Review

Metal Gear Rising - Revengeance

Publisher: KONAMI | Plattform: PlayStation 3, X-Box 360 | USK: Ab 18

Die Metal Gear-Reihe hat nun über 25 Jahre auf dem Buckel. Berühmt geworden ist sie durch den damals noch innovativen Versuch, Kämpfe und Videospiele zu vermeiden, durch die ziemlich lange Zwischensequenzen und Kojimas eigenwilliger Handschrift, welche über die Jahre eine große Fan-Gemeinde aufbauen konnte. Diese wurde aber auch oft schon durch interessante Versuche auf die Probe gestellt: Gerade in "Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty", wo sich viele darüber wundern mussten, dass man statt Snake einen jungen, androgynen Raiden spielen musste.

Um diesen wurde es dann auch etwas länger ruhig, da man sich danach in weiteren Ablegern wieder auf Snake konzentrierte, bis uns der weißhaarige Athlet in Teil 4 mit einer Cyborg Reinkarnation überraschte. Was genau in der Zwischenzeit passiert ist, möchte Kojima in  Zusammenarbeit mit Platinium Games (welche schon in Bayonetta und Vanquish ihre Action-Qualitäten zeigen konnten) nun erzählen. Herausgekommen ist wohl das schnellste und actionlastigste Spiel aus dem Metal Gear-Universum, was Fans der Serie erneut auf die Probe stellen soll.

Ernste Grundtöne des Krieges und absurd spektakuläre High-Tech-Action

Die Präsentation haut rein. Das auf alle Fälle! Japaner sind ja bereits seit je her durch ihre (Zeichentrick-)Filme für überdrehte, unrealistische, aber epische Action bekannt. Das im Grunde genommen recht westliche Setting wurde in Metal Gear spätestens durch das Charakterdesign von Yoji Shinkawa in die Handschrift skurriler japanischer Vorlieben getränkt. Was die Zwischensequenzen und die Akrobatik, welche die Erdanziehungskraft unserer Welt gekonnt vernachlässigt, angeht, so holen Platinium Games eine ihrer größten Stärken aus dem Ärmel und schaffen mit "Metal Gear Rising: Revengeance" eine explosive Mischung aus Kojimas Universum und episch-absurder und sehr brutaler Kampfeinlage. Dafür verantwortlich zeichnet sich nicht nur Raidens Wendigkeit oder das schnelle Kampfsystem, sondern auch etliche Zwischensequenzen, die den Spieler durch die Luft schleudern und auf Raketen laufen lassen.

Spätestens nach dem Prolog sollten die Leser genau wissen, was ich meine und entweder das Gamepad kopfschüttelnd zur Seite legen oder total Bock haben, sich auf Raidens Rachepfad zu begeben.

Schwerterspaß mit gewöhnungsbedürftigem Ansatz

Aber nicht nur die Präsentation könnte einige Spieler abschrecken: Das Kampfsystem, welches versucht, die Kontrolle über das High-Tech-Katana zu ermöglichen, hat so seine Eigenheiten. Anders als der übliche Schwertkampf in modernen Videospielen bekommt man hier neben den Standardhieben noch eine Art Präzisionsmodus, welcher zwar genaues Zielen belohnt, in der Praxis aber schnell zu hektischem und fast schon unnötig brutalem, feinem Hacken führt. Wer hier aber die Übung hat, will so schnell auf dieses Feature nicht mehr verzichten, weil man nicht nur Waffen und Gliedmaßen vom Gegner trennen, sondern auch wegen des Zandatsu, womit man seine Energie wieder erfolgreich auffüllen kann, wenn man die vorgegebenen Elemente trifft.

Die Idee gefällt mir gut, auch das Parriersystem, welches Blocken und Angriff auf einer Taste möglich macht - allerdings läuft das Spiel in einem dermaßen hohen Tempo, dass ich schnell mal den Faden verliere. Das Blocken erfordert zudem das richtige Timing, denn wer zu früh oder zu spät ansetzt, verpatzt die Verteidigung. Außerdem steht die Kamera-Führung etwas im Weg. Für das manuelle Justieren der Kamera bleibt in den schnellen Kämpfen leider nicht so viel Zeit.

