Kolumne

Evolution der Pixelhelden und ihrer Schöpfer

Teil #1: Phänomen Indie Games

Heute, am 4. April 2013, erscheint ein neues Indie-Game auf der unendlichen, inzwischen viel zu häufig grauen Fläche der Videospielwelt. Die Rede ist von dem Titel Evoland und wie der Name schon vermuten lässt, hat der Titel etwas mit der Evolution zu tun. Grund genug für mich, einmal über meine persönliche Sichtweise der Evolution von Videospielen so wie dem Phänomen Indie Games, nachzudenken.

Was ist Evoland?

Evoland ist ein Indie Game, welches zunächst als Flash Game veröffentlicht wurde und nun unter Evoland Classic zu finden ist. Aus dem charmanten Flash Game entwickelte sich nun ein richtiges PC Spiel, welches für unter 10 € zu haben ist.

Evoland zelebriert die Entwicklung des Action-Adventure/RPG Genre. Ganz im Stile alter Klassiker, wie Final Fantasy oder Zelda, bereist der Spieler eine Fantasywelt und findet in zahlreichen Kisten keine Schätze in Form von Waffen und Gadgets, sondern Features für das Spiel. So wird aus einem Monochromen Pixelspiel mit der Zeit ein vollwertiges 3D Abenteuer, aus rundenbasierten Kämpfen werden Echtzeitkämpfe und lässt vor allem die Veteranen unter uns in wohligen Erinnerungen schwelgen.

Und genau dieses Schwelgen verleitet mich dazu, paralell zu meinen Evoland Let's Play, selbst erst einmal über einige Entwicklungen nachzudenken. Im ersten Teil möchte ich einmal über das Phänomen - Indie Games - sinnieren.

Evolution der Entwicklerszene

Die letzten Jahre könnte man wohl als ein Freudenfeuer für Indie Games beschreiben. Schon immer gab es kleine Entwicklerteams, die in ihren privaten Wohnzimmern an kleinen oder großen Fanprojekten arbeiteten, sich an ihren ersten Spielen versucht haben. Doch als Videospielproduktionen immer gigantischere Ausmaße annahmen und es locker mit der Entstehung eines Hollywood Blockbusters aufnehmen konnten, wurde es für die kleinen privaten oder professionellen Entwickler immer schwieriger, die nötige Aufmerksamkeit für ihre Projekte zu bekommen. Wenn heute Firmen wie Electornic Arts oder Ubisoft Millionen von Dollars in ihre Marketingabteilungen pumpen, haben Indie-Entwickler, denen einfach das Geld dafür fehlt, es ziemlich schwer.

Doch wie auch die Kinos vom Blockbustern nahezu überschwämt werden, wird auch der heimische PC oder die Spielkonsole von Tripel A-Titeln überflutet. Schon lange vermissen die Hardcore-Gamer neue Impulse und Innovationen für ihr tägliches Hobby. Den großen Entwicklern und vor allem den Publishern wird vorgeworfen, nur noch aufs Geld zu schauen und nicht mehr mit Herzblut bei der Sache zu sein, was man den Spielen natürlich anmerkt.

Doch dank der Entwicklung der Smartphones mit ihren Apps und Online-Plattformen wie Xbox Live Arcade, Steam und vielen anderen, haben auch endlich unabhängige und meist kleine Entwickler endlich wieder die Chance, ein breites Publikum zu erreichen, ohne Unsummen an Geld in ein Marketing zu stecken.

Und so entwickelte sich in den letzten Jahren ein regelrechter Kult um die kleinen Stars der Videospielszene, die teilweise mit ihren Projekten den großen Sprung geschafft haben. Entwickler wie Mojang entstanden aus einem einzigen Projekt - Minecraft! Als Ein-Mann-Projekt gestartet, steckt nun eine richtige Firma dahinter, die Millionen scheffelt. Auch inzwischen gefeierte Firmen wie thatgamecompany, die mit malerischen Titeln wie Flower und Journey die Massen begeisterten, entstanden auf diese Art und Weise. Auch bei uns in Deutschland gibt es solche Erfolgsgeschichten, vielleicht nicht im selben Ausmaß, wie z. B. Minecraft, aber als Jan Müller-Michaelis aka Poki mit einigen Freunden das witzige Point and Click "Adventure Edna bricht aus" erschaffen hatte, entstand daraus die Firma Daedalic Entertainment, die inzwischen sehr hochwertige Adventures hervorbringt.

Doch wie schaffen diese Entwickler es, mit vergleichsweise wenig Ressourcen und Aufwand, teils mehr Begeisterungsstürme auszulösen als Titel, für die abermillionen Dollar von Entwicklungskosten ausgegeben wurden?

indie

Das Rezept ist einfach... Kreativität und Innovation!

Diese kleinen Entwickler haben weder die finanziellen Möglichkeiten, noch die personalen Mittel, um Grafikbomben wie Crysis 3 vom Stapel zu lassen. Was den Indie-Games an technischen Schnickschnack fehlt, müssen sie durch Ideenreichtum und Charm wettmachen.

Und immer häufiger kommen die ersehnten neuen Impulse aus der Riege der unabhängigen Entwickler, weshalb es kein Wunder ist, dass Indie-Games immer beliebter werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Trend anhält und die großen Industriegiganten unserer Szene von diesen kleinen, aber kreativen Teams lernen.

Viel zu häufig denken wir (die alten Haudegen der Gamerszene) an längst vergangene Tage, erinnern uns an knackige und bezaubernde Spiele, als wir noch kryptische Befehle auf blauem Grund eintippen mussten, um ein Spiel zu starten, als man noch kraftvoll in ein Modul pustete, um es von Staub zu befreien, damit es vernünftig lief. Und diese Sehnsucht finden wir heute in vielen Indie-Entwicklungen wieder, die meist von Gamern entwickelt wurden, die sich, genau wie wir, an die Tugenden der guten alten Zeit erinnern.

Let's Play

Sascha

Fazit

Man könnte sagen, die Entwicklerszene hat sich in einem gewissen Grad zurückentwickelt. Zu Beginn der Videospielgeneration war es oft üblich, dass ein paar Freunde in der Garage gesessen  und gemeinsam an einem Spiel entwickelt haben. Zunehmend entstanden, oft aus eben diesen kleinen Nerds, große Firmen die heute den Markt dominieren. Doch werden immer mehr kleine Teams beliebter, die ähnlich wie früher unter Freunden ihre kleinen Projekte mit Herzblut verwirklichen.

Ein Trend, der mir sehr gut gefällt!

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