Review

Resident Evil: Revelations

Publisher: Capcom | Genre: Survival Horror | Plattform: 3DS, WiiU, PS3, X-Box 360, PC | USK: 16

Was haben der Nintendo GameCube, die Wii und der 3DS gemeinsam? Ich legte mir alle Systeme hauptsächlich wegen einer Spieleserie zu: „Resident Evil“. Nachdem der fünfte Teil allerdings den actionorientierten Weg des Vorgängers ein ganzes Stück weiter ging, trug ich die Marke im Geiste langsam zu Grabe und begrub mit ihr meine Hoffnung auf eine stimmige Fortsetzung. Doch dann, der Zeitpunkt hätte wahrlich nicht besser sein können, trat „Resident Evil: Revelations“ auf die Bildfläche und versprach tatsächlich die Atmosphäre der klassischen Teile. Die Demo machte Lust auf mehr und unterm Strich war ich mit dem Horrorspaß im Taschenformat sehr zufrieden, hätte das Vergnügen aber trotzdem lieber auf dem großen Fernseher gehabt – ein Wunsch, den Capcom, ganz zu meiner Freude, nicht unerfüllt lässt.

Erzählerisch der stärkste Teil

Über elf Jahre hat der Bau der künstlichen Insel „Terragrigia“ in Anspruch genommen, die ihre Bevölkerung vollständig mit Solarenergie versorgte. Umso schneller vollzog sich ihr Untergang, als die terroristische Organisation „Il Veltro“ die „schwimmende Stadt“ mit bioorganischen Waffen angriff und der Großteil der Bewohner einem tödlichen Virus zum Opfer fiel. Nachdem die BSSA die Lage unter Kontrolle gebracht und alle Anhänger von „Il Veltro“ eliminiert hatte, stellte sie “Terragrigia“ in einem Radius von 160 Kilometern unter Quarantäne.

Ein Jahr später werden die beiden BSAA-Mitglieder Jill Valentine und ihr neuer Partner Parker Luciani damit beauftragt, nach Chris Redfield und seiner neuen Partnerin Jessica Sherawat zu suchen. Der Kontakt zu ihnen riss plötzlich ab, als Chris und Jessica neue Lebenszeichen der Terrororganisation untersuchten. Jill und Parker werden zum letzten bekannten Aufenthaltsort entsendet, dem Kreuzfahrtschiff „SS Queen Zenobia“. Der interaktive Alptraum beginnt.

Anders als andere Titel, die erzählerisch am Episodenformat zerbrechen, schafft es „Resident Evil: Revelations“ spielend, mehrere Handlungsstränge, darunter auch zeitliche Rückblenden, spannend zu inszenieren und zu einem äußerst gelungenen Höhepunkt miteinander zu verbinden. Fiese Cliffhanger machen es dabei schwer, den Controller nach Kapitelende beiseite zu legen, schließlich möchte man nach dem Charakterwechsel wissen, wie sich die Lage des vorherigen Protagonisten weiter entwickelt. Highlight des Ganzen aber sind clevere Wenden in der Geschichte, deren größte Überraschung die von „Code Veronica“ bei weitem in den Schatten stellt. Verraten werde ich sie natürlich nicht!

Getragen werden die gelungenen Dialoge von guten deutschen Synchronsprechern, die ihre Sache ordentlich machen.

Zurück zu den Wurzeln?

Was aber sind die Zutaten, die Fans an den klassischen Teilen der Serie so sehr schätzen? Es sind die düsteren, geschmackvoll eingerichteten Herrenhäuser und ihre engen Korridore, in denen jederzeit gut platziere Schockmomente das Herz des Spielers in die Hose rutschen lassen. Die unheilvolle Musik, die unterschwellig am Nervenkostüm nagt. Es sind die Schlüsselgegenstände, die in bester Point-and-Click-Adventure-Manier am richtigen Ort genutzt werden mussten und die anspruchsvollen Rätsel, die teilweise ganz schöne Knacknüsse waren. Und natürlich sind auch die Zombies Lieblinge vieler, die auch ich liebend gerne wieder in einem „Resident Evil“ sehen würde. Und was von dem bietet „Resident Evil: Revelations“?

