Review

PlayStation All-Stars Battle Royale

Genre: Brawler | Entwickler: SuperBot Entertainment | System: PS3, PS Vita | Freigegeben ab: 12 Jahre

Als ich die Ankündigung zu PlayStation All-Stars Battle Royale (PSASBR) gelesen hatte, war mein erster Gedanke, dass es sich um eine dreiste Kopie von Nintendos Smash Bros. handeln müsse und legte den Titel samt meiner Vorfreude und Erwartungen zu den Akten. Bislang konnte ich reinen Brawlern, bei denen es nur darum geht, andere Spieler zu bekämpfen nicht viel abgewinnen. Awesomenauts war in letzter Zeit eines der wenigen Spiele dieser Gattung, das mich für längere Zeit begeistern konnte. Umso überraschter war ich, als ich ein paar Runden in der Beta von PSASBR absolviert und dabei richtig Spaß hatte. Letzlich entwickelte sich bei mir doch so etwas, wie eine freudige Erwartung auf das fertige Produkt. Ob meine Vorfreude gerechtfertigt war und was PSASBR alles mitbringt, erfahrt ihr im folgenden Erfahrungsbericht.

Die Grundformel - machen wir uns nix vor - entspricht der Rezeptur von Smash Bros. Wirf einfach viele bekannte Figuren unterschiedlicher Franchises in eine bunte Arena und lass sie sich gegenseitig vermöbeln. Allerdings - das zeigte damals schon der PlayStation Werbespot "Michael", in dem sich das Who-Is-Who des PlayStation-Universums in einem Gasthaus traf - strahlt das Zusammentreffen der Helden aus den unterschiedlichsten Welten ein ganz eigenes Flair aus, das insbesondere dem PlayStation-affinen Zocker hier und da ein Grinsen auf die Lippen zaubern dürfte.

Who-Is-Who des PlayStation-Universums

Werfen wir zunächst einen Blick auf das 20-köpfige Helden-Gespann, das sich in der Basis-Version von PSASBR die Ehre gibt. Da wären zunächst einige neuzeitliche und sony-exklusive Charaktere wie Nathan Drake aus Uncharted, Kratos aus God of War, Cole aus inFamous, Radec aus Killzone, Nariko aus Heavenly Sword, Sweet Tooth aus Twited Metal, Ratchet & Clank, Jak & Dexter sowie Sly Cooper aus den jeweils gleichnamigen Spielen. Unerwartet aber durchaus schlagkräftig sind auch der Sackboy aus LittleBIGPlanet und die fette Prinzessin aus Fat Princess mit von der Partie. Sehr gefreut habe ich mich auch über den Auftritt von Sir Daniel aus Medieval, der älteren Semestern vielleicht noch von der PSOne, jüngeren Spielern von der PSP oder einem eher unrühmlichen Move-Ableger bekannt ist. Ebenfalls aus der guten alten PSOne-Zeit hat es PaRappa the Rapper zurück in die Neuzeit geschafft, um direkt mal mit der dritten Dimension Bekanntschaft zu machen. Der Vollständigkeit halber seien noch der Big Daddy aus Bioshock, der neue Dante aus Devil May Cry 5, Heihachi aus Tekken, Raiden aus Metal Gear Solid und Spike aus Ape Escape. Am skurrilsten ist sicherlich Toro, die Sony-Katze, die ihr Debüt auf der PSOne feierte und seitdem in Japan als PlayStation-Maskottchen bekannt ist. "Hey, das waren aber nur 19 Charaktere", werdet ihr gerade zurecht empört denken. Richtig. Cole gibt es einmal in der guten und in der bösen Variante. Die Entwickler werkeln übrigens schon am ersten DLC, der für kostenlosen Nachschub in Form von Kat aus Gravity Rush und Emmet aus Starhawk sorgen soll.

Damit ist aber noch nicht Schluß mit den Referenzen aus PlayStation-Spielen. Auch die Kampfarenen sind bereits bekannte Schauplätze. So kämpft ihr beispielsweise in dem Flugzeug aus Uncharted 3, dessen Heckklappe während des Fluges geöffnet wird. Tatsächlich verändert sich die Arena auch während eines Kampfes. So klappt der Comic-Hintergrund aus PaRappa buchstäblich wie ein Katenhaus zusammen und gibt im Hintergrund die Sicht auf den riesigen Walker aus Killzone 3 frei, der die Spieler in der Arena auch noch unter Beschuss nimmt. Während man sich also auf das Gegnergetümmel konzentrieren muss, hat man auch noch den Hintergrund im Blick, um nicht von einer Salve Raketen getroffen zu werden. Neben Schauplätzen und Elementen aus Resistance 2, Loco Roco und Patapon fand ich die LittleBIGPlanet Arena sehr gelungen. Diese verwandelt sich mitten im Kampf in ein Buzz Quiz-TV Studio, in dem den Spielern eine Quiz-Frage gestellt wird. Für jede der vier möglichen Antworten gibt es eine eigene Plattform, auf die man sich stellen muss. Wer falsch steht, wird zur Strafe ein paar Sekunden eingefroren.

