Review

Anomaly Warzone Earth

Entwickler: 11 bit studios | Genre: Strategie | Plattform: PC, PSN, XBLA

Habt Ihr Euch jemals gefragt, was diese strunzdummen Einheiten in Tower-Defense-Spielen dazu motiviert, einer festen Route folgend sich brav von blei-, flammen- und schleimspuckenden Türmen aufhalten zu lassen? Würdet Ihr gerne wissen, wie es sich anfühlt, sich sehenden Auges den tödlichen Tesla-Türmen der Abwehr zu nähern? Anomaly Warzone Earth vom polnischen Entwickler "11 bit studios" bietet genau dieses Erlebnis in einem umgekehrten Tower-Defense, quasi einem Tower-Offense Spiel. Bereits 2011 räumten die "11 bit studios" mit ihrem innovativen Spieldesign einen "Apple Design Award" ab. Nun erschien das Spiel auch im PSN für PS3 und auf XBLA.

Alles beim Alten geblieben?

Zunächst informiert das Spiel durch einen zusammengeschnipselten Szenen-Potpurri über die grobe Rahmenhandlung. In Baghdad gab es Sichtungen einer außerirdischen und überaus feindseligen Spezies. Über die Stadt wurde eine Art Energiefeld-Schutzschild aufgespannt und überall gefährliche Geschütze platziert, die alles und jeden pulverisieren, der sich nähert. Der Commander - das bist Du - wird mit einem kleinen Konvoi reingeschickt, um rauszukriegen, was los ist. Kenner des Spiels, die bereits die preisgekrönte mobile Version für iOS oder Android gespielt haben, werden bis hierher keinen Unterschied feststellen. Erfreulicherweise wurden aber nicht einfach alle Missionen der mobilen Versionen eins zu eins umgesetzt, stattdessen gibt es jetzt drei Kampagnen, die neben bekannten Missionen auch neue enthalten und den Spieler auch an den neuen Schauplatz Tokio führen.

Gelungener Finger-Ersatz

Die erste ganz offensichtliche Änderung betrifft Euch selber. Während Ihr in der Smartphone-Version mit dem Finger auf den Bildschirm getippt habt, um Extras einzusammeln oder zu platzieren, steuert Ihr jetzt eine kleine Commander-Figur, die wie die Fahrzeuge eures Konvois Schaden nehmen kann. Der Commander hat in dem ganzen Geschehen eine sehr aktive Rolle: Er sammelt die durch Luftunterstützung abgeworfenen Extras ein, die er auch direkt zum Einsatz bringen kann. Neben einem Reparatur-Item gibt es noch eine Nebelwand, einen Köder, der das feindliche Turm-Feuer auf sich lenkt und einen bestellbaren Bombenangriff aus der Luft. Alle diese Extras sind teilweise, und abhängig vom Schwierigkeitsgrad, rar und haben einen gewissen Wirkungsradius. Der Mittelpunkt dieses Wirkungskreises ist der Standpunkt des Commanders zu dem Zeitpunkt, in dem das Extra aktiviert wird. Mitunter muss man den bedrohlichen Türmen also ganz schön nahe kommen, um ein Item effizient zu platzieren. Erfreulicherweise lässt sich die Aufmerksamkeit einiger schwerfälliger Türme durch den Commander vom kurz darauf eintreffenden Konvoi ablenken.

Routen-Planung und Mikromanagement

Per Knopfdruck wechselt Ihr zwischen der realen Sicht aus der Vogelperspektive und einer blaudominierten Taktik-Ansicht, in der Ihr die Route eures Konvois festlegt. An Kreuzungen dürft Ihr Euch nämlich entscheiden abzubiegen oder aber geradeaus weiterzufahren, um so gegebenenfalls besonders gefährlichen Türmen auszuweichen oder zumindest von einer schwachen Seite her anzugreifen. Pro Einsatz könnt Ihr übrigens Medallien gewinnen, die in Abhängigkeit davon vergeben werden, ob Ihr eine optimale (sprich kürzeste) Route gefunden oder möglichst viele Türme zerstört habt. Gerade in späteren Missionen ist das befahrbare Stadtgebiet recht groß und lässt mehrere Wege zum Ziel zu. Zentrales Spielelement ist auch die Verwaltung des Konvois aus Militärfahrzeugen. Über ein eingeblendetes Menü lassen sich Konvoi-Fahrzeuge kaufen und in mehreren Stufen upgraden. Ebenso kann die Position jedes Fahrzeugs in dem maximal 6 Fahrzeuge umfassenden Konvois festgelegt werden. Fahrzeuge und Upgrades kosten Geld, das Ihr durch die Vernichtung von Türmen erhaltet oder in speziellen Supply-Boxen am Straßenrand findet. Diese Boxen müssen allerdings erst von Euren Fahrzeugen aufgeschossen werden, bevor es Bares gibt. Letzlich dürfen ausgediente Fahrzeuge auch verkauft und somit aus dem Konvoi entfernt werden.

Die Mischung macht's

Letzlich bieten diese Zutaten zusammen mit dem ausgeklügelten Balancing eine unterhaltsame und kurzweilige Action. Überlegter Einsatz der Extras, eine kluge Routen-Planung sowie eine passende Auswahl von verschiedensten Fahrzeugen sind der Schlüssel zum Erfolg der Missionen. Nach Abschluss einer Mission nimmt man übrigens nichts in die Folge-Mission mit. Jedes Level beginnt man mit einem leeren Konvoi und einem gewissen Startguthaben. Die Fahrzeuge unterscheiden sich grundsätzlich in den Eigenschaften Rüstung und Schaden oder bieten Spezialeigenschaften, wie ein Schildgenerator-Fahrzeug, das jeweils für das vorausfahrende und das folgende Fahrzeug einen Schild generiert, oder den Supply-Truck, der einen Fahrzeug-Slot belegt, dafür aber über Zeit Geld abwirft. So muss sich jeder Spieler das Setup zusammenstellen, mit dem er am besten klarkommt. Für jede Mission gibt es jedenfalls nicht DEN vorgegebenen Lösungsweg. Die Missionsziele der einzelnen Einsätze variieren übrigens. Mal müssen bestimmte Ziele oder alle Türme zerstört werden, mal sind über die Stadt verstreute Einheiten zu retten. Neben der Kampagne gibt es noch einen Mayhem-Modus, bei der gegen "Wellen" von Türmen gekämpft wird.
Christian

Fazit

Anomaly Warzone Earth bringt mit seinem umgekehrten Tower-Defense Spielprinzip einen frischen Wind in das Strategie-Genre. Es hat mich bereits auf dem iPhone begeistert. Die Grafik fand ich auf dem iPhone einen Tick spektakulärer, einfach weil es im Vergleich zur PS3 und XBox360 das kleinere, schwächere Stückchen Hardware ist. Aber auch auf den großen Konsolen sieht das Spiel einfach sehr gut aus. Menü-Aufmachung und Sound-Kulisse runden den Gesamteindruck positiv ab. PS3-Spieler erhalten zudem einen exklusiven lokalen Koop-Modus, bei dem sich ein Spieler um das Mikromanagement des Konvois kümmert, während der andere sich mit dem Commander um die Extras kümmert.

Wertung 8.5

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