Review

Code of Princess

Publisher: Atlus | Plattform: Nintendo 3DS | Genre: Beat 'em up | USK: ab 12

Hach, 3DS, Dich gibt es ja auch noch! Viel Zeit haben wir bislang wirklich nicht gemeinsam verbracht, umso schöner, dass nun gleich mehrere Titel Schlange stehen und Du nicht länger in der Schublade versauern musst. Ich würde vorschlagen, wir beginnen unser Wiedersehen mit „Code of Princess“ - ich musste ja schließlich lange genug warten, weil Du Dich mit Deinem Region-Lock so kleinlich gibst und der Import somit keine Option war. Nun ist das Spiel endlich auch in unseren Gefilden erhältlich, zwar nur im eShop, aber lieber vom Entwickler digital veröffentlicht, anstatt ganz zu verzichten. Fragt sich nur, ob sich das lange Warten auf die holde Prügel-Prinzessin überhaupt gelohnt hat…

Und, wie lautet Deine Geschichte, Prinzessin?

Nach einem hübsch gezeichneten Opener im Anime-Look, der schnell Lust auf mehr macht, folgt der unwesentlich längere Prolog, der nicht viele Worte verschwendet: Menschen und Monster lebten seit Jahrhunderten in Frieden nebeneinander, bis sich plötzlich ein Schatten über das Land legte und sich die Monster gegen die Menschen auflehnten. Als dann die Burg des Königs fällt, ist es die Aufgabe der Prinzessin, Solange Blanchefleur de Lux, den Ursprung der Unruhen ausfindig zu machen.

Einen besonders tiefgründigen Eindruck kann die Handlung beim Besten Willen nicht hinterlassen. Immerhin punktet sie aber einerseits technisch – alle Dialoge sind nämlich vollständig vertont, andererseits nimmt sich die Geschichte nicht allzu ernst und überrascht des Öfteren mit witziger Situationskomik. Spätestens beim Hochstapler-Gaukler, der eine E-Gitarre auspackt und die Heldengruppe in einer Taverne das Tanzbein schwingen lässt, musste ich breit schmunzeln. Apropos Heldengruppe. Schnell trifft Prinzessin Solange auf merkwürdige Gestalten, die sich ihr spielbar anschließen.

Unterm Strich ist die Alibi-Story von „Code of Princess“ okay. Schade nur, dass die hübschen Zwischensequenzen sehr rar sind, die vom Stil her entfernt an die Ecchi-Serie „Queen’s Blade“ erinnern.

Super Golden Axe Fighter RPG – Bitte was?!

Der Kaufgrund für “Code of Princess” war selbstverständlich nicht die Handlung, sondern der Sidescroll-Prügelspaß alter Schule – ich lege regelmäßig gerne das virtuelle Steckmodul von „Golden Axe" (SEGA Mega Drive Collection) in die Konsole. Tatsächlich habe ich auch mit einem ähnlich simplen Haudrauf gerechnet, wurde aber mit einem Kampfsystem positiv überrascht, das mit seinen Kombinationen (u.a. auch Viertelkreise) an „Street Fighter II“ oder „King of Fighters“ erinnert. Die Moves gehen allesamt sauber von der Hand, so dass Frustmomente ausbleiben und „Code of Princess“ die selbstgewählte Disziplin absolut befriedigend meistert. Hinzu kommen erfrischende RGP-Elemente: Erfahrungspunkte können genutzt werden, um Profilwerte zu steigern (u.a. Stärke, Widerstand oder Geschwindigkeit) und Gold in neue Ausrüstungsgegenstände investiert werden – die sich leider ebenfalls nur auf die Profilwerte auswirken. Bedauerlicherweise, denn hier wurde ein gewisses Potenzial verschenkt. Neue Waffen hätten für mehr Abwechslung gesorgt, immerhin unterscheiden sich aber die spielbaren Charakter erheblich voneinander, so dass eine allzu starke Monotonie vermieden wird.

Eine gewisse Grundmonotonie bleibt jedoch zurück, da „Code of Princess“ zwar eine große Anzahl an Level bietet, die sich aber nur optisch und durch ihre Gegner unterscheiden. Hin und wieder steht man einem Bossgegner gegenüber, die weit fordernder sind, als die üblichen Schergen. Aber ganz ehrlich? Oldschool-Titel wie „Streets of Rage“ oder „Final Fight“ hatten weniger zu bieten, so dass Retro-Gamer sicher stundenlang auf ihre Kloppkosten kommen. Der Umfang fällt nämlich erfreulich groß aus. Lokal oder via Internet sogar zu zweit im Coop-Modus!

Optisch kann „Code of Princess“ vor allem mit flüssigen Sprites und ordentlichen Hintergründen durchaus überzeugen. Auch das Charakterdesign hat mir gefallen, zumal Prinzessin Solange Blanchefleur de Lux eine Augenweide für Anime-Fans ist.

Trailer

Benny

Fazit

Nach heutigen Maßstäben würde „Code of Princess“ ganz klar untergehen. Die Moveliste ist alles andere endlos lang, die RPG-Elemente lediglich eine nett gemeinte Draufgabe und das Spielprinzip altbacken. Egal, denn als Retrogamer freue ich mich darüber, dass simple Prinzipien längst vergangener Konsolengenerationen nicht totzukriegen sind. Mit der vorsichtigen Modernisierung im Detail konnte mich „Code of Princess“ eine längere Zeit an den 3DS fesseln, auch wenn die Prügelprinzessin nicht alles Potenzial genutzt hat. Zum Glück steht dieses Jahr mit „Dragon’s Crown“ ein ganz ähnlicher Titel an, von dem ich mir nochmals mehr verspreche.

Wertung: 7.4

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