Review

Metal Gear Solid: HD Collection

Genre: Stealth/Action | Erhältlich für: PlayStation 3, X-Box 360, PS Vita | Preis: ca. 30 - 50 Euro

Metal Gear Solid... als ich meinen ersten Kontakt mit der Serie damals hatte, habe ich den zweiten Teil nur bei einem Kumpel kennengelernt. So richtig verstanden, worum es da ging, habe ich auf Anhieb nicht und in Folge dessen war ich leicht abgeschreckt, bis ich immer wieder auf große Lobeshymnen im Internet gestoßen bin. Also ich dann spontan zum vierten Teil gegriffen habe, fand ich endlich einen Einstieg in dieses große Epos und war schwer beeindruckt von Hideo Kojimas eigenwilligen Erzähl-Stils. Aber viele Fragen blieben offen, da man bei so einem späten Einstieg auf zig Charaktere trifft und dank diverser Wikis nur wenige Lücken füllen kann. Deshalb kam ich via PSN dann doch noch einmal zum ersten Teil und konnte so ein wenig reinfinden.

In den letzten zwei Wochen bekamen wir dann netterweise Teil 2 und 3 aus der HD Collection als Testmuster und für mich somit eine weitere Möglichkeit, die Anfänge der Serie nachzuholen.

Kurzer Überblick bzw. warum Ihr MGS spielen müsst

Die Stärken der Serie lassen sich kurz in zwei Richtungen einordnen: Präsentation und Gameplay.

Mal die 2D-Teile aussen vor gelassen, brachte bereits Metal Gear Solid damals auf der PlayStation die Erzählweise in Videospielen stark in Richtung Film voran. Cineastische Zwischensequenzen, ellenlange Dialoge, unter anderem durch die berühmten Gespräche per Funk und eine sehr ausgeklügelte, von Agentenfilmen beeinflusste Geschichte schafften über die letzten Jahre ein großes Metal Gear Solid-Universum, welches sich in so einem kurzen Artikel nicht einfach wiedergeben kann. Selbst der Macher muss sich in bis zu 75 Minuten (!) langen Zwischensequenzen Zeit nehmen, um Details zu erzählen. Dabei nehmen die Situationen und Gespräche teilweise sehr abstruse Formen an. Und etwas, was die Serie uns durchgehend beschert hat, sind wohl die gut durchdachten und kreativen, wie teilweise auch tragischen Endgegner. Wer vorhat, sich als Neueinsteiger in die Spielewelt einzulassen, wird viel Zeit für den Umfang mitbringen müssen. Und Geduld – wer sonst schon in Spielen Zwischensequenzen als etwas nervig empfindet, wird in den verschiedenen Metal Gear Solid Spielen auf die größte Herausforderung treffen.

Das Gameplay besticht mit einer großen Freiheit und starker Kontrolle der Hauptfiguren, welche der Spieler mit einer teils sehr komplexen und eigenwilligen Steuerung bezahlt, welche erst erlernt werden möchte und auch im Laufe der verschiedenen Teile erst richtig Form annehmen konnte. So hat man noch in Teil 1 und 2 leider nur eine sehr kleine Sichtreichweite aufgrund der fehlenden frei bewegbaren Kamera. Teil 3, also "Snake Eater" bekam dann in einer Neuauflage das erste Mal eine freie Kamera in der "Metal Gear Solid"-Reihe. Einige sprechen davon, dass der Anspruch dadurch auch etwas gesunken sei, aber mir kam das sehr entgegen.

Jedenfalls machte diese Steuerung in Verbindung mit der Erfindung des Stealth-Action Genre "Metal Gear Solid" zu einem Pionier, welcher heutzutage unzählige Spiele beeinflusst hat.

Zwischen "Sons of Liberty" und "Snake Eater"

Willkommen in der Welt der verückten und abstrusten Fiktion aus dem Kopf von Herrn Kojima. Wenn man die Geschichte kurz anreißen möchte, so lässt sich im groben zusammenfassen, dass es sich meist immer um große militärische Maschinen (Metal Gear) handelt, welche von der "Fox Einheit" gestoppt werden müssen. Dabei geht der Agent "Snake" als Ein-Mann Armee vor und infiltriert militärische Stützpunkte still und leise wie ein Geist. Begleitet wird er via Funk meist von einem Vorgesetzten und diversen Experten, die nicht nur eine Hilfestellung bieten, sondern auch mehr Informationen über den/die Protagonisten und den Plot verraten. Nicht selten geht es dabei um alles, und so muss man z.B. mal den amerikanischen Präsidenten retten oder einen Weltkrieg verändern. Dabei bekommt man die volle Bandbreite an unterschiedlichen Passagen: Epische, traurige, witzige, spannende und sexy Situationen bieten eine sehr abwechslungsreiche Präsentation, die ihresgleichen sucht.

