Review

Pacific Rim (2013)

Regisseur: Guillermo del Toro | Genre: Action/Mecha | Spielzeit: 131 Min. | FSK: ab 12

Meister seines Handwerks

Ob düstere Fantasy (Pans Labyrinth), schauderhafte Horrorkost (Mimic) oder Comic-Adaption (Hellboy) - nicht nur Kenner werden wissen, dass sich hinter all diesen Werken ein Name verbirgt: Guillermo Del Toro. Und wenn irgendwo die Präsenz, sei es als Produzent, Regisseur oder gar Drehbuchautor, des sympathischen Mexikaners zugegen ist, ist eins garantiert: Das Werk ist, in welcher Hinsicht auch immer, etwas besonderes. Sei es die Atmosphäre, eine außergewöhnliche Geschichte oder eine besondere Optik, etc. – diese Liste ließe sich je nach eigenen Vorlieben und eigenen Interessenschwerpunkten beliebig erweitern. Kein Wunder, dass immer mehr Fans gespannt und voller Vorfreude auf weitere Werke des kreativen Kopfes lauern und auch selten in ihrer Erwartungshaltung enttäuscht werden. Doch was ist mit seinem neuesten Werk, dem Action-Blockbuster "Pacific Rim"? Schafft es Del Toro selbst in solch einem Millionen-Projekt der Marke Hollywood, seinen Geist und sein Händchen für's besondere zu bewahren? Ohne Frage, die Antwort lautet: Ja!

In Pacific Rim hat sich Del Toro einen kleinen Traum erfüllt und schickt voller Begeisterung riesige Mechas in den Kampf gegen wolkenkratzerhohe Monster. Böse Zungen behaupten nun, Pacific Rim wäre ein „billiger“ Transformers-Abklatsch, Anime-Fans wiederrum kreiden Del Toro angebliche Anleihen an Neon Genesis Evangelion an. Obwohl diese Einwände auf den ersten Blick erst einmal berechtigt erscheinen, sollten diese auf den zweiten aber nicht mehr allzu schwer ins Gewicht fallen. Denn bereits in den ersten Filmminuten demonstriert Pacific Rim opulent, dass die thematisierten Mechs, die sogenannten Jaeger, mit Michael Bays Spielzeugautos mächtig den Boden aufwischen. Ist die Transformers-Trilogie gekennzeichnet durch - zwar visuell durchaus beeindruckende - auf Hochglanz polierte, dafür aber nicht minder sterile Materialschlachten, so zeigt sich Pacific Rim, für Del Toro typisch, um einiges dreckiger, düsterer und vor allem tiefgründiger. Kurz umrissen handelt Pacific Rim von unserer Welt in nicht allzu ferner Zukunft. Durch ein Portal am Meeresgrund gelangen gefährliche außerirdische Monster, die sogenannten Kaiju, an die Erdoberfläche und hinterlassen dabei eine Schneise von Tod und Verwüstung. Um der Lage Herr zu werden und die Bedrohung zu bekämpfen, bauen die Menschen riesige Kampfmaschinen, welche von jeweils zwei Piloten mittels neuronaler Kopplung gesteuert werden müssen - dass die Schlachten nicht nur Zerstörung auf materieller Ebene nach sich ziehen, erklärt sich dabei wohl fast von selbst.

