Review

God of War: Ascension

Genre: Action-Adventure/Hack n Slay | Plattform: PlayStation 3 | USK: ab 18

Vor sieben Jahren erblickte Kratos auf der PlayStation 2 das Licht der Welt und versetzte die Spielergemeinde ins Staunen. Die Mischung aus griechischer Mythologie und brachialer Gewalt sorgte beim erwachsenen Publikum für Entzückung. Nicht nur, dass God of War in der Lage war, der in die Jahre gekommenen PS2 ungeahnte Grafik-Prachten zu entlocken, es kam auch mit einem Spielprinzip daher, das seitdem einigen anderen Titeln als Inspiration diente.

Insgesamt fünf God of War Abenteuer sind bereits für Konsolen erschienen. God of War 1 und 2 erschienen auf der PS2 und wurden später in einer HD Collection überarbeitet auf der PS3 herausgebracht. Erfreulicherweise wurde auch die PSP mit den eigenen Ablegern Chains of Olympus und Ghost of Sparta versorgt, die mittlerweile ebenfalls als HD Collection auf der PS3 erschienen sind. God of War 3 setzte schließlich auf der PS3 neue Maßstäbe.

Vom Aufstieg eines Anti-Helden

God of War: Ascension stellt story-technisch das Prequel zum ersten God of War Spiel dar. Kratos, der von Ares arglistig getäuscht seine eigene Familie ausgelöscht hat, hat den Bluteid mit dem Kriegsgott gebrochen und Rache geschworen. Soweit ist das ja auch schon aus God of War bekannt. Was wir in Ascension erleben, ist der verzweifelte Versuch Kratos', klare Gedanken zu fassen und sich daran zu erinnern, was wirklich geschehen ist. Die Furien, ein unkontrolliertes selbsternanntes Tribunal, nimmt diejenigen Gefangen, die es verdient haben und foltert sie so richtig durch. Ein Bluteid-Bruch mit einem Gott, dem man eigentlich seine Seele versprochen hat, wird dabei als triftiger Grund gewertet.

Kratos gelingt natürlich der Ausbruch aus seiner in Ketten liegenden Gefangenschaft - wenig verwunderlich, sonst wäre es ja ein recht kurzes Spiel. Fortan quälen die Furien Kratos mit Bildern und Szenen aus seiner Vergangenheit. Um klar denken und die Wahrheit erkennen zu können, muss Kratos das Licht der Wahrheit aus dem Leuchtturm von Delius holen. Und so beginnt eine knapp achtstündige Reise durch wirklich beeindruckende Szenerien...

Tödliche Chaos-Klingen Choreographie

Das Kampfsystem - eines der Herzstücke der Serie - wurde zum Glück nur dezent und dann auch noch zum Positiven hin modifiziert. Abgesehen von einigen herumliegenden oder fallen gelassenen Waffen, wie Schwertern oder Streitkolben, besitzt Kratos nur noch die Chaos-Klingen, die sich in den Geschmacksrichtungen Feuer, Blitz, Eis und... hm... "Hades-Lila-Seelen-Lebenssauger-Modus" betreiben lassen. Die Move-Kombos sind dabei die selben, egal, mit welcher Variante der Chaos-Klingen gerade kämpft wird. Die Bewegungen und Effekte unterscheiden sich teils erheblich, müssen aber wie gewohnt mit roten Orbs - quasi die Währung in God of War - freigeschaltet werden. Die Kämpfe selber sind nach wie vor eine wahre Wonne: Sie gehen flüssig von der Hand und muten teilweise wie ein choreographierter Tanz an, der in brutaler Gewalt mündet.

Während Ihr immer wildere Schlag-Kombos gegen Eure Gegner wirbelt, lädt sich die Zorn-Anzeige auf. Anders als in den bisherigen Titeln, kann sich diese Anzeige aber auch wieder entleeren, wenn Ihr eine Zeit lang keine Treffer landet oder gar selber getroffen werdet. Wildes Button-Mashing führt hier also nicht wirklich weit. Variantenreiche Kombos sind der Schlüssel zum Erfolg. Belohnt werdet Ihr durch einen sehr mächtigen Angriff, der Feinde bei aktiviertem Feuer-Modus zum Beispiel in Brand setzen kann.

