Review

Alexandre Ajas Maniac (2012)

Produktionsland: Frankreich/ USA | Genre: Horror/ Thriller | Altersfreigabe: FSK 18

Ein aufgeregtes Atmen dringt in ihren Hörgang, als sie ängstlich durch den Flur hastet. Immer und immer schneller werden ihre Schritte, die durch ihre High-Heels zunehmend unkontrollierter werden. Endlich erreicht sie die Tür zu ihrem Apartment und steckt mit einem lauten Seufzen ihren Schlüssel in die Tür. Doch da ist es wieder: Das Atmen ist nun direkt hinter ihr. Zitternd dreht sie sich um. "Bitte, schrei jetzt nicht." sagt der Verursacher des Atemgeräusches. Der Schrei der Jungen Frau schafft es noch nicht einmal den Höhepunkt zu erreichen, als das Messer schon tief in ihrem Unterkiefer steckt und ihren Gaumen durchbohrt.  Das meine Lieben, möglicherweisen verstörten Mitleser, ist der Auftakt zum vor kurzem veröffentlichten Film, "Maniac." Der unter der Aufsicht von Alexandre Aja (High Tension, The Hills Have Eyes, Piranha) produzierte Film versucht den Zuschauer ganz tief in die Welt des Protagonisten Franks zu ziehen. Durch die Augen Franks begleiten wir den schüchternen, zurückhaltenden Mann durch all seine Lebenslagen und all seinen verstörenden Facetten.

Einsamkeit, mein Freund, mein Leid

Frank ist ein Anfang 30 Jahre alter Mann, weder verheiratet noch verwitwet, umgibt er sich bloß mit seiner Arbeit. Schaufensterpuppen, das restaurieren von Schaufensterpuppen ist ein unlukratives Geschäft, doch er macht es mit Hingabe und viel Liebe. Alles in Namen der Familie. Zu schade wäre es gewesen, den Laden mit einer langen Tradition zu schließen. Eines schicksalhaften Tages kreuzt sich Franks Weg mit der wunderschönen Erscheinung von Anna, einer Fotografin die Interesse an der Arbeit von Frank hat. Dieser Zufall bringt Frank in seinem Sein in eine merkwürdige Lage, die ihn in einen Strudel aus Lügen, Ängsten und Psychosen ziehen.

Verstör Mich. Betör Mich

Fasziniert saß ich 93 Minuten lang wie angewurzelt auf meinem Platz, in einem halbgefüllten Kinosaal. Dieser Film wird keine Kinorekorde brechen, das war von vornherein klar. Die Tragödie daran ist der Fakt, dass er das auch niemals schaffen würde! "Maniac" läuft nämlich in ganz Hamburg in zwei bis höchstens vier Lichtspielhäusern. Dazu kommt noch, dass er frühestens ab 23:00 Uhr zu sehen ist und noch die Frage an den Leser: "Wer von Euch hat von der veröffentlichung des Filmes in Deutschland gehört? Wer sah Litfasssäulen mit Kinopostern behangen oder irgendeine Werbung im TV?" Ich für meinen Teil habe nichts dergleichen mitbekommen und hatte ganz einfach Glück, dass ich mal wieder ein wenig das Internet durchforstete. Das ist wirklich schade, denn "Maniac" ist in meinen Augen ganz klar ein Film, der mehr Leute hätte erreichen sollen. Doch fürchtete man sich offensichtlich vor dem Massenmarkt. Unbestätigt ist diese Angst nicht, denn als der Abspann über die Leinwand rollte, hörte ich die ersten Stimmen der adoleszenten Zuschauer: "Was für ein Scheißfilm!" Da kam direkt der Diskussionsdrang in mir hoch, aber nun gut lassen wir das.

"Maniac" ist sicherlich nichts für jeden Geschmack. Doch wer dem Slasher-Genre nicht abgeneigt ist, sich nicht nur berieseln lassen will und nicht zimperlich ist, kann sich auf einen einzigartigen, gut erzählten und psychologisch schön ausgearbeiteten Film freuen.

"Maniac" Trailer

Christopher

Fazit:

Düster, beklemmend und traurig. Das sind die Worte, die mir am Ende der Vorstellung zu "Maniac" im Kopf geblieben sind. Das Gesehene regt zum Nachdenken an und das sollte man auch, denn ansonsten hat man an Maniac nicht sonderlich viel Freude. Wer einen hirnlosen, sinnlosen Metzelfilm erwartet, ist hier an der falschen Adresse gelandet, denn "Maniac" hat weitaus mehr zu bieten, als tumbes Haudrauf-Geschnetzel. Für mich war dieser Film ein grandioser Abschluss des Jahres 2012 und ich kann behaupten, dass ich auch noch einen Hobbit im Kino bewundern durfte.

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