Comic

Comics - Ein unterschätztes Hobby

Fantasy Comic-Überblick

Was wäre das Leben bloß ohne unsere Hobbies? Leere Stunden der Freizeit, ohne Leidenschaft, die ich enthusiastisch mit allerlei Aktivitäten fülle. Zu meinen Steckenpferden zähle ich unter anderem mein Heimkino - Videospiele natürlich mit inbegriffen! Ich koche, schreibe und bastle auch gerne (TableTop) und seit neuestem lese ich zudem mit großer Begeisterung Comics. Warum ich erst jetzt über Comics stolpere? Das möchte Euch verraten…

Mein Weg zum Comic

Bislang hatte ich verdammt wenig mit Comics am Hut, hatte als Kind vereinzelte „lustige Taschenbücher“ in der Hand, die mich aber wegen ihrer inflationären Masse und ihrem dürftigen Inhalt nicht wirklich ansprachen. Anders sah es schon mit „Tim und Struppi“ aus, die ich im Alter von acht Jahren gesammelt und verschlungen habe. Dass der Funken jedoch nicht gänzlich übergesprungen ist, mag natürlich am sehr überschaubaren Angebot der örtlichen Bücherläden gelegen haben, denn die damalige Auswahl ließ mich absolut kalt und es mussten Dekaden vergehen, eh ich bei einer Vielzahl spannender Titel richtig Blut lecken konnte.

Der Stein kam schließlich erst durch das „Star Wars“-Universum richtig ins Rollen. Genauer gesagt mit der Ankündigung seitens der Walt Disney-Studios, dass sie nach dem Kauf der Marke weitere Kinofilme planen. Nach jahrelanger „Krieg der Sterne“-Abstinenz, verursacht durch die ernüchternde neue Trilogie, kam das Interesse für jenes Universum plötzlich zurück. Zum Glück! Beinahe hätte ich die geniale Hörspielreihe rund um die „Thrawn-Trilogie“ verpasst. Auch wurde ich das erste Mal auf die „Star Wars“-Comics aufmerksam, von denen ich zu Weihnachten, neben Band 1 der „Wormworld Saga“ (danke Piet!), zwei Bände geschenkt bekam und bei mir ein Lauffeuer der Euphorie für dieses zeitlose Medium entfachte.

Kinderkram ...?

Mitnichten! Denn diese Sparte der Unterhaltungsbranche bietet neben Marvels Action-Helden, Mickey Mouse und Co. so vieles mehr: Von spannenden Fantasy- und Science-Fiction-Reihen über Western bis hin zu literarisch anspruchsvollen Grafik-Novellen, die sich thematisch eindeutig an erwachsene Leser richten. Mich hat es vor allem in die erst genannte Kategorie verschlagen, da ich sehr gerne sowohl Fantasy- als auch SciFi-Filme schaue, qualitative Werke allerdings Mangelware sind. Hinzu kommt, dass selbst große Blockbuster wie „Herr der Ringe“ sich leider nur selten erzählerische, wie visuelle Freiheiten erlauben, um dem Massenkino bestmöglich zu gefallen. Schön, dass sich Fernsehserien mittlerweile einen Schritt weiter wagen und Musterbeispiel „Game of Thrones“ mit seiner derben Welt mehr Authenzität verströmt, als es die meisten Fantasysteifen à la Hollywood tun.

Und eben diesen Mut, das Mainstream-Korsette abzulegen, sehe ich mit großer Freude bei diversen Comicautoren, die voll und ganz zu ihren Ideen stehen. Ihre Geschichten wirken frisch, die (Anti-)Helden keineswegs blass. Nicht selten bildet eine düstere Welt eine faszinierende Rahmenbedingung für die Handlung und auch eine Prise Erotik ist immer wieder eine willkommene Abwechslung, die nicht billig inszeniert, sondern nur angedeutet wird. Und auch wenn Comics selbstverständlich mit weit weniger Text als Romane auskommen müssen, sind sie in der Lage, kurz und bündig zu fesseln und je nach Zeichner visuell zu beeindrucken.

Als ich dann über die Feiertage die „Star Wars“-Comics wälzte, bemerkte ich mit großer Verwunderung zunächst eines. Im Gegensatz zu Büchern, die ganz ohne Bildmaterial auskommen, fiel es mir bei Comics anfangs schwer, in aller Ruhe die Bilder zu genießen. Eine Fähigkeit, die in unserem schnelllebigen Zeitalter scheinbar keine Selbstverständlichkeit mehr ist, die ich aber binnen weniger Comics wiedererlangte. Nachdem ich mit beiden Bänden fertig war, nutzte ich das Internet, um nach Nachschub Ausschau zu halten.