Letzlich enthält auch God of War: Ascension die viel diskutierten und nicht unumstrittenen Quick Time Events (QTEs), bei denen Ihr das Geschehen weitestgehend beobachtet und in bestimmten Momenten sehr schnell eine eingeblendete Taste drücken müsst, damit es erfolgreich weitergeht. Während man bei anderen Titeln in solchen Szenen wie gebannt auf die Stelle des Bildschirms guckt, an der die zu drückende Taste eingeblendet wird, stellt God of War die zu drückenden Tasten schlicht am Bildschirmrand dar, passend zu der jeweils zu betätigenden Taste. So wird die Kreis-Taste am rechten Rand dargestellt, die Dreieck-Taste oben usw. Ihr könnt Euch also genüsslich auf die großartig inszenierten Kampfszenen konzentrieren und verpasst trotzdem kein QTE.

Der Rätsel-Olymp

Traditionell bilden die Rätsel eine Finger entspannende Abwechslung zu den fordernden Kämpfen. In diesem Punkt konnten sich die Entwickler gegenüber dem grandiosen God of War 3 selbst übertreffen. Drei unterschiedliche Spielelemente wurden so gekonnt mit traditionellen Schalter- und Schieberätseln kombiniert, dass sich das Lösen eines Rätsels fast genau so gut anfühlt, wie einen schweren Gegner-Brocken den finalen Schlag zu verpassen.

Als erstes wäre da der Uroboros-Stein zu nennen. Ein cooles Gadget, das in der Lage ist, Objekte in der Zeit vor- und zurückzubewegen. Praktisch bedeutet das, dass Ihr eine vor Euch in Trümmern liegende Brücke mit Hilfe des Steins wieder aufbauen könnt. Andererseits kann ein intakter Turm in einen zukünftigen Status des Verfalls versetzt werden, wodurch sich neue Wege eröffnen. Auf diese Weise werden sowohl ganze Levelabschnitte in Echtzeit umgebaut, aber auch kleinere Dinge zerlegt und zusammengesetzt. Leider kann ich hier keine Beispiele nenne, ohne Euch verblüffende Rätselmomente zu nehmen. Der Stein ist wirklich großartig in die Rätsel-Elemente des Spiels eingebaut.

Das zweite Element - auch hier versuche ich es mal spoilerfrei - erlaubt es Euch, Kratos an Ort und Stelle in der Zeit erstarren zu lassen, während Ihr mit einer zweiten Instanz weiterlaufen könnt. Auch dieses Element kommt toll zum Einsatz und kann sogar im Kampf verwendet werden, um Gegner abzulenken.

In einem Schlangentempel gibt es noch ein grünes Giftgas als weiteres Rätselelement. Atmet Ihr das Gas mit Kratos ein, verrottet die Umgebung und beginnt zu zerfallen. Vormals massive Türen lassen sich dann einschlagen oder Bodenplatten brechen weg. Dieser Effekt ist zeitlich begrenzt und kehrt sich anschließend um. Durch die richtige Manupulation der Umgebung vor und nach dem Verrottungseffekt lassen sich so auch neue Levelabschnitte und Geheimräume betreten.

Apropos Geheimräume: Auch dieses Mal gilt es wieder Gorgonen-Augen und Phoenix-Federn aus weiß leuchtenden Truhen zu sammeln, um Kratos' Gesundheit und Zauber-Energie zu maximieren. Allerdings kam mir diese Suche in der Vergangenheit schwieriger vor. Entweder ich habe mittlerweile ein GGG entwickelt (God of War Geheimgang Gespür), oder aber die Suchgegenstände sind diesmal nicht so gut getarnt. Jedenfalls hatte ich nach etwa der Hälfte des Spiels sämtliche Erweiterungen zusammen.

Gotteslästerung

Leider ist nicht alles Gott, was glänzt. Im letzten Viertel zieht sich das Solo-Abenteuer ganz schön in die Länge, da sich die Schauplätze der Kämpfe und Rätsel gleichen oder gar wiederholen. Zwar stecken auch hier noch tolle Ideen im Detail, aber die großen Paukenschlag-Momente fehlen. Das ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau. Aber war God of War 3 einfach über-episch, so ist God of War: Ascension nur episch.

