Review

Sonic & All Stars Racing Transformed

Genre: Funracer | Erhältlich für: X-Box 360, PS3, Wii U | Preis: ca. 36,99 EUR

2010 gelang SEGA die Sensation. Funracer-Debütant „Sonic & SEGA All Stars Racing“ triumphierte über den Altmeister „Mario Kart“. Die Pisten waren abwechslungsreicher und zugleich schöner gestaltet als beim Wii-Rivalen. Das Item-System war weit fairer, so dass fahrerisches Können nicht zwangsläufig bei all dem Chaos unterging. Und den internationalen Duellen standen keine lästigen Freundschaftscodes im Wege. Zwei Jahre später schickt sich nun die Fortsetzung an, an den Überraschungserfolg anzuknüpfen. Nur ein lauwarmer Aufguss? Oder kann SEGA mit kreativen Ideen punkten und den Kartspaß gar revolutionieren?

Mit alten und neue Stars auf Erfolgskurs

Wer den Vorgänger gespielt hat, wird bei der Fahrerwahl das eine oder andere Wiedersehen erleben. Erneut dabei sind natürlich die großen Stars von „Sonic the Hedgehog“: Der blaue Igel selbst, Tails, Amy, Knuckles, Dr. Eggman und Shadow. Weitere bekannte Gesichter sind Ulala (Space Channel 5), AiAi (Super Monkey Ball), Amigo (Samba de Amigo), Beat (Jet Set Radio) und B.D. Joe (Crazy Taxi). Während die anderen Sternchen des Erstlings nicht länger im Fahrerlager vertreten sind, erwarten uns gänzlich neue Gesichter, unter anderem: MeeMee (Super Monkey Ball),  Vyse (Skies of Arcadia) oder Gilius (Golden Axe). Auch zwei Überraschungsgäste bereichern die Pilotenauswahl: Danica Patrick, bislang einzige IndyCar-Siegerin und Ralph aus "Ralph reichts". Schön ist, dass sich für jeden Charakter nun diverse voreingestellte „Setups“ freispielen lassen, mit denen das einst maßgeschneiderte Fahrzeugverhalten der Maskottchen mittlerweile frei bestimmt werden kann – mit einem Fokus beispielsweise auf Handling, Beschleunigung oder Geschwindigkeit.

Die Steuerung beweist abermals ihre erstaunliche Präzision, mit der Drifts sauber von der Hand gehen und dem Spieler Boosts in drei Stufen ermöglichen, je nach Driftdauer. Inspiriert vom großen Rivalen „Mario Kart Wii“ haben nun auch Stunts Einzug ins Spiel gefunden. Mit einem Schwenk des rechten Analogsticks vollführen die Fahrer beim Sprung unterschiedliche Luftrollen, um nach der Landung zu beschleunigen. Toll dabei ist, dass das Wagnis zu mehreren, aneinandergereihten Stunts mit einer höheren Beschleunigung belohnt wird. Scheitert die Stuntkette, verliert man allerdings durch die unsanfte Landung etwas an Boden.

Abwechslungsreicher Einzelspielermodus

Neben den Grand Prix, bei denen erkämpfte Punkte von vier Rennen addiert werden, um den Sieger zu küren, bietet die Welt-Tour, in der die vielen Fahrer freizuspielen sind, ein beeindruckendes Maß an Abwechslung: Bei Drift-Rennen, die sogar mal gehörig Spaß machen,  müssen Kurven perfekt gemeistert werden, um Zeit bis zum nächsten Checkpoint zu sammeln. Ähnlich funktionieren Ringrennen, bei denen bestimmte Routen innerhalb einer vorgegebenen Zeit zurückgelegt werden müssen. Neben weiteren Modi haben mir Turbo- und Kampfrennen am meisten Spaß gemacht. Beim Ersten entfallen sämtliche Items, so dass fahrerische Qualitäten nochmals mehr in den Vordergrund rücken. Beim Letzteren hat jeder Fahrer drei Lebenspunkte, um heil durch das Rennen zu kommen. Eine anspruchsvolle aber überaus motivierende Angelegenheit. Spielspaß garantiert!

