Kolumne

Die Falle der geschlossenen Systeme

Was kostet uns eigentlich mehr Sicherheit?

Wenn ich mich so mittlerweile zu Hause und unterwegs umschaue, sehe ich, dass sich doch einiges verändert hat, was unser Nerdgear angeht. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten PC damals: Da war ich schon sehr glücklich mit einem monochromen Bildschirm und mit einem unglaublich lauten Drucker, mit dem ich Bilder und Texte vervielfältigen konnte. Zum Spielen stand ein Nintendo 64 herum, mit 2-3 Titeln. Dann wurden die Rechner leistungsfähiger und man beschäftige sich mit dem Inneren des Rechners und begann, an eigenen Spielchen zu arbeiten. Das Internet kam auch dazu und es herrschte noch der Wilde Westen... man hatte allerlei Möglichkeiten, natürlich mitsamt von Viren und ziemlich unausgereiften Betriebssystemen. Neben dem PC brauchte ich aber kaum noch was, selbst DVDs schaute ich auf meinem 15" Monitor und war recht zufrieden.

Jahre später sieht alles anders aus: Heute arbeite ich bequem auf einem Mac, zücke für kleinere Aufgaben das Smartphone oder surfe auf dem Sofa mit dem Tablet. Meine Musik-CDs habe ich in hoher Qualität auf einem HTPC eingelesen und darüber kann ich auch am TV surfen und wenn es sein muss, ist da noch immer der Laptop meiner Freundin. On top stehen natürlich auch Konsolen bereit und fertig ist die große Palette an elektrischen Kram. Und in vielen Haushalten spielt sich langsam ein ähnliches Bild ab.

Das wäre natürlich ein gewaltiger Aufwand, wenn man nun jedes Gerät warten und pflegen müsste. Zum Glück helfen nützliche Dinge wie Dropbox oder mein FTP-Server um Dateien Cloud-mäßig an nur einem Ort zu verwalten. Und da das Viren-Problem sich auf den Geräten in Grenzen hält, wenn man keinen Unfug damit treibt, hat man generell etwas weniger Stress, als noch damals unter dem jungen Windows 98 etc. Aber kommen wir nun zum eigentlichen Problem: Ich, und womöglich viele andere, sind in eine Falle getappt.

Alles wird einfacher, dank Einschränkungen

So langsam bewegt sich ziemlich jedes Gerät in einen geschlossenen Rahmen. Angefangen bei Apple können viele Nutzer nicht verstehen, wieso sie mit iTunes und lauter anderen kleinen Einschränkungen einige Dinge nicht erlauben, dabei zeigen sie meiner Meinung nach sehr gut, welche Vorteile es geben kann. Wer längere Zeit auf OSX unterwegs ist, wird feststellen, dass viele Dinge einfacher von der Hand gehen, weil das Software-Design durch ihre Limitationen z.B. annähernd keine schädlichen Programme durchlässt und insgesamt bei Programmen Konflikte entstehen: Es wurde halt alles versimpelt.

Auf Konsolen kennen wir die Vorteile von Einschränkungen schon ein wenig länger: Wer es nicht zwingend darauf anlegen wollte, die maximale Leistung in einem Spiel rauszuholen, indem er regelmäßig die Hardware up-to-date hält und wer keine Lust hatte vor jedem Spiel erstmal minutenlang mit den Einstellungen rumzuspielen, bis das Verhältnis aus flüssiger Framerate und ordentlichen Texturen und Shadern besteht, der greift natürlich eher gern zur Konsole, wo bereits alles auf ein Gerät abgestimmt wurde und direkt nach dem Auspacken schon funktioniert. Mit dem Preis auch hier, nicht komplett auf alle Optionen zugreifen zu können.

Auch Angebote, wie die Marketstores, die nicht nur auf OSX oder iOS, sondern auch auf Android PlayStore angeboten werden, entfalten durch ein wenig Kontrolle des Herstellers etwas mehr Einfachheit. Die Spiele-Plattform Steam geht noch einen Schritt weiter und holt sich für Komfort und Übersicht ihren Preis in Form von DRM-Mechanismen. Die Stores kommen also auch hier mit Fesseln, bieten aber auf der anderen Hand die Möglichkeit, durch besondere Angebote sehr günstig an neue Software zu kommen.

Und das sind jetzt auch so die Problemchen, auf die wir uns zubewegen

Es scheint der große Preis für Komfort und Sicherheit zu sein: Man hat als User immer weniger Einfluss und Entfaltungsmöglichkeiten mit seiner Technik.

Aber wenn Ihr nun denkt, mir geht es nur wieder darum, große Konzerne anzugreifen, dafür dass sie versuchen, uns komplett an ihre Produktwelten zu binden (wie z.B. Google): Davon sehe ich hier heute ab, denn was mich wirklich wurmt ist, dass ich, obwohl ich heute mehr Geräte denn je ansammeln konnte, immer weiter dazu gedrängt werde, andauernd Updates herunterzuladen oder sogar neue Geräte anschaffen zu müssen.

Ich hatte damals auf dem lahmen PC die Möglichkeit, do-it-yourself-mäßig Einzelteile auszutauschen und die Lebenszeit zu verlängern. Aber wenn es um die geschlossenen Systeme geht, wird es schwieriger: Heute will man von uns, dass man alle 2 Jahre auf ein neues Handy umsteigt. Nicht nur, weil die Entwicklung so schnell voranschreitet: Unfreiwillige Updates des Betriebssystem erfordern auch automatisch immer mehr Rechenleistung und wer krampfhaft an veralteter Hardware festhält, wird hier Stück für Stück betraft. Den Rest geben einem dann so ein Spaß wie nicht austauschbare Akkus, wie man sie auf Tablet-PCs häufig vorfindet.

Der Preis, den wir zahlen

Das heißt, am Ende darf man auf folgende Entwicklung zurückschauen: Die Geräte sind vielseitiger geworden, der Aufwand diese zu halten geringer, aber gleichzeitig sorgen wir im Westen für eine riesige Ansammlung an Elektro-Müll, welcher der Natur schadet, und unterstützen den Bau von Geräten, der in einigen Teilen der Welt mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen bezahlt wird. Zudem versklaven wir uns gleichzeitig der Industrie und greifen tief in die Tasche für Geräte, welche unsere wenige Freizeit, in der wir nicht am Rechner sitzen, auch noch online verbringen.
Piet

Und was tun?

Natürlich klingt die Lösung hier wieder einfach: Man verzichtet auf alle unnötigen Geräte und macht es wieder wie in der Vergangenheit und hat einen einzigen Rechner für alles. Aber das ist so ein Modell, welches die Industrie versuchen wird, abzuschaffen. Dafür locken sie dann auch mit tollen Möglichkeiten... jeder sollte inzwischen die Situationen kennen, wo einen die Navigationssoftware des Smartphones viel Stress erspart hat. Oder wie bequem es ist, für so banale Dinge wie Mails checken nicht erst einen ganzen Rechner hochzufahren. Aber selbst wenn man es schafft, den geschlossenen Systemen auszuweichen: Die Mehrheit der Menschen tut es nicht und will das auch nicht. Weil Do-it-yourself erfordert Wissen, Zeit und viel Geduld.

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