Review

Berserk - Das goldene Zeitalter (2012)

Genre: Dark Fantasy | FSK: 16 | Erhältlich: DVD/Blu-Ray

Inspiriert von der Guin Saga, versucht Kentaro Miura seit Jahrzehnten den längsten Manga zu toppen. Dabei überzeugt sein Werk "Berserk", mit 33 Millionen(!) verkauften Manga-Büchern Fans auf der ganzen Welt. Der Autor und Zeichner hat sich jahrelang geweigert, sein Dark Fantasy Epos nach der letzten Anime-Umsetzung aus den 90ern, mit der er scheinbar unzufrieden war, verfilmen zu lassen.

Nun hat sich das Studio 4°C, welche man z.B. von "Mindgame" kennt, dem großen Projekt widmen dürfen, weil sie sich mit einem Prototypen bei ihm beworben haben. Eine Erleichterung für alle Fans, denn seit Jahren schmachten die Leser und die Fans der alten Serie nach einer Fortsetzung in animierter Form. Geplant sind zunächst drei erste Filme, welche innerhalb eines Jahres in die japanischen Kinos gelangen sollen. Der erste davon kann nun endlich auch in Deutschland erworben werden. Als Fan habe ich mich mit schweißnassen Händen und Gänsehaut auf's Sofa gesetzt und den Film gleich mehrfach geschaut, um hier einigermaßen objektiv urteilen zu können.

Die Geschichte um Guts, Griffith und Kjaskar

Guts ist ein junger Söldner und Einzelgänger, der ziemlich effektiv mit seinem viel zu großen Schwert durch mittelalterliche Schlachten zieht, als er furchtlos dem stark gepanzerten Bazuso gegenüber steht. Sein Duell fällt den Kriegern auf dem Schlachtfeld auf, unter ihnen auch  "Die Falken" mitsamt ihrem androgynen Anführer Griffith.

Als Guts später noch einmal einzeln auf die Bande trifft, schließt er sich nach einiger Überzeugungsarbeit der Truppe an, und bestreitet an der Seite von Griffith und der aufbrausenden Kommandantin Kjaskar einige Schlachten, welche der Bande einen großen Ruhm verleiten und Griffith mit dem König von Midland in Kontakt bringen. Da die Söldner allerdings nicht als Adelige geboren wurde, herrscht natürlich viel Missgunst in den Reihen des Königs und so wird Guts von Griffith darum gebeten Maßnahmen zu ergreifen um sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren...

Ein schauriges Treffen auf ZODD, den unsterblichen Krieger, wirft zudem viele Fragen auf, welche einen kleinen Einblick in eine düstere Zukunft offenbaren und die Freundschaft zwischen den Guts und seinem Anführer hinterfragt.

Berserk ist nun endlich da!

Neben dem, meiner Meinung nach, fantastischen Vorspann mit der Musik von Susumu Hirasawa, trifft man im Film auf ein recht anspruchsvolles Figuren-Design, wunderschön detaillierte Hintergründe, ungewöhnliche Kamerafahrten und animierte Massenschlachten mit vielen Menschen. Der Stil von Berserk fällt zwar, Anime-typisch, nicht so übertrieben detailliert aus wie die Manga-Vorlage, für einen Film haben die Figuren allerdings schon viele Feinheiten, vor allem was ihre Rüstungen betrifft.

Ein recht amtlicher Soundtrack (von Shiro Sagisu, bekannt durch "Neon Genesis Evangelion") unterstreicht die Atmosphäre recht passend und das Sound-Design hängt den insgesamt hochwertigen Bildern kaum hinterher: Schwere Gewichte und Metallklappern und Klirren verleiten der Welt von Miura eine gute Glaubwürdigkeit. Der Gewaltgrad erreicht zwar nicht die Ausmaße des Manga, aber wer sich mit brutalen Kämpfen schwer tut, wird in Berserk vielleicht nicht so ganz seinen Spaß finden. Es geht schon einmal sehr grob zu.

3DCG - Eine neue Technik spart Arbeit, spaltet Meinungen

Schon einige Anime haben versucht, mit Hilfe des Computers 3D-Elemente einzubinden, doch bisher wirkten die fremden Elemente fast immer fehl am Platz. Studio 4°C hat eigens für diese Trilogie eine neue Technik entwickelt, mit der 3D und handgezeichnete Grafiken sauber zusammenwirken sollen – dabei werden die 3D-Elemente, synchron mit den Handzeichnungen, mit 12 Bildern die Sekunde abgespielt und Gesichter werden zum Großteil alle handgezeichnet, womit man weniger das Gefühl bekommen soll animierten Puppen zuzusehen.

Insgesamt führt diese neue Technik noch zu unterschiedlich guten und teilweise etwas steifen Ergebnissen. Schaut man sich an, wie viele Rüstungen im Film auftauchen, machte es schon Sinn, diese Technik zu benutzen. Allerdings hätten einige Stellen wahrscheinlich ohne besser ausgesehen, so bekommen die Begegnung mit ZODD und seinem gerenderten Fell oder  einige dann doch wieder in 3D angelegte Gesichter einen sehr steifen und nicht ganz passenden Look.

