Review

Wii U - Ersteindruck

Konsolen-Check

Erst machte sich bei mir Skepsis breit, als das Konzept der neuen Wii U bekannt gegeben wurde. Dann blieb lediglich Desinteresse zurück, bis weitere Details der Konsole mich neugierig machten. Anschließend habe ich lange hin und her überlegt, ob ich mein Vorhaben verwerfen soll, nie wieder eine Konsole bei Release zu kaufen – zu groß war stets die Enttäuschung über das ernüchternde Spieleangebot. Schließlich obsiegte die Neugier und ich griff zu. Hätte ich vielleicht doch warten sollen?

Basis- oder Premiumpaket?

Eine anfangs schwere Wahl, die der Inhalt der Pakete schnell abnahm. Auch wenn ich persönlich lieber die weiße Wii U mein eigenen nennen würde, so ist die Speicherkapazität der 8-Gigabyte-Version des Basispakets etwas zu knapp bemessen. Weiterhin bekäme ich für einen Preisaufschlag von 50 Euro die 32GB-Version, Nintendoland, Ständer für Controller und Konsole, die Sensorleiste der Wii und die Möglichkeit des Network Premium dazu. Bei letzterem erhält man nicht näher definierte Rabatte und Boni, wenn man 500 Punkte angesammelt hat. Je Euro Umsatz im eShop erhält man 8 solcher Punkte.

Ich selbst habe dann aber doch zum ZombiU-Paket gegriffen. Nintendoland sprach mich nicht an und der Pro Controller könnte sich in Zukunft bezahlt machen, auch wenn seine Schultertasten nicht analog sind, d.h. sie erkennen keine feine Abstufungen des Tastendrucks, was z.B. wichtig für Rennspiele ist. Ansonsten entsprechen Form und Qualität relativ der des X-Box360-Gamepads.

Dezember 2006 lässt grüßen

Das Auspacken der Wii U gleicht beinahe einem Déjà-vu, denn allein schon der Aufbau des Kartons wird jedem Besitzer des Vorgängers vertraut erscheinen. Und auch die Konsole selbst erinnert sehr an Nintendos letzter Konsole, nur ist sie ein Stück länger, und das Hochglanzgehäuse mittlerweile abgerundet. Auf dem ersten Blick ein recht ansehnliches Gerät, das kleiner ausfällt, als die Konkurrenz-Produkte.

Das Laufwerk, ähnlich laut wie das der Wii, ist optisch identisch, auch die unter ihr befindliche Luke ist nahezu dieselbe. Nur, dass sich hier zwei weitere USB-Anschlüsse verbergen und der Knopf, der zur Synchronisation von Konsole und Controller dient, sich nunmehr links neben der Klappe befindet. Weiterhin fallen diverse Lüftungsschlitze auf, die die Wii U bei Betrieb auf eine lauwarme Temperatur herunterkühlen, was mitunter auch am geringen Stromverbrauch liegen mag (Maximalverbrauch liegt laut Hersteller bei 74 Watt).

Keine Überraschung ist, denn die Wii U ist ebenfalls endlich im HD-Zeitalter ankommen, dass sich an der Rückseite der Konsole nun ein HDMI-Anschluss hinzugesellt hat. Lediglich einen optischen Ausgang zum AV-Receiver vermisse ich, denn nicht in jedem Wohnzimmer steht ein Receiver mit HDMI-Eingang. Ich selbst habe meinen Highend-Receiver von Denon leider zwei Jahre zu früh gekauft und bin bei Bluray-Player und anderen Geräten auf eine eben solche Verbindung angewiesen. Schade, so bleibt mir nichts anderes übrig, als in die Röhre zu hören. Aber da die alte Grafik/Soundschnittstelle der Wii vorhanden ist, bleibt die Hoffnung, dass ein Drittanbieter in Zukunft diese Lücke füllen wird. Dank dieser analogen Schnittstelle können auch weiterhin Fernsehgeräte über Scart- oder Komponentenkabel angeschlossen werden – immerhin hier hatte man Mitgefühl mit „veralteter“ Technik.

Entfallen ist die obere Klappe der Wii, unter der sich die vier Abschlüsse der GameCube-Controller verbergen. Der simple Grund: GameCube-Spiele werden leider nicht länger unterstützt, wobei eine Unterstützung der vorletzten Generation ohnehin etwas zu viel verlangt wäre und die Wii so auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung hat.

Nicht noch ein Update…

Da auch die Wii U über keinen LAN-Anschluss verfügt, kann das etwa 1-Gigabyte große Releaseupdate einzig per WLAN-Verbindung heruntergeladen und installiert werden. Da dieser Patch 1GB des Konsolenspeichers verschlingt, erscheint hier das Basispaket der Wii U noch unattraktiver, wobei man digital gekaufte Spiele auch auf USB-Sticks, SD-Karten und externe Festplatten auslagern kann, was je nach gelungenem eShop-Angebot auch den 32 Gigabyte-Konsolen früher oder später bevorstehen könnte und sich dieser Nachteil somit schnell in Luft auflöst.

Das Update selbst kann im Hintergrund geladen werden, wenn man bei der Abfrage auf „abbrechen“ klickt. Denn statt mit endlosem Warten die Zeit totzuschlagen, kann man so bereits das erste Spiel spielen. Apropos endloses Warten. Auch wenn die Anzahl der Updates bisher sehr gering ist, so dauern sie eine gefühlte Ewigkeit. Die angezeigten Sekunden werden zu Minuten, die bei weitem nicht der wirklich benötigten Zeit entsprechen. Jedes Mal eine Tortur. Würden sie doch wenigstens das bislang etwas lahme Wii U-Menü beschleunigen, das ähnlich aufgebaut ist, wie das Betriebssystem der Wii...

