Review

K-On! (Staffel 1 & 2)

Genre: Slice-of-Life, Musik, Moe | FSK: Ab 0 Jahren | Vertrieben durch: KAZÉ Anime

Der Herbst hat begonnen und die Abstinenz der warme Sonnenstrahlen lädt finstere Gedanken ein. Von der Steuererklärung, bis zu sich einschleichende Pfunden über grausam dunkle Morgen, an denen man am liebsten im Bett verbleiben würde... Da die Gedankenwelt im Kopf manchmal einem vor sich hin köchelnden Eintopf gleicht, muss man die Balance zwischen Sorgen und positiven Gedanken gut abschmecken. Wie wäre es mit zwei Packungen K-ON! für's Gemüt? Die eigenwillig niedliche und positive Mischung der ersten beiden Staffeln könnte für Anime-Liebhaber, die bisher noch einen großen Bogen um die Serie gemacht haben, der neue Zucker im Tee werden.

Weich, warm und süß

Japanische Schulmädchen in Uniformen, verbringen die meiste Zeit ihres Alltags in der Schule und laden mit großen Kulleraugen und kindlichen Stimmen dazu ein, eine Weile mit ihnen im Proberaum zu verbringen und bei Tee und Kuchen seichten Humor zu genießen. Klingt schon so richtig nach typischem Klischee-Anime? Na und ob! Na ja, immerhin bleiben uns unendliche Kämpfe und große Monster erspart.

Warum sollte man jetzt K-ON! eigentlich anschauen? Nun, ich hätte mich nicht hingesetzt und für Euch eine Vorstellung geschrieben, wenn ich nicht beide Staffeln verschlungen hätte. Es gibt sicherlich viele gute Gründe: Sucht Ihr eine schöne Serie zum Abschalten nach dem Feierabend? Oder Eine zum gut nebenbei Schauen, wo man auch zwischendurch was verpassen kann? Oder wollt Ihr eurer Tochter eine nette Serie schenken?

Geschichten nach der Schule

Die Serie ist sicherlich nicht ganz unumstritten, was die Handlung angeht. Eigentlich ist im Grunde bei den Mädels nicht wirklich viel los: Weder ein großes Drama, noch irgendwelche großen Herausforderungen, geschweige denn irgendwelche schnellen Action-Passagen erwarten Euch hier, sondern nur eines: Gemütliches Beisammensein von Freundinnen, die den ganzen lieben Tag nichts Anderes zu tun haben als sich mit niedlichen Dingen beschäftigt und dabei selbst ebenso niedlich zu sein. Sei es die tollpatschige niedliche Yui, die schüchtern niedliche Mio, die aufbrausend niedliche  Ritsu, die weltfremd niedliche Tsumugi oder später die junge niedliche Azusa.

Ihre Erlebnisse drehen sich Slice-of-Life-typisch grundsätzlich um die kleinen Dinge im Leben: In einer Episode arbeitet die Band zusammen, um für Yui ihre Wunschgitarre zu kaufen, in einer anderen räumen sie einfach nur ihren Proberaum auf, oder sie unternehmen gemeinsam einen kleinen Ausflug, genießen die Weihnachtszeit zusammen, besuchen zum ersten Mal ein Festival, schauen in die finstere Vergangenheit ihrer Lehrerin, sammeln erste Bühnen-Erfahrung in der Schule, suchen in witzigen Tierkostümen neue Bandmitglieder oder zeigen Tsugumi, welche aus einem reichen Haus kommt, einen stinknormalen Baumarkt, der sie gänzlich fasziniert. Es liegt in der Natur des Genres, dass da nicht wirklich Spannung aufkommt. Und genau das macht mir an der Serie als Konter-Programm zum typischen Nervenkitzel und Abenteuer im TV soviel Spaß!

Doch zwischendurch stellt sich mir doch immer wieder eine Frage: Wo um alles in der Welt sind bei K-ON! die männlichen Wesen gelandet?