Der große Dampfer, die „SS Queen Zenobia“, beweist sich als grandiose Kulisse, bedrohlich und finster, das Mobiliar eines „Resident Evil“ absolut würdig! Mit leisem Klimpern untermalt ein Flügel das Geschehen. Toll! Zwar gibt es auch Schlüsselgegenstände à la "Schlüssel mit Ankerwappen“, diese sind jedoch ziemlich rar und werden nochmals zahlenmäßig von richtigen Rätseleinlagen gekonnt unterboten. Schade, das ist auch so ziemlich mein einziger Kritikpunkt, der nicht hätte sein müssen. Darüber, dass sich einem anstelle von Zombies sonderbare Kreaturen entgegenstellen, die mit dem T-Abyss-Virus infiziert wurden, kann ich hinwegsehen, immerhin stecken sie wie ihre untoten „Verwandten“ viele Schüsse ein und sorgen so für den gewissen Munitionsmangel-Kick. Nichtsdestotrotz würde ich mir Zombies aber, ebenso wie ordentliche Rätsel, bei einer möglichen Fortsetzung seligst zurückwünschen.

Resident Evil: Revelations XXL

Durch die HD-Umsetzung bietet sich nicht nur all endlich jenen, die den 3DS nicht ihr Eigen nennen, die Gelegenheit, „Resident Evil: Revelations“ nachzuholen. Sie erhalten auch gleichzeitig, dank diversen Verbesserungen im Detail, einen gewissen Mehrwert, den größten sogar auf der Wii U.

Auf dem 3DS machte „Resident Evil: Revelations“ bereits eine exzellente Figur, eine gute Basis also, dass das Spiel auch auf der Heimkonsole grafisch überzeugt. Und tatsächlich, dank hoher Auflösung kommen die Zwischensequenzen besser zu Geltung und auch die Texturen sind größtenteils gestochen scharf. Dennoch tauchen hin und wieder matschige ihrer Art auf, die den Gesamteindruck jedoch nicht wirklich trüben. Im Vergleich zum 3DS ist die Dramaturgie mehrere Klassen intensiver. Während sich auf dem Handheld bei mir kein einziges Mal auch nur annährend so etwas wie Gänsehaut einstellte, wirken manche Szenen auf dem großen Display weit brenzliger.

Ebenfalls auf allen HD-Konsolen hat sich der neue Schwierigkeitsgrad „höllisch“ hinzugesellt, bei dem nicht nur die Gegner schwerer sind, nein, auch die Gegenstände wurden alternativ platziert. Wer die passende Anlage zu Hause stehen hat, kann sich nun auch für eine Surround-Wiedergabe freuen. Und da jeder Controller zwei Analog-Sticks vorweisen kann, ist ein Aufsatz wie der Circle Pad Pro zum Glück unnötig.

Wer dann noch die Wahl hat, sich zwischen mehreren Versionen entscheiden zu können, sollte zur Wii U-Version greifen. Witziges Gimmick sind die sogenannten Todesnachrichten, die beim virtuellen Ableben in das Miiverse eingestellt werden können, „ZombiU“ lässt grüßen.

Größeres Argument für die Wii U-Version ist aber die Bedienung via Touchpad. Mit ihm lassen sich die Waffen bequem auswählen, heilende Kräuter einnehmen und stets die Umgebungskarte einsehen, ohne ständig ins Menü wechseln zu müssen. Sehr schön! Auch lassen sich die Rätsel um die Türmechanismen wie beim 3DS mit einem gezielten Fingerwisch auf dem Touchpad lösen.

Trailer

Benny

Fazit

„Resident Evil: Revelations“ hat mich bereits auf dem 3DS überzeugt und punktet atmosphärisch auf dem großen Flachbildfernseher nochmals mehr. Auch wenn der Schritt zurück zur Tradition nicht ganz vollführt wurde und dieser Teil „nur“ ein fairer Kompromiss alter und neuer Werte ist, so kann ich diesen Ableger vor allem auch wegen der wirklich spannenden Handlung jedem „Resi“-Fan empfehlen. Aber auch jene, die bereits mit dem T-Abyss-Virus auf dem 3DS Kontakt hatten, sollten die Anschaffung der HD-Version nicht partout ausschließen, da „Resident Evil: Revelations“ auf der HD-Konsole weit stimmungsvoller daherkommt, als im Hosentaschenformat.

Wertung: 8.6

Wir bedanken uns recht herzlich bei Capcom Deutschland für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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