Transformation

Die größte Neuerung von „Sonic & All Stars Racing Transformed“ und zugleich ein großer Gewinn für das Genre ist die kreative Verwandlungsfähigkeit der Vehikel, die gänzlich neue Möglichkeiten im Renngeschehen bieten. Butterweich verwandeln sich die Karts in Boote oder Flieger. Zu Wasser werden dank der eher trägen Steuerung Erinnerungen an den Arcade-Klassiker „Hydro Thunder“ wach, während es in luftigen Höhen nochmals waghalsiger zugeht, wenn es gilt, diversen Hindernissen auszuweichen.

Diese erfrischend neue Gameplay-Komponente wurde wunderbar ins Streckendesign eingebunden und teils imposant inszeniert. Sei es ein Ritt auf Lavaströmen (Golden Axe), ein Flug über eine Marineflotte in Gefechtsposition (Afterburner) oder die plötzliche Verwandlung des gesamten Kurses ab einer bestimmten Rennrunde, wenn der Asphalt wegbricht und sich das Fahrzeug aufgrund der plötzlichen Änderung der Rennbedingung entsprechend verwandelt. Eine weitere Augenweide ist eine malerische Weihnachtsstadt, der das Spiel „Billy Hatchter and the Giant Egg“ Modell gestanden hat.

Die insgesamt 20 Rennstrecken (darunter vier klassische) sind erstklassig designt und bieten neben Loopings und einer Vielzahl von Sprungschanzen selbstverständlich alternative Routen und Abkürzungen.

Item-System 2.0

Für kurzzeitige Verwirrung sorgt das komplett umgekrempelte Item-System, wobei die meisten Gegenstände dieselbe Funktion haben, wie ihre alten Pendants und sogar weitere strategische Möglichkeiten bieten. So zum Beispiel die Schneekugeln, die einzeln (nach vorn oder hinten) abgefeuert mehrere Konkurrenten abbremsen oder bei einer Dreiersalve einen einzelnen vereisen und ihm für ein paar Sekunden mehr den Wind aus den Segeln nimmt. Anstelle des blauen Panzers (aus Mario Kart), der generell den erstplatzierten Fahrer aus der Bahn wirft, zeigt der Wespenschwarm den Mut zur Fairness. Dieser fegt zwar ebenfalls zum Erstplatzierten, kann aber mit fahrerischem Können ausgewichen werden. Das Item-System sorgt für jede Menge Spaß, schafft Chancengleichheiten bei Fahrern unterschiedlichen Könnens, ohne jedoch das Renngeschehen hoffnungslos ins Chaos zu stürzen.
Benny

Fazit

Tolles Item-System, bezauberndes Streckendesign, beeindruckende Transformationen. Ich will nicht um den heißen Brei reden, auch wenn ich es nicht erwartet hätte, macht „Sonic & All Stars Racing Transformed“ nochmals einen gewaltigen Schritt nach vorn und belegt für mich Platz 1 aller Funracer. Wird schwer für Mario, auf der Wii U gleichzuziehen. Aber bin ich wunschlos glücklich? Nein. Ich vermisse die wenigen Charaktere, die den Sprung in die Fortsetzung nicht geschafft haben, aber hoffentlich zumindest per DLC nachgeliefert werden – allen voran die Bonanza Bros. Und weil ich bei der herausragenden Streckenqualität nicht den Hals voll genug bekommen kann, würde ich mich freuen, wenn weitere Strecken den Weg in die Online-Stores finden. Auch wegen des geringen Preises von unter 40 Euro kann ich „Sonic & All Stars Racing Transformed“ jeden Funracer-Begeisterten uneingeschränkt empfehlen.

Wertung: 9.1

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