Der 3D Einsatz wird definitiv nicht jedem schmecken und die Geschmäcker spalten, ich für meinen Teil bin am Ende doch sehr dankbar für sehr dynamische Kamerafahrten wie ein Ritt aus der Verfolger-Perspektive, realistisch flatternde Mäntel oder geschickt eingesetzte Wassereffekte am Fluss.

Lobend will ich noch die guten Kampf-Animationen ansprechen. Man merkt es dem Film wirklich an, dass europäische Schwertkämpfer angeheuert wurden, um die westliche Schwerttechnik und ihre Bewegungen einzufangen. Japaner wissen zu gut, wie es ausschaut, wenn zum Beispiel Amerikaner Ninja oder Samurai-Filme drehen und es ein wenig vermasseln, überzeugende Kämpfe darzustellen. Zudem sind die Animationen dermaßen flüssig und die Figuren und Rüstungen voller Gewicht, dass der alte Anime zu Berserk dagegen fast schon wie eine Slideshow wirkt.

Die Synchronisation

...immer wieder einen eigenen Absatz wert bei Anime! Von Universum Film ist man ja mittlerweile ein hohes Maß an Qualität in den Synchros gewohnt. Das japanische Original schafft es zwar gefühlt die Stimmen ein wenig realistischer in die Szenen zu integrieren und Guts Sprecher ist dort genial getroffen, aber es trennen sich hier keine Welten zur deutschen Version. Mit Guts Stimme kann man gut leben, auch wenn der Sprecher kräftiger sein könnte, Griffith Stimme ist wiederum ideal gewählt. Einzig Kjaskars Stimme erscheint mir handwerklich nicht auf dem selben Niveau der anderen Stimmen und wirkt stellenweise nicht überzeugend geschauspielert, aber Berserk kann man insgesamt gut auf Deutsch gucken und genießen. Wer sich da immer noch dagegen sträubt, hat auf die japanische Tonspur mit auf der DVD/Blu-Ray zur Auswahl.

Was mir nicht so gefallen hat

Als Leser der Manga kennt man natürlich wesentlich mehr Details über die Geburt und Kindheit von Guts, weswegen man besser versteht, wieso er auf seine Art mit anderen Menschen interagiert. Die unterschiedlichen Charaktere der Falken werden auch nur bisher angerissen. Würde ich die Buch-Vorlage nicht kennen, könnte ich allerdings etwas irritiert sein, da man erstmal mehr Fragen als Antworten im ersten Teil bekommt. Da der Film keine 80 Minuten lang ist, wurden leider viele Dinge eingespart. Es kann aber theoretisch sein, dass wir in den nachfolgenden Filmen etwas nachgereicht bekommen. Die kurze Spieldauer bleibt am Ende aber mein größter Kritikpunkt, allerdings konnte ich bereits nachlesen, dass der Regisseur auf die Kritik der Zuschauer eingegangen ist und dass die nachfolgenden beiden Filme bereits länger ausgefallen sind.

Trailer

Piet

Fazit

"Die Bücher sind besser". Dieser Spruch,... ein Klassiker! Allerdings bietet "Berserk - Das goldene Zeitalter" einen ziemlich guten Einstieg für Neulinge, welche noch damit zögern, sich auf die Serie einzulassen oder nicht gerne lesen. Ich würde sogar eher sagen, dass es sich lohnt, beide Medien zu genießen: Die lange Reise in Buchform und die hübsche, kurzweilige Film-Version. Als Fan wird man hier absolut beides haben wollen.

Ich bin auch schon sehr ungeduldig, was die Fortsetzung angeht. Die ersten drei Berserk-Filme erscheinen ja in einem ungewöhnlich kurzen Zeitraum, was mich natürlich freut. Wer keine Eile hat, dem empfehle ich vielleicht sogar bis zum 3. Teil zu warten um dann den perfekten Einstieg ins Berserk-Universum in einem Rutsch zu genießen, denn nach dem 3. Film wird es "erst richtig losgehen" mit den wichtigsten Dingen der Serie.

Wäre der Film doch nur etwas länger ausgefallen, hätte der Film hier einen Ritterschlag von mir bekommen. Nun hoffe ich am Ende der Trilogie der Film-Serie sagen zu können, dass es sich bei Berserks neuer Trilogie um DAS Must-Have für Freunde der Dark Fantasy handelt, so wie es für meine Begriffe der Manga tut.

Wertung: 8.8

Momentan könnt Ihr die streng limitierte "Limited Edition" als DVD oder Blu-Ray für stolze 43,99 Euro erwerben. Wie uns von Universum Film gesagt wurde, wird es eine weitere Fassung zu einem günstigeren Preis im nächsten Jahr geben, allerdings steht weder das genaue Veröffentlichungsdatum, noch der genaue Preis bisher fest. Hier ein Kauflink auf Amazon.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Universum Film für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Und Danke an Benny für das Foto der Limited Edition.

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