Leveln bis der Arzt kommt

Der Fokus des Spiels liegt eindeutig auf den kurzweiligen Multiplayer-Prügeleien im Turnier-Modus, bei dem euch 30 Tage Zeit bleiben innerhalb einer Saison in der globalen Rangliste aufzusteigen. Je nach Platzierung werdet ihr mit unterschiedlich farbigen Gürteln und Titeln belohnt, mit denen ihr auf eurem einsehbaren Profil angeben dürft. Für dieses Profil sammelt ihr außerdem jede Menge Hintergründe und Symbole, die ihr freischaltet, wenn Charaktere im Level aufsteigen. Das Aufleveln geht recht flott, es ist aber für ausreichend Motivation gesorgt, denn die letzten Belohnungen gibt es erst bei Level 300 (!). Darüber hinaus gibt es noch alternative Intros und Outros (Charakter-Animationen zu Beginn und zum Ende eines Kampfes), Musik und Kostüme freizuschalten. Witzig aber nutzlos: Ihr schaltet euch einen kleinen Minion frei (z.B. Captain Qwark, Zeke oder Sully), der bei guten Kampfaktionen hereinschwebt und Applaus spendet. Was ich als äußerst positiv empfand: Sämtliche Charaktere und Arenen stehen unmittelbar von Anfang an zur Verfügung und müssen nicht erst freigespielt werden. Neben den obligatorischen Trophies bietet das Spiel noch jede Menge Ingame-Ziele an, die erreicht werden können, um Extra-Erfahrung und Level-Aufstiege einzustreichen.

Solo-Karriere?

Trotz des offensichtlichen Multiplayer-Übergewichts, hat man sich bemüht, auch Solo-Spielern ein unterhaltsames Programm zu bieten. Jeder der 20 Charaktere hat eine eigene kleine Mini-Geschichte spendiert bekommen, die mit einigen wirklich hübsch gemalten Standbildern erzählt wird. Dieser sogenannte Arcade-Modus umfasst 8 Kämpfe mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad. Das Highlight stellt dabei der siebte Kampf dar, der gegen einen einzelnen Gegner geführt wird und zu dem es einen kurzen animierten Dialog gibt. So trifft zum Beispiel Radec aus Killzone auf Sir Daniel aus Medieval und ermahnt ihn, deutlich zu sprechen, was einer gewissen Komik nicht entbehrt, spricht Sir Daniel doch nur in einer unverständlichen Nuschelsprache. In anderen Konfrontationen stehen sich die Duos Ratchet & Clank und Jak & Dexter gegenüber und bügeln sich entsprechende Sprüche um die Ohren. Übrigens: Für den letzten Endgegner im Solo-Modus mussten die Entwickler wirklich ganz weit unten im Archiv wühlen. Es handelt sich um Polygon Man, der lediglich in Nordamerika für kurze Zeit als Werbemaskottchen der PSOne eingesetzt worden ist.

Zusätzlich zum Arcade-Modus mit den kleinen Geschichtchen, bietet PSASBR Einzelspielern noch einen Herausforderungsmodus, bei dem bestimmte Zielvorgaben in einem Match erreicht werden müssen, um voran zu kommen. Und natürlich darf man sich jederzeit ein schnelles Spiel mit KI-Gegnern erstellen, um direkt und unproblematisch loszuprügeln. Die KI gibt es in drei Geschmacksrichtungen: Held, Legende und All-Star. Während ich mich bei als Held und Legende noch recht einfach durchsetzen konnte, arbeiten die KI auf All-Star schon recht ordentlich und nutzte meine Fehler gnadenlos aus.

Und unter der Haube?

