Videospiele

Verflippt nochmal!

Der Flipper-Vergleich im PSN

Zur Zeit liefern sich die Zen Studios auf der einen und Farsight Studios auf der anderen Seite ein unfreiwilliges Duell um die Gunst der Flipper-Fans, da beide ihre jeweilige Pinball-Plattform mit etlichen DLCs ins Rennen geschickt haben... und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Noch bevor es die digitalen Simulationen dieser blinkenden und dudelnden, bumperbestückten Spielgeräte gab, übten Flipper eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Taschengeld war damals ein knappes Gut und 2 DM für drei Credits eine Menge Geld. Da galt es die Tische gut zu studieren und gezielt auf Extraballs (Extra-Kugeln) oder gar Specials (Freispiele) hinzuarbeiten, um für die investierten Taler die maximale Spielzeit herauszuholen.

Unbegrenzte Freispiele

Der Vorteil der digitalen Varianten besteht zumeist in der Tatsache, dass sich der monetäre Einsatz auf den Kauf des Spiels und etwaiger Erweiterungen beschränkt und fortan ein unbegrenztes Spielvergnügen bietet. Natürlich führt für einen echten Liebhaber der Weg nicht am Spielhallen-Besuch oder gar dem Erwerb eines Schmuckstückes vorbei, denn das Gefühl, die Flippertasten zu betätigen, den Kugel-Abschuss zu bedienen und erst Recht das Rütteln am Tisch, kommt in den am Bildschirm simulierten Tischen deutlich zu knapp. Die Anschaffung eines Flippertisches kommt aber je nach Baujahr der Finanzierung eines Kleinwagens gleich, weshalb ich mich persönlich dann doch grundsätzlich für die Videospielvariante entschieden habe.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Im Bereich der Videospiele gibt es heute zwei Platzhirsche, die jeweils einen ganz eigenen Ansatz verfolgen. Während die Zen Studios mit ihren diversen Ablegern (ZEN Pinball, Marvel Pinball, Pinball FX und ZEN Pinball 2) auf etlichen Systemen (XBox360, PS3, Nintendo 3DS, iOS, Android, demnächst auch WiiU) eher die actionhaltige Arcadekost auf Fantasietischen abliefern, versteckt sich hinter dem Namen The Pinball Arcade von Farsight Studios die möglichst realistische Simulation tatsächlich existierender Tische. Das Wort "Arcade" im Titel steht hier nicht für arcadiges Daddeln, sondern ist der englische Begriff für Spielhalle. Farsight hat mit den Gottlieb Pinball Classics auch schon Vorgänger auf anderen Systemen abgeliefert. Beide Produkte - diese Anmerkung sei dem PlayStation-Fanboy in mir gestattet - bieten PlayStation-Spielern übrigens den Bonus, dass sie via Cross-Buy einmal gekauft sowohl auf PS3 als auch auf PS Vita gespielt werden können. Preislich unterscheiden sich beide Vertreter nicht sonderlich. Während ZEN Pinball 2 als Plattform grundsätzlich erstmal kostenlos ist, kostet The Pinball Arcade 10 EUR und bringt vier Tische mit. Tische lassen sich bei ZEN Pinball im Paket oder teilweise auch einzeln für 2 bis 3 EUR kaufen, bei The Pinball Arcade gibt es Tisch-Doppelpacks für jeweils 5 EUR. In der jüngsten Entwicklung hat Farsight die Preise allerdings deutlich angezogen. Für 5 EUR gibt es nur noch einen Tisch, nochmal 3 EUR extra lässt sich Farsight ein spezielles Optionsmenü bezahlen, über das Tisch-Einstellungen vorgenommen werden können. Ein Feature, das bei ZEN Pinball für jeden Tisch bereits an Bord ist.

ZEN Pinball 2

ZEN Pinball legt seinen Fokus auf kurzweilige Action mit aufwendigen Animationen und Effekten. Da hier nicht auf real existierende Tische gesetzt wurde, sind gerade die Marvel-Tische gespickt mit über den Tisch laufenden 3D-Figuren, die es in der Realität einer Flippertisch-Mechanik gar nicht geben könnte.

Die insgesamt 25 erhältlichen Fantasie-Tische für ZEN Pinball lassen sich grob in drei Kategorien einordnen. Da wären zum einen die reinen Fantasie-Tische, die es in der Realität nicht gibt und die sich an einem ebenso ausgedachten Thema orientieren. Zum anderen gibt es Tische, die sich an einem bekannten Thema orientieren. Diese Tische lassen sich nochmal gruppieren nach solchen, die ein Marvel-Thema haben oder ein Computer-Spiel zugrunde gelegt haben. Marvel-Tische widmen sich entweder einer speziellen Figur, wie Blade, Hulk, Thor oder Spiderman. Oder die Tische sind einer Marvel-Marke gewidmet, wie The Avengers oder X-Men. Unter den videospielbasierten Tischen finden sich Street Fighter, Ninja Gaiden, Pflanzen gegen Zombies und Splosion Man.

Ein besonderes Feature bietet der Tisch "Epic Quest", da er ein spielübergreifendes Speichern bietet. Thema des Spiels ist eine lustige Heldenfigur, die gegen allerlei Monster und Ungeheuer kämpfen muss. Dabei sammelt der Held Erfahrung und bessere Items, die er nach Verlust der drei regulären Kugeln in die nächste Spielrunde mitnimmt.

Äußerst gelungen finde ich die Umsetzung des "Pflanzen gegen Zombies"-Themas. Erstmalig in der Geschichte des von PopCap entwickelten Konfliktes zwischen Pflanzen und Zombies wurden die bekannten 2D-Figuren in 3D-Modelle umgewandelt und laufen auch über den Tisch.