Nach den Ereignissen aus dem ersten (3D-) Teil, wird der Spieler nach kurzer Einführung als Snake in "Sons of Liberty" in die Rolle des jungen androgynen Raiden gesteckt, was bis heute einige Fans irritiert abgeschreckt hat. Das Spiel findet dann überwiegend auf einer Bohrinsel ab. In "Snake Eater" dagegen spielt man die Anfänge in der Vergangenheit und lernt den originalen "Naked Snake" kennen und liefert sich einen Überlebenskampf im Dschungel ab. In letzterem schafft Kojima wohl auch eins der besten Enden der Videospiel-Geschichte... allein das darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen.

Eine der besten Dinge an den "Metal Gear Solid"-Spielen sind wohl die kleinen Eastern Eggs und besonderen Geheimnisse: Ob sich Snake nun übergeben muss, weil man ihn im Menü zu lange gedreht hat, die Opening Sequenz interaktiv beeinflusst, Geister versteckt wurden, ein Endboss einfach an Altersschwäche stirbt, wenn man sich ewig Zeit lässt, ... findet es besser selber heraus, denn die Liste ist lang!

Screenshots

Besondere Features in der HD Collection

Zwar haben wir nicht die komplette HD Collection bekommen, allerdings zeigen bereits "Sons of Liberty" und "Snake Eater", was für einen genialen Umfang uns hier Konami auf einer einzigen Disc serviert. Wenn ich mir noch vorstelle, die beiden alten Klassiker und noch das PSP Spiel "MGS: Peace Walker" mit in der Collection zu bekommen, so kann man hier wahrscheinlich von einem sehr fairen Paket sprechen, bei dem der geneigte Spieler locker über die 100 Stunden Spielzeit bekommt. Aus ästhetischer Sicht vermisse ich allerdings den ersten Teil in der Collection, wie schade, dass sie es weggelassen haben. Wahrscheinlich wäre die Portierung in HD nicht ohne erheblichen Aufwand möglich gewesen?

Gerade als schon lange überlegender Neueinsteiger hat man hier eigentlich keinen Grund mehr, es nicht mal auszuprobieren. Die 3D-Spiele kommen heute in sehr flüssiger 720p-Auflösung daher und wurden für den heimischen Dolby Digital Surround-Sound noch einmal aufbereitet. Wie bei allen HD Collections winken hier auch wieder Trophies im PSN. Technisch also im großen und ganzen eigentlich schon sehr solide, auch wenn es in Snake Eater vereinzelnd zu Rucklern in den Zwischensequenzen kommt. Es gibt auch die Möglichkeit Spielstände zwischen PS3 und PS Vita zu synchronisieren, allerdings konnte ich das leider nicht testen. Bei der MGS HD-Collection hätte ich mir zusätzlich eigentlich noch die CrossBuy-Funktion gewünscht.

Musik und Sprachausgabe

Eigentlich braucht man das ja fast schon nicht mehr erwähnen, aber Metal Gear Solid hat seine unverkennbaren Art nicht allein der richtigen Ausführung von Gameplay und Präsentation zu verdanken: Der Sprecher von Snake (David Hayter), welcher dem sehr abgebrühten Agenten seine Stimme verlieh, schaffte durch seine Performance ein vielleicht nicht gerade Oscar-reifes Spiel, aber einen der berühmtesten Videospiel-Helden. Dazu gesellt sich der starke Soundtrack, der unter anderem vom "The Rock" und "Armageddon" Komponisten Harry Gregson-Williams entwickelt wurde.

Trailer

Piet

Fazit

Nun, was bleibt mir da am Ende noch groß zu sagen? Wer bis sich bis hier hin durchgelesen hat, wird ohnehin genug Interesse für einen Kauf haben, oder es bereits besitzen. Die Collection wird wohl die ultimative Version der Spiele sein, wer da nicht zugreift hat höchstens einfach keine Zeit. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung, auch wenn ich selbst meine Anlaufschwierigkeiten mit der Steuerung hatte. Wer nur Zeit für einen der Teile hat, dem empfehle ich jedenfalls mehr zum 3. Teil zu greifen, da er nicht nur von der Steuerung wesentlich besser gelungen ist, sondern als Prequel nicht all zu viele Kenntnisse voraussetzt. Wer die Sammlung dann noch komplett haben will, sollte auch über die PSN Version des ersten Teils nachdenken, aber bitte nicht aus dem deutschen Store, außer Ihr wollt eine der schlechtesten Synchros der deutschen Videospiel-Geschichte hören.

Wertung: 8.9

Praktische Link-Tipps

Wir bedanken uns recht herzlich bei Konami Digital Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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