Review

New Super Mario Bros. U

Entwickler: Nintendo | Genre: Plattformer | Erhältlich für: Wii U

Da sitzen Mario, Peach, Toad und Luigi am Tisch, essen in fröhlicher Runde Kuchen und plötzlich wird – Oh Schreck! – Toad von Bowser entführt. Und weil es niemanden kümmert, wird der Kuchen seelenruhig weiter verputzt und das Spiel endet, bevor es beginnt... Kleiner Spaß. Natürlich wird Prinzessin Peach erneut vom Erzfeind bedrängt, dieses Mal aber nicht entführt, sondern in ihrer Burg belagert, nachdem Mario und seine Freunde unsanft von einem riesigen, an Bowsers Flugschiff montierten, Handschuh hinauskatapultiert wurden. Da bei den Mario Bros. aber die spielerische Stärke mehr zählt als die erzählerische, hoffte ich vorab sowieso vielmehr auf kreative Neuerungen, die den Wii U-Ableger spielenswert machen. Vergebens?

Ich möchte eine Welt…

…eine Welt, in der ich nicht einfach nur gelangweilt die Level abklappere. Ich möchte eine Welt, die das Spiel mit vielen Interaktionen auflockert und so manche Überraschungen parat hält. Und "New Super Mario Bros. U" liefert sie tatsächlich, die Oberwelt, die das Spielgefühl von „Super Mario World“ gekonnt einfängt und in der man auch nach Stunden immer wieder winzige Details entdeckt.

Angefangen mit dem maskierten Dieb Mopsi, der die Toads bestiehlt und dem man in bereits besuchten Stages hinterherjagen kann, um mit Items belohnt zu werden, präsentiert sich Marios neuestes Abenteuer alles andere als monoton. Stößt man jenseits der eigentlichen Herausforderungen etwa auf die Piranha-Pflanze, löst fehlendes Timing ein kurzes Minispiel aus, bei dem es gilt, innerhalb einer kurzen Zeit sämtliche Gegner zu besiegen. Auch müssen im Spielverlauf Schalter ausgelöst oder die richtige Route eingeprägt werden, um ans Ziel zu gelangen. Versteckte Stages sind ebenfalls mit von der Partie. Toll, dass bei „New Super Mario Bros. U“ ab der ersten Sekunde eine frische Brise SNES-Wind weht.

Zwar kein 3D-Mario, aber…

…dennoch kann sich das Leveldesign sehen lassen, das trotz der zweidimensionalen Einschränkungen äußerst kreative Höhepunkte bietet. Hier ein paar persönliche Favoriten: Anspruchsvoll zeigt sich die „Parakäfer-Parade“, bei der beinahe ausnahmslos kleine und große Parakäfer die Stage füllen. Springt man auf die kleinen Käfer, erheben sie sich in die Lüfte, während die großen Exemplare langsam nach unten sinken. Optisch brillant ist „Gemalt von Geisterhand“, inspiriert von Vincent van Goghs schnörkeligem Werk „Sternennacht“, das, abgesehen von vielen dünnen Rohren, eine einzige bodenlose Gefahr darstellt. Auch sehr schön umgesetzt ist der „Wiggler Wahnsinn“, bei dem man giftige Seen auf den Rücken der lustigen Tausendfüßler überquert oder der „Heiße Aufzug“ bei dem eine Plattform eine gewisse Traglast hat und abrupt anhält, wenn diese von herabfallenden Münzen oder Gegnern erreicht wird,  während die Lava stetig aufsteigt. Mit Ausnahme der Unterwasserlevel (ich habe sie noch nie gemocht!), hatte ich mit allen acht Welten sehr großen Spaß. Und wer in allen Stages die drei teils extrem gut versteckten Sternenmünzen entdeckt, der schaltet sogar eine neunte Welt frei.

Was Gegner und Mitstreiter anbelangt, greift „New Super Mario Bros U” tief in die Trickkiste und trumpft mit vielen bekannten Gesichtern auf. Allen voran wird natürlich auf diversen Gumbas und Koopas herumgetrampelt, aber auch mehrere Häuser voller Buu-Huus aufgesucht, deren Lösungswege mitunter wahrlich kniffelig sind. Ansonsten sind da noch unter anderem Ranken-Pflanzen, Kettenhunde, Pokeys,  Kugelwillis und viele, viele weitere. Etwas traurig bin ich allerdings über die Abwesenheit des Shy Guy *schnief*, der sich generell ziemlich rar macht. Unterstützung erfährt Mario von den hilfreichen Toads, aber auch von Yoshi und mehreren Baby-Yoshis, die, je nach Farbgebung, als Luftballon oder Taschenlampe herhalten.

