Review

Hell Yeah! Der Zorn des toten Karnickels

Entwickler: Arkedo Studio | Genre: Platformer, Jump'n'Gun | Erhältlich für: PC, PSN, XBLA Preis: €13

In Hell Yeah! schlüpft Ihr in die Rolle von Ash, des Titel gebenden toten Karnickels. Äußerst gesellschaftskritisch erzählt Euch das Spiel, dass dezent prekäre Bilder in einer gesanglich unterlegten Badesession mit Quietsche-Entchen ins Internet gelangt sind. Also in den Bereich des Internets, der aus der Unterwelt aus erreichbar ist. Mit Schrecken stellt Ihr fest, dass Euer Foto binnen kurzer Zeit 100 Views aufweist. Die Mission ist klar: Jede Person besitzt Rechte am eigenen Bild. Ash muss einen Anwalt finden, der seine Rechte vor einem Gericht durchsetzt und die Täter... SO EIN QUATSCH! Um die weitere Verbreitung von Spot und Häme zu stoppen, müssen die 100 Bildbetrachter einfach umgebracht werden. Challenge accepted!

In guter old-schooliger Jump'n'Gun-Manier gilt es abwechlungsreiche Levels in verschiedenen unterweltlichen Themenbereichen nach eben jenen 100 Monstern zu durchforsten, die Euch beim Baden bis auf die Knochen gucken konnten. Dabei wird Ash recht früh auf seiner Mission mit einer fahrbaren Kreissäge und einer Feuerwaffe ausgestattet. Erstere erlaubt es ihm, sich durch bestimmte Wände hindurch zu graben oder auch spektakuläre Schönheitskorrekturen an Gegnern vorzunehmen. Letztere ist unverzichtbar, um bestimmtes Monsterviehzeugs auf Distanz zu halten. Denn obwohl Ash bereits tot ist, kann er durchaus nochmals hops gehen und Euch an den jeweils letzten - mitunter weiter entfernten - Checkpoint zurück teleportieren.

Schräg, schräger, Hell Yeah!

Der 2D-Höllentripp ist in kunterbunter Comic-Optik gehalten, die sich absolut stimmig mit dem schrägen Humor des Titels verträgt. Jedes der 100 zur Strecke zu bringenden Monster muss nicht nur im Level selber besiegt werden, sondern muss via Mini-Spiel auf eine besonders hingebungsvolle Art und Weise dahingemetzelt werden. Diese Mini-Spiele sind im Stil von Wario Ware oder Frobisher Says gehalten. Binnen weniger Sekunden müsst Ihr die Euch gestellte Aufgabe nicht nur verstehen, sondern auch korrekt ausführen. Das kann einmal bedeuten, einen angegebenen Knopf möglichst oft in kurzer Zeit zu drücken, eine Abfolge von bestimmten Knöpfen zu drücken, Quiz-Fragen zu beantworten oder den richtigen Zeitpunkt für einen Knopf-Druck abzuwarten. Versagt Ihr in diesem Finish-Move-Mini-Spiel, verpasst Euch das betreffende Monster einen lebensenergieraubenden Schlag und Ihr dürft es erneut erstmal im Level besiegen, um das Mini-Spiel nochmals zu starten. Absolviert Ihr das Minispiel erfolgreich, werdet Ihr mit einer an Comicblut und -schleim reichhaltigen und humorigen Hinrichtung des entsprechenden Monsters belohnt. Ich persönlich glaube ja, der Titel hieß zunächst nur "Der Zorn des toten Karnickels". Weil aber alle Testpersonen nach erfolgreicher Niederstreckung eines Monsters laut "SCHEISSE JA!" brüllen mussten, kam es zu dem Namensprefix "Hell Yeah!".

Kleiner Einschub für hier anwesende Kinder: Die Monster sind nicht wirklich tot danach. Sie dürfen für Euch auf einer speziellen Insel zur Zwangsarbeit eingeteilt werden, um Ash mit Bonus-Items und Power-Ups zu versorgen. Ebenso dürfen die Monster Geld verdienen, dass sie Ash schicken, damit dieser in Ingame-Shops Upgrades für seine Kreissäge und Waffen kaufen kann. Passend zum restlichen schrägen Humor darf das Kreissägen-Fahrzeug auch durch den Erwerb von Skins optisch den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Statts Säge lieber einen Donut durch's Level fahren? Gerne doch. Auch Ashs Kopfverkleidung darf durch dutzende Accessoires aufgehübscht werden.

Spielerisch erinnerte mich Hell Yeah! streckenweise an die alten 2D-Metroids. Sitzt Ash auf seiner Kreissäge, kann er recht hohe Sprünge gefolgt von einer kurzen Flugphase absolvieren. Durch spezielles Material kann er sich in alle Richtungen (also auch aufwärts) graben. Neben der Säge-Funktion hat Ash noch eine Primär-Waffe ausgerüstet, die entweder Raketen, Granaten oder andere Projektile verschießt. Während das erste Level noch einem Spaziergang gleicht und viele Dinge nebenbei erklärt, steigt der Schwierigkeitsgrad und Anspruch im zweiten Level schon deutlich. Im weiteren Verlauf werden euch sogar fahrbarer Untersatz und Waffe vorübergehend wieder weggenommen, wodurch die einzige Möglichkeit, Monster zu besiegen, darin besteht, die Umwelt und andere Gegner einzubeziehen. Neben plumper Baller-Action ist hier auch Köpfchen gefragt. Radar und Mini-Map helfen bei der Orientierung in den recht weitläufigen Levels.

Trailer

Christian

Fazit

Alles in allem präsentierte sich mir "Hell Yeah! Der Zorn des toten Karnickels" sehr abwechslungsreich und humorvoll. Sowohl die Hintergrundgeschichte, als auch Charaktere, Dialoge, Bosskämpfe und Gegenstände im Shop sind so abgefahren schräg, dass ich eine Zeit lang aus dem Grinsen nicht mehr rauskam. Spätestens ab Level 4 zieht der Schwierigkeitsgrad doch recht ordentlich an, so dass es auch aus spielmechanischer Sicht eine gute Herausforderung darstellt. Da ich im Vorfeld von Hell Yeah! weder etwas gehört noch gesehen hatte, hat mich das 2D-metroideske Gameplay mit den eingestreuten Wario Ware Elementen im Comic-Splatter-Gewandt positiv überrascht.

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