Review

Darksiders 2

Entwickler: Vigil Games | Genre: Action-Adventure | Plattformen: PS3/X-Box 360/PC | USK: ab 16

"Krieg" hatte seinen Spaß. Nun ist es an der Zeit, "Tod", einen weiteren Reiter der Apokalypse, zu entfesseln! Ermöglichen tut Euch das dieses Jahr wieder die Spieleschmiede Vigil Games, die sich bereits vor knapp zwei Jahren für "Darksiders" verantwortlich nennen durften. Von vielen Spielern anfangs kaum beachtet, entpuppte sich der Vorgänger zu "Darksiders 2" als echter Geheimtipp. Nicht selten hörte man sogar Vergleiche zu Nintendos Action-Adventure "Zelda". Hinken tun diese Vergleiche nicht, denn "Darksiders" benutzte viele ähnliche Spielmechaniken, sowie ein umfangreiches "Rätseln im Dungeon-System". Inwiefern man ein so gutes Spiel wie "Darksiders" erweitern und ob sich dies alles nahtlos in das Spieleerlebnis Einfügen konnte, das sage ich Euch jetzt!

Mach mir den Prinz von Persien

Tot aber immer noch frisch. Dieser Satz würde wohl am besten zu dem Hauptprotagonisten Tod passen, in dessen Haut Ihr in "Darksiders 2" schlüpft. Egal ob kletternd, reitend oder im Kampf stylisch über das Schlachtfeld hüpfend: Tod macht immer einen extrem lebendigen Eindruck! Wiederholungstäter werden es wohl sehr schnell bemerken, dass sich "Tod" im Gegensatz zu "Krieg" im Kampf, als auch von den gesamten Bewegungen her anders spielen lässt. Schnell und wendig manövriert Ihr den muskulösen Maskenmann durch die Oberwelt und erklettert, in Prince of Persia-Manier, auch die höchsten Hindernisse. Erfreulich hier ist, dass die Entwickler nicht den Trend gewordenen "Automatik-Kletterstil" à la Assassins Creed wählten. Hier muss man sich die Kletterwege noch selbst suchen! Das macht Spaß und bringt die Gefühle der PlayStation 2-Ära wieder hoch.

Eine Menge Freude hat man auch an dem schönen und abwechslungsreichen Kampfsystem. Mit zwei kurzen Sensen, einer frei wählbaren Sekundär-Waffe und mit einem Revolver bewaffnet, macht Ihr mit samtig-weich animierten Kombinationen den Monstern den Garaus. Sollte es mal nicht so gut für Euch laufen, bleibt immer noch der mächtige "Reaper-Modus". In diesem wird  der sympathische Sensenschwinger zum Kuttenträger persönlich und lässt den Boden unter sich erzittern! Und damit das auf Dauer nicht langweilig wird, spendierte man dem Knochengesicht noch einen umfangreichen Skill-Tree, bei dem Ihr Euch verschiedene Fähigkeiten erkaufen dürft! Schlussendlich wird auch an die Sammler unter Euch gedacht! So verkommen viele Gegner regelrecht zu Pinatas, die nach einem erfolgreichen Kampf verschiedenste Items fallen lassen, welche Ihr "Tod" anlegen könnt. Waffen, Schuhe, Roben, Handschuhe. Euren eigenen Vorlieben sind beinahe keine Grenzen gesetzt.

Bunt, Bunter, Tod

Ebenso abwechslungsreich wie das Gameplay ist auch die Welt, der man anscheinend alle Farben aus der Palette spendierte. Egal ob steinige Vulkane, eisige Gletscher oder grüne Idyllen, jede Umgebung von "Darksiders 2" strahlt förmlich vor Farbenpracht. Dass es recht unkonventionell ist, einen Charakter wie den "Tod" durch einen solchen Farbtopf zu schicken, wird den Entwicklern bei Vigil Games wohl bekannt gewesen sein. Das Konzept geht voll auf und behaftet sich netterweise nicht selbst mit irgendwelchen Gothic-Klischees. Wer hat denn auch gesagt dass der Tod immer in Schwarz rumlaufen muss? Neben der farbenfrohen Umgebung weiß auch die Grafik zu brillieren. Man versucht hier nicht mit einem Uncharted zu konkurrieren, sondern bleibt dem Stil von Darksiders treu und entscheidet sich erneut für Joe Madureiras Comic-Stil. Das Ganze läuft dabei sehr flüssig und hat extrem kurze Ladezeiten. Na, wenn das mal kein Kompromiss ist?!

Doch damit erstmal genug mit den Lobgesängen. Zum Ende hin muss ich leider noch etwas Kritik an "Darksiders 2" üben. Das erste Manko, das ich dabei ansprechen möchte, ist die zwar schön anzusehende, aber gleichzeitig sehr große Oberwelt. Die Laufwege zwischen den Dungeons entpuppen sich häufig als echte Marathon-Strecken, die einem teilweise länger als ein durchgekautes Kaugummi vorkommen. Natürlich gibt es da noch "Verzweiflung", Euren treu ergebenen Gaul. Doch leider ist dieser, trotz in die Seite gehauenen Sporen, sehr träge. Eine kleinere, übersichtlichere Oberwelt oder ein schnelleres Pferd wären hier ein guter Mittelweg gewesen. Übersichtlichkeit ist bei "Darksiders 2" generell ein kleines Problem, denn obwohl man dem Spielverlauf gut folgen kann und trotz der tollen Hilfe durch die "Was bisher geschah"-Einblendungen in den Ladezeiten, weiß man oft nicht, wo man denn gerade hin soll, um seine Hauptaufgabe zu erfüllen. Das wird teilweise sehr frustig und geht bis hin zum Motivationsverlust. Doch wen diese Punkte nicht stören, der wird mit "Darksiders 2" satte 10 - 20 Stunden Spielspaß erleben können!

Trailer

Christopher

Fazit

Darksiders 2 ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite macht das Spiel sehr vieles richtig. Alle Neuerungen sind hervorragend implementiert und sinnig. Das Gameplay ist makellos. Der Stil ist klasse und stimmig. Und Tod ist ein toller Charakter. Auf der anderen Seite jedoch flaut die Motivation von Stunde zu Stunde immer weiter ab. Das ist sehr schade, denn die ersten vier bis sechs Stunden lassen einen nur das Beste vermuten. So wird Darksiders 2 zu einem der Spiele, die man mit Pausen häppchenweise zu Ende spielt, wenn es nicht aufgrund der ansteigenden Spiele-Flut in das Regal geschwemmt wird und im Videospiele-Nirvana verschwindet.

Doch nach dieser harschen Kritik muss ich anmerken, dass mir Darksiders 2 gut gefällt und ich auf einen weiteren Ableger der Reihe hoffe.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei THQ für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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