Das Item-Repertoire ist für Fans mit einer einzigen Ausnahme altbekannt. Neu hinzugekommen ist einzig das Flughörnchenkostüm, das wiederum dem Waschbärkostüm sehr ähnelt: Mit ihm kann Mario beim Gleiten einmalig auf Knopfdruck hochfliegen und sich sogar an Wänden festhalten. Spielerisch eine tolle Sache und vor allem sehr hilfreich, wenn man die eine oder andere Sternenmünze erwischen möchte.

Game Over

Woran zuletzt „Super Mario 3D Land“ und „New Super Mario Bros. 2“ am meisten kränkelten, war der viel zu geringe, beinahe lächerliche Schwierigkeitsgrad, bei dem man mit Leichtigkeit eine inflationäre Anzahl von Leben ansammeln konnte. Ich hatte natürlich meine Bedenken, dass der neueste Teil diesen Fehler wiederholt und nach ein paar Levels konnte ich auch schon 20+ Leben mein Eigen nennen. Ich spielte und spielte weiter und plötzlich war ich Game Over. Na nu?! Tatsächlich habe ich den schleichend ansteigenden Schwierigkeitsgrad anfangs gar nicht mitbekommen. Items werden seltener, der Weg bis zum Checkpoint länger und auch die Zeit läuft des Öfteren gen Null. Schön, dass Nintendo sich ein Herz gefasst hat und Peach Errettung wieder eine Verzwickte Angelegenheit geworden ist.

Eine Welle der Empörung: Kein Full-HD

Mir egal, denn auch in 720p HD macht Mario eine sehr gute Figur. Es mag am generell simplen Stil von Nintendos Maskottchen liegen, dass der grafische Fortschritt nicht direkt ins Auge springt und „New Super Mario Bros. U“ wie eine geglätte Variante seiner jüngsten 2D-Ableger ausschaut. Auf dem zweiten Blick machen sich jedoch bildhübsche Hintergründe bemerkbar, die, ebenso wie die Oberwelt, nur so vor Details strotzen. Sei es etwa Peachs Schloss, das von Gebiet zu Gebiet an Größe gewinnt, Sternschnuppen und Bilder  im verschneiten Nachthimmel oder Wolken, die langsam vorbeiziehen. Bewegt und mit mehreren Ebenen, die sich je nach Blickwinkel verändern, laden die Hintergründe ein, einen Moment innezuhalten und sich kurz sattzusehen.

Die Klangkulisse ist ebenfalls auf gewohnt hohem Niveau, wenngleich ein „Mario Galaxy“ mit gänzlich neuen Orchesterstücken eine ganz andere Atmosphäre erzeugen konnte, die auch ein 2D-Mario bereichern würden. Klar, viele Fans werden nur ungern auf die kultige Musik verzichten wollen, ein schöner Kompromiss wäre aber gewesen, zumindest vereinzelten Level oder Welten mit neuen Melodien zu untermalen.

Die Steuerung bedarf nur wenige Worte: Das Wii U Pad dient lediglich als optionaler Bildschirm, so dass wieder die altbekannte, aber über Jahrzehnte perfektioniere Steuerung ihren Einsatz findet und als hervorragende Basis für alle Herausforderung dient. Einzige Ausnahme ist die besagte Plattform, mit der man vor der Lava flieht, die per Neigungssensoren geschwenkt wird. Fühlt sich sehr gut an, mehr davon hätte ich mir gewünscht.

Trailer

Benny

Fazit

„New Super Mario Bros. U“ braucht sich nicht nur nicht vor seinen (3)DS- und Wii-Vorgängern verstecken, für mich ist dieser Titel, trotz allem Sinn für Nostalgie, das beste 2D-Abenteuer, das Mario je bestritten hat. Es verbindet das Gefühl des 92er-Hits „Super Mario World“ mit der Grafik der Gegenwart und vereint viele Kleinigkeiten, die die Serie hervorgebracht hat, mit völlig neuen Ideen – auch wenn diese nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Dennoch hätte mehr drin sein können, z.B. ein neuer/erweiterter Soundtrack oder zumindest mehr Kostüme, die für mehr Abwechslung im Gameplay sorgen.

Wertung: 8.5

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