Ein weiteres Novum stellen steuerbare Rutschpartien dar, bei denen Ihr nach links und rechts ausweichen oder auch mal spontane Sprünge absolvieren müsst. Leider waren mir diese - und auch einige andere Stellen, die mit einem unerwarteten QTE überraschten - zu Trial & Error lastig. Es gab diese Stellen, an denen ich in den Controller hätte beißen können. Aber nicht weil eine Situation zu schwierig gewesen wäre, sondern weil die Entwickler mit viel Brimborium und Trompeten mein Augenmerk auf die gigantische und bildgewaltige Inszenierung lenken, während mir ein kleiner magisch flackernder grüner Punkt zuzuflüstern versucht, ich solle doch die R1-Taste drücken, um die Chaos-Klinge als Greifhaken zu benutzen.

Das elfte Gebot: Baue kein Multiplayer in ein Singleplayer Spiel ein.

Im Vorfeld des Releases von God of War: Ascension machten die Santa Monica Studios sehr viel Werbung damit, dass God of War nun mit einem Multiplayer-Modus daherkäme. Multiplayer? In einem der klassischsten Singleplayer-Spiele der letzten und aktuellen Konsolengeneration? Schon Uncharted 3 lehrte mich, meine Skepsis zu zügeln und einen Mehrspielermodus ohne Anflanschvorurteile und Lieblosigkeitsvorwürfe anzuspielen.

Der Anfang wirkt vielversprechend. Wir spielen einen Krieger, wie Kratos einst war, bevor er den Seelen-Deal mit Ares einging. Der Multiplayer-Modus knüpft an eine Szene aus der Solo-Kampagne an, als ein Soldat kurz vor seinem scheinbar unausweichlichen Tod zu den Göttern betet. Eine schöne Überleitung und Klarstellung, dass es im Mehrspielermodus nicht darum geht, als Kratos zu spielen. So finden wir uns vor dem Götter-Quartett bestehend aus Zeus, Hades, Ares und Poseidon wieder und müssen uns entscheiden, welchem dieser Götter wir den Bluteid leisten. In Abhängigkeit dieser Entscheidung stehen unterschiedliche Spezialfähigkeiten bzw. Freischaltungen zur Verfügung.

In verschiedenen kooperativen und kompetitiven Spielmodi gilt es nun Erfahrung zu sammeln, aufzuleveln, Ausrüstung zu erwerben - hier erfindet God of War das Rad nicht neu. Interessant wird es, wenn im Acht-Spieler-Modus auf den wirklich grandios designten Maps Punkte erorbert und dynamische Aufgaben erfüllt werden müssen. Leider entbehrt dieser spaßigste Modus nicht einer gewissen Unübersichtlichkeit.

Das Kampfsystem im Online-Spiel wurde um ein prinzipiell simples Stein-Papier-Schere-System ergänzt. Knackpunkt: Ihr müsst im hektischen Online-Geschehen erkennen, welche Farbe das leichte Glühen um eine Figur herum hat, um zu wissen, welche Moves und Zauber dann effektiv und wirksam sind.

Trailer

Christian

Fazit

God of War: Ascension hat mich auf einen rasanten, brutalen und streckenweise beeindruckenden Ritt geschickt in dessen Ruhepausen ich mit den bisher besten Rätseln der Serie unterhalten wurde. Auch wenn es nicht das Feuerwerk an epischen Momenten wie God of War 3 abfackelt, ist es dennoch ein technisch makelloses und sehr gutes God of War, dass Veteranen neues Futter bietet und Neulingen einen phantastischen Einstieg in Kratos' Rachefeldzug bietet. Ich habe nicht genau mitgezählt, aber God of War: Ascension bietet wohl die meisten Brüste von allen God of War Teilen. Im ambitionierten Multiplayer-Part des Spiels wird deutlich, wie viel Arbeit und gute Ideen dort eingeflossen sind. Allerdings verspürte ich nach einigen kurzweiligen Stunden in den Online-Arenen ein größeres Verlangen, die Story nochmal im New Game + Modus durchzuspielen, als meinen Krieger-Charakter weiter aufzuleveln.

Wertung : 8.0

Wir bedanken uns recht herzlich bei Sony Computer Entertainment Deutschland für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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