Review

Love (2011)

Genre: Sci-Fi, Drama | Produktionsland: Vereinigte Staaten |

Angels & Airwaves

1864 – Während des amerikanischen Bürgerkriegs wird Captain Lee Briggs von einer zur nächsten ausgelöschten Division versetzt. Er fühlt sich weggeschickt und zurückgelassen, einsam als einziger Überlebender. Wieder soll sein Leben durch ein Befehl verschont bleiben, der ihn östlich des Colorado-Beckens führt, wo ein befremdliches Objekt gewaltigen Ausmaßes gesichtet wurde. Was befindet sich dort? Knapp zwei Jahrhunderte später: Der US-amerikanische Astronaut Lee Miller soll die Sicherheit der Weltraumstation ISS überprüfen, die sich seit zwei Jahrzehnten verlassen in der erdnahen Umlaufbahn befindet. Auch er soll alsbald die leise Hölle der Einsamkeit erleben, als einziger Überlebender der gesamten Menschheit. Was ist das für „eine ziemliche Scheiße“, die laut der akustischen Aufzeichnung auf der Erde passiert ist, kurz bevor weltweit die Lichter erlöschen? Und warum könnten sie Lee Miller auch dann nicht zur Erde zurückholen, selbst, wenn sie es wollten?

Wie im Zeitraffer werden wir Zeuge, wie Lee Miller nach und nach seinen Verstand verliert. Er beginnt Gespräche mit den hinterlassenen Polaroids amerikanischer und russischer Astronautinnen. Hört ihre flüsternden Stimmen. Stellt sich vor, wie er sie ausführt. Spielt mit sich selbst Karten, um sich schließlich als schlechten Verlierer zu schimpfen. Grenzen zwischen Realität und Wirklichkeit drohen in Jahren der Einsamkeit komplett zu zerfallen, bis Lee an Bord der ISS zufällig das Tagebuch des Captain Lee Briggs findet und es mit Spannung liest. Wieso befindet sich das Tagebuch an Bord der ISS? Was befand sich dort draußen, im Colorado-Becken? Verdammt! Der Captain hat das Tagebuch nie zu Ende geschrieben. Und doch soll Lee Miller die Antwort erhalten, als durch sämtliche Fenster der Raumstation gleißendes Licht scheint und der Bordcomputer die Andockprozedur einleitet.

Beziehungen sind wesentlich für unsere Existenz

„Angels & Airwaves – Love“ wirft schnell Fragen auf und erzeugt so auf eine unaufdringlich leise Art, passend von der Musik der gleichnamigen Alternative-Rockband untermalt, eine faszinierende Spannung, ohne dabei ins Langweilige abzudriften, wie etwa „2001: Odyssee im Weltraum“. Keine minutenlange (Bildschirm-)Leere, kein Psychedelic-Trip zum Ende hin, wenngleich starke Parallelen zur Irrfahrt im Weltraum nicht von der Hand zu weisen sind, die meiner Meinung nach aber weit interessanter umgesetzt wurden. Werden die aufgeworfenen Fragen geklärt? Nicht alle und es gesellt sich im Höhepunkt sogar eine Schar weitere dazu. Es entsteht ein mysteriöses Puzzle, dessen fehlenden Teile viel Platz für eigene Interpretationen lässt. Sicher nicht jedermanns Geschmack, wer sich aber darauf einlässt, bekommt ein einzigartiges Sci-Fi-Erlebnis geboten, das sich vor großen Produktionen nicht zu verstecken braucht.

Dass die Produktion um die $500.000 gekostet hat, sieht man dem Film keineswegs an. Die glasklaren Bilder bleiben vor allem durch sehr sinnliche Momentaufnahmen und anmutenden Zeitlupen lange Zeit im Gedächtnis. Satte Farben setzen in der tristen Schwärze des Weltraums Akzente und schaffen insgesamt ein visuelles Kunstwerk, toll! Kaum zu glauben, dass Regisseur William Eubank die ISS im Garten seiner Eltern aufgebaut hat und eigenhändig die Schützengräben für die Szenen im Bürgerkrieg aushob. Mein Respekt für diese Leistung, die zeigt, dass ein verhältnismäßig winziges Budget ein solches Werk auf die Leinwand zaubern kann.

Trailer

Benny

Fazit

Nach 84 Minuten klatschte ich Beifall, während die Worte des Abspanns noch in meinem Gedächtnis nachhallten. Was für ein Finale! Eindringlich wie es nur wenigen Filmen gelingt. Klar, manchem werden die verbliebenen Fragen einen unbefriedigend bitteren Beigeschmack hinterlassen und auch inhaltlich bleibt, angesichts des Verzichts auf Action, der Kniefall vor dem Mainstream aus. Doch mir haben die Mysterien von „Angels & Airwaves – Love“ vollkommen gereicht, um gefesselt zu werden. Und der wirklich interessante Höhepunkt war für mich Anlass genug, mich auch nach dem Abspann mit dem Film zu beschäftigen, um Antworten zu finden. Unterm Strich ein etwas anderer Sci-Fi-Streifen, den ich zu meinen persönlichen Highlights zähle.

Wertung: 8.6

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