ZEN Pinball bietet seit jeher eine vorbildliche Integration von Community-Features. Seien es Laufbänder mit den neusten Highscores von Freunden oder weltweiten Top-Spielern während der Ladescreens, über alle Freunde hinweg berechneten Gesamtpunktzahlen aller Tische oder einem Mehrspieler-Modus, bei dem um die Wette auf eine Zielpunktzahl hingespielt wird. Bei Multiplayer-Spielen auf der PS3 kann statt der Anzeige des Avatars auch ein Video-Chat gestartet werden. Voraussetzung ist dann allerdings die PlayStation Eye Kamera. In unregelmäßigen Abständen veranstalten die Zen Studios Turniere mit kleinen Giveaways wie T-Shirts und Unterhosen (!). Um hier aber rechtzeitig eine Ankündigung mitzubekommen, sollte man dem Studio bei Facebook oder Twitter folgen. Apropos Facebook: Das Spiel bietet eine direkte Integration mit dem Social Network. Neue Highscores lassen sich aus dem Spiel heraus auf die eigene Pinnwand posten.

The Pinball Arcade

Die bisher veröffentlichten 27 Tische orientieren sich ausnahmslos an existierenden Original-Flippern der Marken Williams, Bally, Gottlieb und Stern, was durch Einblendung von Hintergrundinformationen und einer digitalen Beilage des jeweiligen originalen Werbeprospektes unterstrichen wird. Der Spielfeldaufbau, Rampen, Lämpchen, Sounds und die Punkteanzeige wurden dabei ebenso penibelst digitalisiert, wie die im Tisch hinterlegte Logik zur Punktevergabe, Multiball-Sessions und Highscore-Verwaltung. Neben der lokalen Highscore-Liste bietet auch The Pinball Arcade Online-Ranglisten, die nach Freunden gefiltert werden können.

Leider lässt The Pinball Arcade seit seinem Release auf die versprochenen Community-Features warten. So finden sich im Spiel Menüpunkte, hinter denen seit der Veröffentlichung des Basisspiels vor über einem halben Jahr (auf PS3 / PS Vita) der selbe Kommentar erscheint: Diese Funktion wird verfügbar, sobald Du mehr Tische gekauft hast. Aber selbst nach 7 DLCs hat sich an diesem Punkt nichts geändert. Spezielle Turniere und Challenges sind also angekündigt, wurden aber bisher noch nicht realisiert.

Die Palette der simulierten Tische ist breit. Angefangen mit Exemplaren aus den 70ern und 80ern (mit ersten zaghaften Versuchen einer Sprachausgabe), auf denen die mechanischen Aufbauten noch einfacher gehalten waren, gibt es auch Tische aus den 90ern, die dann schon aufwendige Plastikaufbauten im Design aufweisen.

Stärken und Schwächen

ZEN Pinball punktet vor allem mit seinem leichten Einstieg und der Tatsache, dass man auch mal eben zwischendurch ein Ründchen einlegen kann. Dank der Übersicht aller Tische sieht man auf einen Blick, wo Freundes-Punktzahlen zu schlagen und Achievements zu holen sind.

The Pinball Arcade bietet eine solche Sicht nicht, hat seinen Fokus aber auch mehr auf den Simulationsgehalt gelegt. Vor allem auf einem großen Fernseher erstrahlen die Tische in wunderbarer Pracht. Die Licht-Reflektionen auf den pollierten Kugeln ist eine wahre Entzückung für's Auge. Die Kehrseite: Vereinzelt hat Farsight Tische im Portfolio, die mal auf der PS3, mal auf der PS Vita nahe am Rande der Unspielbarkeit sind und doch deutlich ruckeln.

ZEN Pinball erreicht nicht die gleiche gestochene Schärfe in der Optik, hat aber dafür nicht mit Slowdowns zu kämpfen und bleibt über die ganze Action flüssig. In punkto Soundtrack liegt ZEN Pinball deutlich vorne, was aber nicht weiter verwunderlich ist, hat man sich bei The Pinball Arcade eben auch darauf konzentriert, die teils aus den 70ern und 80ern stammenden Düdel-Pling-Sounds naturgetreu wiederzugeben. Bei einigen Tischen ist das nebenbei gesagt fast schon eine akustische Zumutung - aber eben echt.

Fazit

Eine Empfehlung in die eine oder andere Richtung kann ich gar nicht aussprechen. Flipper-Freunde sollten sich schlicht beide Spiele in Form der jeweiligen kostenlosen Demo ansehen. Während es bei ZEN Pinball Fantasietische gibt, die alle randvoll mit tollen Ideen sind, gibt es bei The Pinball Arcade Realismus pur. Das kann allerdings den Nachteil mitbringen, dass ein Tisch, der 1980 richtig modern war, unter heutigen Gesichtspunkten aber spielerisch eher langweilig ist, in The Pinball Arcade ebenfalls ernüchternd rüberkommt.

Etwas verärgert bin ich über die scheinbar holen Versprechen Farsights, es kämen noch Community-Features wie Challenges und Turniere. Diese Menüpunkte hätte man schlicht weglassen sollen. Stattdessen hat man jüngst die Anzahl der Tische pro DLC-Pack halbiert, bei gleichem Preis. Kein feiner Zug.

Die ZEN Studios gaben hingegen vor wenigen Tagen bekannt, dass es im Laufe des Jahres 2013 insgesamt 8 neue Tische geben wird, die sich als Thema alle das StarWars Universum vornehmen werden. Da darf man gespannt sein, ob es neben neuer Grafiken und Sounds auch neue Spielideen geben wird.

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