Eindrücke

Wunderschöne Animationen, schräge Musik und brauchbare Synchro

Studio Kyōto Animation hat uns bereits in der Vergangenheit mit den Serien "Die Melancholie der Haruhi Suzumiya" oder "Lucky Star" von ihrem handwerklichen Können überzeugt. Auch bei K-ON! zeigen die talentierten Zeichner und Animatoren, was sie drauf haben. Die Hintergründe zeigen zwar wenig Ungewöhnliches, wurden aber sehr realistisch und solide umgesetzt. Das Charakterdesign besticht durch einen modernen lockeren Anime-Stil, welcher übertriebene Proportionen wie z.B. den Kolleginnen von CLAMP vermeidet, sich aber nicht zwingend steif an den Naturalismus hält, sondern gerade Extremitäten auch gerne mal spitz verjüngt und damit einen eigenen Charme entwickelt. Die Bewegungen zeichnen sich auch durch eine durchgehend hohe Qualität aus, welche sich nur bei den Musik-Instrumenten einiger 3D-Unterstützung bedient. Insgesamt vermisse ich hier eigentlich schmerzlich einen Blu-Ray-Release in Deutschland, weil die Serie im Ausland in HD erschienen ist. Ich weiß nicht genau, warum wir hier auf die hochauflösenden Bilder verzichten müssen, aber es ärgert einen schon.

Der Soundtrack wird mit Sicherheit gehörig die Geschmäcker spalten: Mit einem Spagat zwischen Fahrstuhlmusik und seichtem Pop trällert es in der Serie durchgehend vor sich hin und baut eine harmonische Gute-Laune-Atmosphäre auf. Herausstechen tun dann natürlich die Popsongs der Band, welche nach astreiner J-Pop Manier aus dem Vollen der japanisch schrägen Art schöpfen. Den Gipfel bieten dann wohl wahrscheinlich das anfängliche Opening, welches an Lieder erinnert, welche man früher bei leichten Vorwärtsspulen einer Musik-Kassette herausbekam. Leicht zu hassen, aber scheinbar auch mächtig erfolgreich: Der Song sprang natürlich in Japan in der Startwoche an die Spitze der Charts. Die Texte der Lieder sind im Übrigen natürlich auch wieder total niedlich, wie halt so ziemlich alles in dieser Serie.

(Fun Fact: Als großer Susumu Hirasawa-Fan ist mir bei der ganzen Nummer nicht entgangen, dass die Namens-Verwandschaft mit Yui Hirasawa nicht von ungefähr kommt: Hinter den Familiennamen der Bandmitglieder stecken nämlich Anspielungen auf die Namen der Musiker hinter Hirasawas New Wave-Band "P-Model"...)

Leidiges Thema ist wohl mal wieder die Synchro. In vielen Anime-Serien haben wir in Deutschland bisher leider oft das Nachsehen gehabt und auch wenn es mit der Zeit immer besser wird, so gibt es bei Puristen und Anime-Liebhabern generell immer noch viele, die mit unserem Markt auf Kriegsfuß stehen. Ich selbst denke zwar, dass die Synchros meist hinterher hängen, kann mich aber oft damit anfreunden, durch eine deutsche Tonspur eine Serie noch einmal anders zu erleben und mehr Auswahl zu haben. Gerade im Fall von K-ON! haben wir es hier mit übertrieben kindlichen und niedlichen Frauenstimmchen aus Japan zu tun, welche ich zwar technisch stark finde, aber mir dann doch zu sehr das Gefühl vermitteln, Kleinkindern zuzuhören. Was mir bei der Vorstellung, dass die Nachbarn das hören, schon ein kleines Schamgefühl entfacht. Die deutsche Synchro von K-ON! gehört definitiv zum brauchbaren Bereich und bringt die Serie für mich auch auf ein normaleres Niveau und kommt sogar ohne jegliche Fehlgriffe aus, vor allem weil sie nicht versuchen, die japanischen Vorbilder zu imitieren. Allerdings irritiert hier und da ein Seufzer im O-Ton - vor allem, wenn man die Serie in beiden Sprachen kennt.

Trailer

Piet

Fazit

Zum Kaufbefehl reicht es nicht, da diese Serie bei der Allgemeinheit doch noch zu viele Hürden nehmen muss. Seien es die Anime-typischen Vorurteile, die fehlende Action, der sehr langsame Fortschritt der Geschichte, die übertriebene NIEDLICHKEIT... aber Animations-Feinschmecker, die gerne ihre Sammlung zu Hause abwechslungsreich erweitern wollen, bekommen mit "K-ON!" einen gelungenen Anime, der, obwohl er für jüngere Mädchen gemacht scheint, ziemlich viele Geldbörsen von älteren Otakus leert (allein das Merchandising...). So zuckersüß, dass man es aber in einer guten Dosierung genießen sollte, sonst werdet Ihr nicht einschlafen können...

Nach den zwei Staffeln freue ich mich nun schon auf den Kinofilm und bin gespannt, was sich das Studio für die Leinwand-Fassung hat einfallen lassen.

Wertung: Niedliche 8.0

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