Wer Lust hat, seine Fähigkeiten zu meistern, kann hier tief ins System einsteigen und auch bei einem zweiten oder dritten Anlauf genüg Anreize finden, alles aus dem Spiel herauszuholen. Alleine die Bewertungen der Kämpfe motivieren, einen guten Rank zu erreichen und Gefechte teilweise zu wiederholen, bis man diese bestmöglich gemeistert hat. Geschenkt wird einem hierbei nichts, aber die Belohnungen sind groß, wenn man sich darauf einlässt.

Und Platinium Games hat vorgesorgt: Der Schwierigkeitsgrad "einfach" greift dem Spieler dermaßen unter die Arme, dass hier das Risiko zum Fehlkauf doch eher gering ausfällt. Zielgruppe bleibt aber grundsätzlich immer noch der motivierte Spieler, welcher gerade in Bosskämpfen eher mit der richtigen Taktik voranschreitet und auch bereit ist, sich dem ausgesprochen kniffligen und fordernden Endkampf zu stellen.

Der große Unterschied

...zu einem "Metal Gear Solid" wird wohl der kleine Handlungsraum sein. Während Kojima seinen Spielen meist möglichst viel Spielraum einräumt und das Erforschen und Infiltrieren äußerst abwechslungsreich gestaltet, muss man sich hier leider vorwiegend damit abfinden, dass man im Prinzip nur durch die Schlauchlevel von Kampf A nach B getrieben wird. Stealth-Elemente sind zwar vorhanden, allerdings wurden diese nur mehr zur Abwechslung integriert und fallen überwiegend simpel aus. "Metal Gear Rising: Revengeance" bedient mehr die Beat em up-Jünger, als erfahrene Action-Adventure. Die Story, mitsamt ihren Charakteren und die Dialoge in den Zwischensequenzen, bietet meiner Meinung nach auch nicht den gleichen Charme, den wir bisher aus dem Metal Gear-Universum gewohnt sind. Wobei ich da nicht zu kritisch sein möchte, denn im Gegensatz zu anderen Spielen aus dem Genre bekommt man hier doch mehr Tiefe geboten und die Themen rund um den Krieg, Kindersoldaten oder der zynische Blick auf die Wissenschaft bieten schon genügend Grundlage, die schlichten Bedürfnisse nach Rache gekonnt auszuschmücken und Denkanstöße zu suchen. Aber ich denke, die Interessenten wissen ohnehin, worauf sie sich hier einlassen.

Ein wenig schade ist es, dass das Leveldesign eher zweckmäßig gehalten wurde. So darf man hier nicht zwingend detaillierte und ausgefeilte Level erwarten, darauf haben die Entwickler wirklich keinen Fokus gelegt. Aber da sämtliche Elemente des Spiel zerschnitten werden können (Brücken, Bäume etc.) hat sich die Optik wohl auch etwas den Funktionen fügen müssen.

Ausgezeichneter Soundtrack

Sehr passend wurde der Soundtrack von Jamie Christopherson komboniert. Der Soundtrack ist eine verrückte Mischung aus E-Gitarren, Elekronic/Dub Step Elementen, Gesang und einige Metalcore-Anleihen, die den schnellen Gefechten eine gute Portion Epicness verleiht. Wer hier einen Hörprobe haben möchte kann ja bei YouTube nach "A Stranger I Remain (Mistral's Theme)" suchen.

Piet

Fazit

Es rockt ja schon, die Cyborg-Achterbahn gibt an einigen Stellen genügend Gas, mit dem Willen, neuen Maßstäbe zu setzen. Allerdings vermisse ich ein paar kleine Dinge, die ich zumindest in Hideo Kojimas Werken immer bewundert habe: Die Charaktere, die Story, die spielerischen Finessen, welche das Spiel zu einem detaillierten Action-Adventure hätten ausbreiten können. Aber auf der Seite der Kämpfe und der Action wird man Platinium Games-typisch großartig unterhalten und bekommt dank VR-Missionen, Kostüme und Objekte genügend Mehrwerte, um eine ganze Zeit lang freudig in die Schnetzeleien einsteigen zu wollen. Zumal die kurze und knackige Spieldauer von 5-6 Stunden das Spiel auch gerne in Zukunft wieder in mein Laufwerk wandern lassen wird.

Wertung: 8.3

Wir bedanken uns recht herzlich bei Konami Digital Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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