Review

Star Wars - Erben des Imperiums

Genre: Hörspiel | Entwickler: Wortart as Media GmbH | Format: CD/digital

Es glich einer Erschütterung der Macht - Walt Disney hat „Star Wars“ aufgekauft. Und bei der Bekanntgabe des  $4-Milliarden-Deals wurden im selben Atemzug auch gleich die Episoden VII bis IX angekündigt. Wow, das musste man kurz verdauen. Während aber viele vom Schlimmsten ausgehen, sehe ich das Ganze tatsächlich gelassen und mit gewisser Zuversicht. Denn zum einen nimmt eine offizielle Parodie die Befürchtungen der Fans auf die Schippe, beziehungsweise haben die Walt Disney-Studios jenseits von Mickey & Co. ohnehin mehrfach bewiesen, dass sie die Erwachsenenunterhaltung beherrschen. Zum anderen gibt es bereits jetzt ein beeindruckend inszeniertes „Wiedersehen“ mit Luke Skywalker und seinen Freunden (sowie Feinden), so dass eine mögliche Enttäuschung weniger schwer wiegen dürfte, wenn denn die offizielle Fortsetzung im Jahre 2015 weniger begeistern sollte.

Timothy Zahns Thrawn-Trilogie

Per Zufall stieß ich über das Hörspiel der inoffiziellen dritten Trilogie, als ich mir die Romane von Timothy Zahn erneut zulegen wollte, weil meine Exemplare irgendwo in den Weiten des Dachbodens verloren gegangen sind. Ausverkauft. Die „Thrawn-Trilogie“ ist derzeit in Buchform vergriffen, doch bevor sich Ernüchterung in mir breit machte, sah ich auch schon die erst kürzlich gestartete Hörspielproduktion (August 2012), inszeniert von Oliver Döring, dem verantwortlichen Regisseur der 2000er „John Sinclair“-Reihe. Ich wurde neugierig, denn die Geschichten rund um „John Sinclair“ sind ohnehin sauber produziert und anstelle der herrlich trashigen Handlung des Geisterjägers erwartet den Hörer beim Auftakt der „Thrawn-Trilogie“, „Erben des Imperiums“, eine der spannendsten Erzählung des „Star Wars“-Universums, die meiner Meinung nach die Urtrilogie sogar übertrifft:

Fünf Jahre sind vergangen, seit der Todesstern über den Waldmond Endor vernichtet wurde und das Imperium nach dem Tod des Imperators einer versprengten Truppe gleicht. Beinahe ausgelöscht hat der letzte Großadmiral des Imperators die Überbleibsel der einst gigantischen Flotte imperialer Sternenzerstörer neu formiert: Großadmiral Thrawn, Meistertaktiker, der mit dem einen oder anderen Geniestreich seine beschränkten Mittel mehr als kompensiert und für die neue Republik schon alsbald eine große Bedrohung darstellen wird.

Es war einmal vor langer Zeit…

Als Joachim Kerzel (unter anderem  bekannt als deutscher Synchronsprecher von Jack Nicholson oder Erzähler von „John Sinclair“) ein neues Kapitel von „Krieg der Sterne“ eröffnet und die legendäre Eröffnungsmelodie ertönt, bekam ich prompt Gänsehaut, die solange anhielt, bis die Schrift der Einleitung vor meinem geistigen Auge in der endlosen Galaxie verschwand. Es folgte große Euphorie, denn die Rückseite der CD-Hülle hatte nicht zu viel versprochen: Nachdem Oliver Döring für sein neues Projekt grünes Licht von LucasFilm bekam und somit zeitgleich Zugriff auf die Soundkulisse der Filme und eben jenem Soundtrack erhielt, gelang es ihm, beinahe sämtliche Sprecher der ersten Trilogie zu versammeln. Mit dabei sind selbstredend alle Hauptcharaktere, Luke, Han, Leia. Die deutschen Synchronstimmen des alten C3PO und weiterer bekannter Gesichtern wie Lando Calrissian oder Mon Mothma sind ebenfalls mit von der Partie. Nur vereinzelte Rollen wurden neu vergeben, da beispielsweise der Sprecher von Admiral Ackbar mittlerweile verstorben ist. Insgesamt eine mehr als beachtliche Leistung, vor allem, wenn man bedenkt, dass seit Episode VI mittlerweile fast 30 Jahre vergangen sind.