Ich stelle vor: Meine ersten Highlights

Im Endeffekt waren es zwei Verlage, von denen ich mir die ersten Bände mehreren Reihen gekauft habe: „Panini Comics“ und der „Splitter-Verlag“. Beide verfolgen grundverschiedene Konzepte. „Panini Comics“ bietet zum Preis von knapp 20 Euro um die 150 Seiten, kleiner als das DIN-A4-Format, verpackt in einem mehr oder weniger anfälligen Softcover. Von „Panini Comics“ stammen unter anderem die „Star Wars“-Essentials, die das „Star Wars“-Universum um viele Geschichten erweitern, die teils bereits als seitenstarke Romane veröffentlicht wurden. „Red Sonja“ stillt den Durst nach kultiger 80ties-Fantasy, während „Lady Death“ jüngst einen Neustart erfährt, sehr zu meiner Freude, denn so kann ich ebenfalls in diese Serie einsteigen.

Besser jedoch gefällt mir ganz klar das Konzept vom „Splitter-Verlag“. Auch wenn die Bände mit etwa 60 Seiten im Überformat etwas dünn ausfallen, punkten der Verlag mit einem sehr guten Preis von um die 14 Euro, hochwertigem Papier und einem robusteren Hardcover in sehr edler Aufmachung. Unterm Strich muss ich sogar sagen, dass mir die Reihen vom „Splitter-Verlag“ deutlich mehr zusagen, was sich vermutlich damit begründen lässt, dass französische Autoren ideenreicher sind als ihre amerikanischen Kollegen.

Neben dem Antihelden „Arawn“ und den über die Zeit herrschenden Magiern von „Ravermoon“, die einem Massaker zum Opfer fallen, sind es folgende vier Reihen, die ich mit höchster Priorität weiterverfolgen werde und wärmstens weiterempfehlen kann:

Storm: Der rote Fleck des Jupiters, ein gigantischer Wirbelsturm, der der Menschheit seit Jahrhunderten bekannt ist (tatsächlich), soll vom Astronauten Storm näher untersucht werden. Die Mission scheitert, als Storm in diesen Sturm hineingezogen wird und ahnungslos Jahrtausende später sein Bewusstsein wiedererlangt. Als er zur Erde zurückkehrt, muss er mit Schrecken feststellen, dass sie nicht mehr dieselbe ist. Die Ozeane sind verschwunden, die Menschheit hat sich zur Barbarei zurück entwickelt, bedroht von abstrusen Monstern, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Der Mix aus Fantasy und Science-Fiction ist vor allem optisch, aufgrund des aus heutiger Sicht charmanten Retrolooks von hochentwickelten Technologien, ein Genuss und punktet mit sympathischen Charakteren.

El Mercenario: In den Reichen jenseits der Wolkendecke ist der Mercenario (Spanisch: Söldner) der namenlose Held der Reihe, der auf seinem Flugdrachen jeden noch so gefährlichen Auftrag annimmt, um sich seinen Sold zu verdienen. Auch wenn die Handlung eher einfach gestrickt ist, bietet die Serie unglaublich tolle Schauplätze, während die Ölmalereien der alten Schule „El Mercenario“ zu einem visuellen Highlight machen.

Die Legende der Drachenritter: Niemand weiß, woher die Drachen kommen, die mit ihrer Anwesenheit das Übel über das Land bringen. Die Natur verkümmert, während alles Leben stetig zu brutalen Bestien mutiert. Mit einer Ausnahme: Weibliche Jungfrauen, die der Ordern der Drachenritter schult, jenen Kreaturen den Garaus zu machen. Optisch teils ein bisschen zu cartoonhaft, sind die einzelnen, in sich abgeschlossenen Geschichten sehr spannend geschrieben, deren Charaktere sich albenübergreifend kreuzen.

Maries Drachen: Das Autorenpärchen von der „Legende der Drachenritter“ zeichnet sich auch für „Maries Drachen“ verantwortlich, bei dem mutierte Bestien  den Platz herkömmlicher Drachen einnehmen. Der Auftakt fesselt: Marie soll ihre Prüfung ablegen und das Herz eines Tieres aus dem Wald nach Hause bringen. Dort angekommen, wird sie Zeugin, wie ihre Mitmenschen, darunter auch ihre Eltern, abgeschlachtet und ihre Geschwister verschleppt werden. Sie schwört Rache und verfolgt die Mörder Jahre später im mittelalterlichen Italien. Da sie jedoch die Gegenwart der „Drachen“ spüren kann, haben sich bereits Ritter der Kirche an ihre Fersen geheftet, um die „Hexe“ auf den Scheiterhaufen zu bringen.

Benny

Fazit

Einfach herrlich: Für atmosphärisches Licht sorgen, sich aufs Sofa zu fläzen und bei aller Ruhe genüsslich das eine oder andere spannende Fantasyalbum durchzulesen. Klar, Bücher gibt es, im Gegensatz zu Verfilmungen in diesem Genre, wie Sand am mehr. Doch ich möchte auch visuell auf meine Kosten kommen, besonders gelungene Szenen genauer unter die Lupe nehmen und einen Moment in ihnen schwelgen. Dass Bilder mehr als tausend Worte sagen ist bekannt, so schmücken sie zudem die ohnehin schon gelungenen Erzählungen auf ein ordentliches Maß an Umfang. Einziger Haken: Es gibt so unglaublich viele interessante Werke, dass es meinem Sparschwein in den nächsten Monaten schwer fallen dürfte, ordentlich Fett anzusetzen.

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