Liebevolles Bombastkino

Technisch auf höchstem Niveau kann Pacific Rim nicht nur visuell und akustisch begeistern, sondern auch in Puncto Drehbuch und Charakterzeichnung auftrumpfen. Natürlich darf man storytechnisch kein philosophisches Meisterwerk erwarten, aber doch hat Pacific Rim alles, was man in einem Transformers-Teil vergeblich sucht. Eine interessante und durchaus im Bereich des möglichen liegende Zukunftswelt, glaubhafte und sympathische Charaktere und das (für mich persönlich) wichtigste: Der Streifen erspart einem den, in vielen anderen Hollywood-Produktionen fast schon als Standard angesehenen, aufgezwungenen „Amerika-rettet-die-Welt-weils-kein-anderer-kann“ Pathos. Pacific Rim spiegelt eine dystopische Zukunftsvision wieder, in der übermächtige Wesen eine globale Bedrohung darstellen und die Gegenwehr dementsprechend Nationenübergreifend ausfällt und jedes Land bringt seine Jaeger-Piloten mit den landesspezifischen Stärken auf das Spielbrett. Letztendlich ist jedoch egal, welches Pilotenpärchen grad hinter der Steuerung der riesigen Mechs agiert, denn eins haben alle gemeinsam: Wenn die Jaeger auf die monströsen Kaiju-Wesen treffen, dann scheppert es gewaltig.

Sympathische Charaktere und ein Drehbuch mit Hand und Fuß (Klischees und verkraftbare kleinere Logiklücken sind zwar auch hier vorhanden, stören das Gesamtbild aber in keinster Weise), können bei Pacific Rim als nette Dreingabe angesehen werden. Das, im wahrsten Sinne des Wortes, sehenswerte sind nämlich die grandios inszenierten Duelle zwischen Jaeger und Kaiju. Allein schon wegen der monströsen Größenordnungen fliegen während der Kämpfe nicht nur die Fetzen, sondern auch mal Autos, Gebäudeteile oder Kreuzfahrtschiffe. Jedes Gefecht besteht zwar aus dem reinsten Eye-Candy, aber die Kampfchoreografien wirken - natürlich unter Berücksichtigung des filmischen Kontexts - niemals überzogen oder unrealistisch. Man hat eher das Gefühl einem professionellem Free-Fight zuzusehen, in welchem sich permanent die Kräfteverhältnisse ändern. Tatsächlich basiert die Dynamik der Kämpfe mitunter auch auf der ideal genutzten 3D-Technik. Wo viele andere Filme 3D nur nutzen um einen höheren Eintrittskartenpreis zu rechtfertigen, macht das 3D in Pacific Rim sogar richtig Spaß. Somit ist Pacific Rim neben dem Dredd-Remake bisher der einzige Film (Avatar klammern wir an dieser Stelle als Pionierfilm in der Aufzählung einfach Mal aus), der den Aufpreis für eine 3D Vorstellung rechtfertigt und das Filmerlebnis sogar noch steigert. Alles in allem kann man wohl sagen: Del Toro, du hast mal wieder alles richtig gemacht!

Trailer

Jessy

Fazit

Bäm! So macht man das! Warum spürt man in vielen anderen Hollywood "Triple A"-Produktionen nicht solche Hingabe und solch einen Spaß am Filme-machen? Ich, als langjähriger Fan des Neon Genesis Evangelion Mangas, war nach Sichtung des ersten Trailers von der Thematik von Pacific Rim sofort in den Bann gezogen. Ich dachte mir, so geil wie NGE wird’s nicht werden können, aber hey, Del Toro steckt dahinter, ganz so schlecht kann es ja also wohl auch nicht werden.

Ohne große Erwartungen (eigentlich wollte ich nur anschauen wie sich große Roboter opulent mit noch größeren Monstern kloppen) bin ich also ins Kino und wurde visuell, wie auch mental einmal quer durch den Kinosaal gekloppt. Neben den absolut fantastischen Prügeleien waren es tatsächlich die (unerwarteten) ruhigen und emotionalen Momente des Films, die mich besonders verzaubert und daher den Gesamteindruck noch weiter ins Positive gerückt haben.

Pacific Rim bietet nicht nur nett anzusehendes Popcorn-Kino, welches man schnell wieder vergisst, sondern macht (fast) alles richtig um sich eine Sphäre höher zu begeben und ein wirklich unvergessliches Filmerlebnis ins Gedächtnis des Zuschauers zu brennen.

Wertung: 9.0

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