Ein Traum wird wahr! Die Stimmen der beliebten Helden, die originalen Soundeffekte, die Musikstücke von John Williams, alles Puzzleteile, die die Tonspur eines Blockbusters ergeben, die akustisch perfekt inszeniert wurde. Von Beginn an, und ohne große Mühe, stellt sich großes Kopfkino ein, samt deftiger Überlänge. Denn schon das erste Buch wird vier CDs umfassen, die jeweils eine Spieldauer von etwa einer Stunde bieten (werden). Zwei CDs sind bereits erhältlich. Für das zweite Buch, „Die dunkle Seite der Macht“, wurden fünf CDs angekündigt, so dass sich die gesamte Länge der Handlung auf über 12 Stunden belaufen sollte, wenn denn „Das letzte Kommando“, das letzte Buch der „Thrawn-Trilogie“, ähnlich umfangreich umgesetzt wird – was auch zu erwarten ist. Dank dieser beträchtlichen Spieldauer ist es somit kein Wunder, dass sich die Hörspielumsetzung sehr dicht an der Buchvorlage bewegt und in diesem Format nicht nur einzelne Leser, sondern Gruppen von Hörern in die Handlung eintauchen lässt.

Erscheinen sollen die CDs übrigens im Abstand von jeweils zwei Monaten, CD Nummer drei Ende November 2012.

Wunschlos glücklich?

Fast, denn während ich mir persönlich Walter von Hauff als Sprecher für Großadmiral Thrawn besser hätte vorstellen können, der sehr eindrucksvoll den Weltraumpiraten Harlock mimt, so verstehe ich die Diskrepanz rund um den Einsatz eines Erzählers. Die Hörspielumsetzung der „Thrawn-Trilogie“ verzichtet, mit Ausnahme der Einleitung, (bisher) komplett auf den Erzähler. Vorteil: Der Fluss des cineastischen Erlebnisses wird nicht gestört. Nachteil: Ein paar Details fehlen. So werden unter anderem Äußerlichkeiten neuer Charaktere nicht erwähnt, so auch die blaue Haut und die roten Augen von Großadmiral Thrawn. Lösen könnte man das Problem mit einem umfangreicheren Begleitheft, worin Zeichnungen die winzigen Lücken füllen. Allerdings lässt sich solches Bildmaterial bislang vermissen.
Benny

Fazit

Ich bin wieder zurück, im „Star Wars“-Universum, nachdem meine einstige Begeisterung ziemlich unter der insgesamt eher ernüchternden neuen Trilogie gelitten hatte. Das Vorhaben, die Sprecher der alten Teile zusammenzutrommeln und mit ihnen die wohl beste Buchreihe von „Krieg der Sterne“ derart pompös umzusetzen, ist schlicht genial! Und während ich für diese mehr als gekonnte Umsetzung der „Thrawn-Trilogie“ wirklich dankbar bin, hoffe ich, dass nach der Fertigstellung der Reihe weitere Bücher vertont werden: „Die Hand des Thrawn“, „Schatten des Imperiums“, es gibt so viele gelungene Romane, die ich im Hörbuchformat ohne zu zögern „modernen“ Sci-Fi-Streifen wie „Star Wars“ Episode I bis III vorziehen würde, so dass ich auch ganz entspannt abwarten kann, wie die Walt Disney-Studios ihre neue Marke umsetzen werden. Und wer weiß, vielleicht finden ja nach dem aktuellen Muppets-Film auch endlich wieder charmante Puppen Einkehr ins „Star Wars“-Universum. Man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Wertung: 9.6

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