Aber zurück zum großen Releaseupdate. Erst dieser schaltet den eShop, die Abwärtskompabilität zur Wii und diverse Onlinemöglichkeiten frei: Das Miiverse, eine Art soziales Netzwerk für die erstellten Miis, eine Youtube- und eine LoveFilm-App. Letztere ist eine Onlinevideothek und die einzige Möglichkeit (noch nicht in Deutschland verfügbar), Filme auf der Wii zu gucken. Denn weder Blu-Rays, noch DVDs oder gar CDs schluckt die Wii U, die sich selbst damit im Multimedia-Zeitalter zu einer Singlemediakonsole degradiert. Hier lässt Nintendo das Potenzial junger Käufer liegen, die sich im Schulalter keinen eigenen Player leisten können.

Innovativer als die Wiimote?

Da sich die Wii U grafisch in etwa auf dem Niveau von der PS3/X-Box360 befindet, je nach Titel teils etwas stärker, teils etwas schwächer, und in Zukunft wahrscheinlich nur der größere Arbeitsspeicher für höher aufgelöste Texturen genutzt wird, sollte man nicht mit allzu großen optischen Sprüngen rechnen.

Die Wii U soll sich, wie schon sein Vorgänger, mehr durch Innovation denn durch grafische Leistung gegen ihre Konkurrenz behaupten. Und tatsächlich, der Controller hat mich vollends überzeugt. Die ersten Bilder machten einen ergonomisch schlechten Eindruck und doch liegt er sehr gut in der Hand. Auch sein leicht höheres Gewicht steht einem mehrstündigen Spielspaß keineswegs im Wege. Sticks und Tasten sind gut angeordnet, einzig schade ist, dass die Schultertasten wie beim Pro Controller digital sind. Weiterhin im Controller verbaut sind: Eine Kamera; Lautsprecher, die sich wirklich hören lassen können und deren Lautstärke per Regler eingestellt wird; ein Kopfhöreranschluss; eine relativ sanfte Rumblefunktion, Neigungssensoren und natürlich das 6,2“ große LCD-Touch-Display.

Ich bin gespannt, mit was für Ideen die Entwickler das Touchpad ins Spielgeschehen einbeziehen werden, kann aber schon jetzt sagen, dass ich ihn nicht mehr missen möchte. Bislang konnte ich drei Einsatzgebiete des Touch-Displays ausmachen. Erstens: Die Konsole streamt das TV-Bild auf das Display (New Super Mario Bros. U), so dass man unabhängig von einem Fernsehgerät spielen kann. Netter Nebeneffekt – enthusiastische Spieler könnten die Wii U sogar mit in den Urlaub nehmen und die Wii U mehr oder minder als Handheld nutzen. Zweitens: Der Controller zeigt die Karte der Spielwelt in Echtzeit und ermöglicht zudem ein wenig Komfort, etwa dem Wechsel der gegenwärtigen Waffe (Assassin’s Creed III). Da die Karte nicht länger auf dem Fernseher aktiviert werden muss und ein kurzer Blick auf den Controller genügt, wird der Spielfluss nicht gestört. Drittens: Die Möglichkeiten des Controllers werden kreativ genutzt. Bei „ZombiU“ kann die Gegend mit dem Radar nach Zombies abgesucht werden, während man bei „Trine 2“ als Magier Objekte per Fingerdruck erschaffen und verschieben kann.

Ich bin vom Controller überaus begeistert, daran rütteln auch die staub- und fingerabdruckanfällige Hochglanzschale sowie die etwa dreistündige Akkulaufzeit nicht, zumal der Spielspaß durch das beigelegte Ladekabel nicht unterbrochen wird.

Benny

Fazit - Ein Launch nach meinem Geschmack

Zum ersten Mal bin ich wirklich zufrieden mit dem Launch-Angebot einer Konsole - und ich habe schon so manch eine Konsole am Erscheinungstag gekauft. „ZombiU“, „New Super Mario Bros. U“, „Assassin’s Creed III“ und „Trine 2“ werden mich noch einige Zeit unterhalten, während bereits im ersten Quartal 2013 Titel wie „Alien Colonial Marines“ und „Pikmin 3“ eine erste Durststrecke verhindern werden. Dass die Wii U genügend Titel zum Start vorzuweisen hat, liegt natürlich daran, dass sie diverse Ports spendiert bekommen hat. Allen voran kann ich Funracer-Fans „Sonic All-Stars Racing Transformed“ empfehlen. Erfreulich aber ist, dass die meisten Ports den Controller bereits jetzt sinnvoll nutzen und zukünftige Ports mehr Inhalt parat halten werden. Das Gerücht um „Resident Evil 6 – Final Hope“ lässt grüßen. Dann wird es auch hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern, bis Nintendo einen 3D-Mario veröffentlicht oder Titel wie „Metroid“ oder „The Legend of Zelda“ in den Startlöchern stehen. Ich rechne fest mit einem „Project Zero“, wo ich mit dem Controller als Kamera auf Geisterjagd gehen kann und hoffe auf Nischentitel wie „Fragile Dreams“ oder „Pandora’s Tower“. Aber auch ein „Bayonetta 2“ sollte man im Auge behalten. Alles in allem bin ich glücklich mit dem Kauf der Wii U und sehe entspannt vielen tollen Titeln entgegen.

Unsere bisherigen Tests zu Wii U Spielen könnt Ihr hier anschauen.

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