat das Team trotz kleinem Budgets ein recht gelungenes Gesamtwerk auf die Beine gestellt, das optisch überzeugt, trotz kleinerer Defizite. Zum einen ist die Orkhorde eher eine Orktruppe, da offenkundig nicht genügend Kostüme zur Verfügung standen, zum anderen sind manchmal die Lichtverhältnisse etwas sonderbar, womöglich, um andere Schwächen der Optik zu kaschieren. Wenn dem so ist, waren die Verantwortlichen damit erfolgreich.

Auf der anderen Seite ist es dem geringen Budget zu verdanken, dass „Schattenkrieger – The Shadow Cabal“ nur vereinzelt auf CGI-Effekte zurück greift und überwiegend auf klassischem Handwerk aufbaut. Persönlich finde ich es nämlich bedauernswert, das Hollywood allzu oft solche Hilfsmittel verwendet und die eine oder andere Kulisse weit künstlicher wirkt, als ein gutes, altes charmantes Bühnenbild.

Akustisch gibt es übrigens keinen Grund zur Kritik. Der Publisher „Ascot Elite Home Entertainment“ hat sehr gute Sprecher engagiert, unter anderem eine meiner Lieblings-Synchronsprecherinnen, Diana Borgwardt. Auch sind Soundeffekte und der Soundtrack schön anzuhören.

Trailer

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Benny

Fazit

Geld allein macht glücklich? Gewiss nicht. Und auch in der Filmindustrie gibt es genügend Beispiele, bei denen ein verhältnismäßig kleines Budget ausreichte, um ein Meisterwerk auf die Beine zu stellen. Ok, „Schattenkrieger – The Shadow Cabal“ gehört ganz sicher nicht dazu, aber er hat mir alles im allem gut gefallen, besser als „Der Hobbit“, der in der Produktion eine riesige Summe verschlungen hat. Während „Der Hobbit“ nur zu Beginn eine abenteuerliche Atmosphäre erzeugt und sich dann von einer Schlacht zur anderen hangelt, um die Spieldauer künstlich aufzublähen, erinnert mich dieser B-Movie an das Feeling alter Rollenspiele à la „Baldurs Gate“.

Und es ist ja nicht so, dass „Schattenkrieger – The Shadow Cabal“ als absolutes Billigprodukt daher kommt, dafür gab es dann doch zu viele Szenen, die hübsch anzusehen waren. Wenn große Filmstudios mit tollen Fantasyfilmen geizen, werden hoffentlich noch weitere qualitative B-Movies diese Lücke stopfen.

Wertung: 7.0

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