Review

Spec Ops: The Line

Entwickler: Yager Development | Genre: 3rd Person Shooter | Plattform: PS3/X-Box 360/PC | USK: ab 18

Kennt Ihr das? Jede E3 liefert neue Bombast-Trailer zum jährlich neuen "Call of Duty" oder "Battlefield". Scheinbar ist es momentan für eine Generation, die den Krieg selber nicht miterlebt hat, das Ballern als US-Soldat äußerst faszinierend und aufregend. Immerhin sehen wir seit Jahren extreme Verkaufszahlen bei den Kriegsshootern.

Damals, zu "Call of Duty 2"-Zeiten, war ich zunächst noch extrem skeptisch eingestellt und ließ die Finger von solchen Shootern, bis mich der Bene dann doch noch damit anstecken konnte. Die unglaublich dichte Atmosphäre versprühte tatsächlich so ihren Charme und gab mir zumindest im Ansatz das Gefühl, was die Soldaten damals durchmachen mussten. Das wurde allerdings dann dermaßen ausgereizt, bis man endgültig die Schnauze voll vom Setting hatte. "Call of Duty 4: Modern Warfare" schaffte dann noch einmal einen kleinen Begeisterungssturm, führte die Reihe allerdings in eine immer extremere Richtung, unter anderem mit Skandelen wie die berühmte "Flughafenszene". Und auch heute habe ich wieder die Schnauze voll.

Anti-Kriegsshooter?

Vor einigen Tagen geriet mir allerdings "Spec Ops: The Line" in die Hände. Ein neuer Shooter vom noch recht unbekannten Entwicker Yager Development aus Berlin. Ähnlich wie der Film "Apokalypse Now" basiert die Geschichte auf dem berühmten Roman "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad.

Die Verpackung kann schnall täuschen: Während man den Käufer mit bekannten Call of Duty und Battlefield Gestaltungselementen lockt, wartet für den ahnungslosen Spieler hier alles andere als die typische Kost.

Ihr spielt den sogenannten Captain Martin Walker, der zusammen mit seinen beiden Gefährten durch ein postapokalyptisches Dubai zieht, um nach Überlebenden zu suchen. Dabei sind die drei bis auf das Funksignal durch Sandstürme von der Außenwelt abgetrennt. Anfangs steigt man zwar recht gewohnt in die ersten (noch spaßigen) Schießereien ein, bekommt aber nach und nach eine Klatsche, und muss miterleben, wie die Soldaten einige moralische Dilemma erfahren und psychischen Belastungen ausgesetzt werden. Allein schon, dass man als US-Soldat gegen andere US-Soldaten kämpft, würde sich ein Call of Duty wohl nicht so schnell trauen.

Trailer

Grundsolides Gameplay

Das Spiel bestreitet Ihr aus der 3rd Person-Perpektive. Es steht Euch dabei die übliche Steuerung zur Verfügung, inklusive einem inzwischen schon standardmäßigen Deckungssystem. Eine besondere Funktion ist, dass man mit der R2-Taste auf der PlayStation 3 Feinde markieren kann, welche Eure Kameraden dann fokussieren. Das ist besonders praktisch, weil einer von denen durchgehend mit einem Scharfschützen-Gewehr ausgerüstet ist. Dadurch geht die Kommunikation locker von der Hand, ohne aus dem Spiel einen Taktik-Shooter zu machen. Feinde, welche verletzt am Boden liegen, lassen sich per Tastendruck exekutieren: Da man nur so neue Munition für die eigenen Waffen bekommt, erschafft man hier ein notwendiges übel. Je mehr Captain Walker sich reinsteigert, desto brutaler geht er vor. Das schlägt dann soweit auf den Magen, dass man hier von keinerlei Verherrlichung sprechen kann.

Bis auf ein wenig Abwechslung, in der man in einem Helikopter sitzt oder an einem LKW hängt, bietet das Spiel allerdings durchgehend leider nur Feuergefechte und hebt sich vom Gameplay her kaum von anderen 0815-Shootern ab. Man schießt sich also recht monoton durch die recht kurze Einzelspieler-Kampagne. Allerdings lassen sich durch bestimmte Entscheidungen im Verlauf der Handlung vier verschiedene Enden erreichen, welche nicht nur den Wiederspiel-Wert erhöhen, sondern den Spieler dazu ermutigen, sich noch mehr mit den Konsequenzen und der Story zu beschäftigen. Den Multiplayer-Modus habe ich nicht angerührt, allerdings darf man da nicht unbedingt mit Überraschungen rechnen, denn bis auf den Standard-Umfang (Deathmatch etc., Levelsystem) scheint es da nichts besonderes zu geben.

Piet

Fazit

Krieg ist etwas furchtbares, die Hölle auf Erden. Das scheinen einige Spieler da draußen vielleicht oftmals zu verdrängend. Um so erfrischender, dass ein kleiner Entwickler aus Berlin sich dem mal widersetzt und es schafft, einen Shooter rauszubringen, der im Kern dank der sauberen Steuerung Spaß macht, aber den größten Wert auf eine erwachsene und reife Geschichte legt. Gerade jetzt im Sommerloch spreche ich eine Kaufempfehlung aus, zumindest für die Spieler, die lange Schießpassagen generell gut abkönnen und mit ziemlich finsteren und brutalen Bildern klar kommen.

Wertung: 8.0

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