Unter der Haube - und das hat mich wirklich überrascht - steckt in PSASBR ein wirklich gutes Prügel-Spiel mit einigem Tiefgang. Hier scheint man bei Sony Santa Monica davon profitiert zu haben, mit Seth Killian einen ehemaligen Capcom-Experten (Super Street Fighter 4, Marvel vs. Capcom, Street Fighter X Tekken) angeheuert zu haben. Jeder Charakter verfügt neben einem Doppel-Sprung und einem Block über 9 verschiedene Angriffsmoves, die noch teilweise miteinander verkettet werden können. Dabei ist die Art und Weise, in PSASBR zu punkten, sehr interessant und bringt einen Hauch von Taktik in die Partie. Zunächst einmal: Ihr nehmt keinen Schaden. Wichtig ist, dass ihr für erfolgreiche Angriffe eure eigene Energieleiste auffüllt. Ist diese gefüllt, steht euch zunächst ein Spezial-Angriff der Stufe 1 zur Verfügung. Nur mit einem Spezial-Angriff ist es überhaupt möglich, einen Gegner zu besiegen. In der Regel schafft man es mit einem Level-1 Spezial-Move, einen Gegner zu vernichten, der kurz darauf wieder spawnt. Lädt man die Energie-Leiste ein zweites Mal auf, erhält man einen mächtigeren Spezial-Move, der - geschickt eingesetzt - auch gerne mal alle drei Kontrahenten auf einmal ausschaltet. Die Krönung ist allerdings der Level-3 Spezial-Move. Neben einer fulminanten Inszenierung, bietet er eine recht hohe Wahrscheinlichkeit alle Gegner mindestens einmal - wenn nicht sogar öfter - zu treffen.

Neben der eigentlichen Spielmechanik ist auch das Balancing der Charaktere untereinander gut gelungen. Grundsätzlich bewegen und springen alle Figuren gleich schnell und hoch. Aber bei den Moves spielt sich kein Held wie der andere. In unterschiedlichen Verteilungen gibt es Nah- und Fernkampfangriffe, die sich in Auslösezeit, Frequenz und Energie-Aufladung unterscheiden und somit verschiedene Techniken nahelegen.

Als i-Tüpfelchen erscheinen in den Arenen in unregelmäßigen Abständen zusätzliche Items, die aufgenommen werden können. Sei es die Igel-Granate Resistance, der Raketenwerfer aus Killzone oder das Schwert aus Medieval, es wird nie langweilig während so einer Runde.

Cross, Cross, Cross

Cross wird bei Sony zur Zeit groß geschrieben, und PSASBR bringt direkt dreimal Cross mit. Nämlich Cross-Buy (Achtung, aber nur in einer Richtung: Käufer der PS3-Version bekommen die PS Vita Version als Download kostenlos dazu, Käufer der PS Vita Version zahlen dafür 15 EUR weniger), Cross-Save (euer Spielstand wird zwischen PS3 und PS Vita Version synchronisiert) und Cross-Play (PS3-Spieler und PS Vita Spieler können an gemeinsamen Online-Runden teilnehmen).

Technisch hat mich die PS Vita Version des Spiels überzeugt. Ist die Kamera in der Nahaufnahme (wenn alle Spieler an einem Fleck sind), sehen die Modelle sehr schön detailliert aus, zoomt die Kamera weit heraus und tobt sowohl im Vordergrund wie im Hintergrund die Action, ist die Bildwiederholrate bei mir nicht ein einziges mal eingebrochen. Online-Verbindungen klappten auf Anhieb und die Matches liefen augenscheinlich auch lagfrei ab.

Trailer

Christian

Fazit

Meine Befürchtung, PSASBR könne ein uninspirierter Smash Bros. Abklatsch sein, waren rückblickend betrachtet völlig unbegründet. SuperBot Entertainment hat sich nicht auf all den etablierten Marken-Helden ausgeruht, sondern im Unterbau einen ordentlichen Brawler abgeliefert. Reinen Solo-Spielern dürfte es nach Absolvieren aller Arcade-Geschichten etwas an Motivation fehlen, wer sich aber auch online ins Getümmel werfen will, dürfte voll auf seine Kosten kommen. Blitzschnelle Reflexe, eine gute Taktik und der richige Angriffsmove zur rechten Zeit sind nötig, um hier die Oberhand zu behalten. Trotz farbiger Markierung kann es im Chaos schonmal passieren, den eigenen Charakter aus den Augen zu verlieren, aber das gehört bei so einer Gaudi auch mal dazu. Der Titel spielt sich auf der PS Vita übrigens grandios und eignet sich dank relativ kurzer Ladezeiten auch mal für eine schnelle Herausforderungsrunde unterwegs.

Wertung: 8.0

Wir bedanken uns recht herzlich bei Sony Computer Entertainment Deutschland für die freundliche Bereitstellung eines Review-Codes für die PS Vita Version.

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