Review

Sherlock

Produktionsland: Vereinigtes Königreich | Genre: Krimi/Drama | FSK: ab 12

Mal wieder Sherlock Holmes, aber diesmal ohne Enttäuschungen

Viele waren sicherlich enttäuscht von den eher durchschnittlich geratenen Interpretationen von Guy Ritchie, der dachte, Sherlock Holmes würde sich nur mit großen Schauspieler-Namen und einem großen Budget auf der Leinwand wiederbeleben lassen. Dementsprechend war ich nicht sonderlich euphorisch, als mich der Kollege Benny zum Geburtstag mit der ersten Staffel der BBC-Serie "Sherlock" überraschte. Eigentlich dachte ich, dass mich das Thema nicht mehr fangen könnte... allerdings reicht wohl die Pilot-Episode "Ein Fall von Pink", um zu erkennen, dass man es hier mit einer der gelungensten TV-Produktionen der letzten Jahre zu tun hat.

Sherlock besteht momentan aus zwei Staffeln, je drei ca. 90 Minuten langen Folgen, welche sich nach zusammenhängenden Spielfilmen anfühlen. Statt aus dem "Consulting Detective" einen makellosen Helden zu schaffen, stecken die Macher den Zuschauer zunächst mehr in die Rolle des recht normalen Dr. John Watson, welcher vom angehenden "Bilbo Beutlin" Martin Freeman gespielt wird. Der vom Schauspieler Benedict Cumberbatch interpretierte neumodische Sherlock Holmes funktioniert in der Serie eher als "hochfunktioneller Soziopath" mit einer eher fast schon Asperger-Art, mit der sich der Zuschauer nur schwer identifizieren kann. Ähnlich wie Shelton aus "Big Bang Theory" glänzt und unterhält der neue Sherlock also eher in passiver Form. Dem Zuschauer bleibt kaum etwas anderes übrig, als durch sein Genie verblüfft zu sein und heimlich darauf zu warten, dass sich auch hinter diesem Menschen eine emotionale Seite verbirgt.

Das richtige Rezept

Die beiden Macher und Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss (letzterer taucht in der Serie als Mycroft Holmes auf) sind laut dem Making Of zwei sehr große Sherlock Holmes-Nerds, was man der Liebe zum Detail sehr wohl anmerkt. Schon in der Vergangenheit sammelten sie Erfahrungen mit Neuverfilmungen der klassischen Literatur, wie z.B. in der Mini-Serie "Jekyll". Auf dieser Grundlage kommen dann die ausgezeichnet ausgewählten Schauspieler mit sehr intelligent geschriebenen Drehbüchern zusammen und durch das sehr flotte Erzähltempo ergeben alle Zutaten endlich eine Sherlock Holmes Verfilmung, die der Vorlage gerecht wird. Einige Fans könnten sich mit dem massiven Gebrauch von Technik (à la Smartphones etc.) und dem sonst sehr modernen Setting etwas schwer tun, aber eine Chance hat die Serie mehr als verdient.

Besonders loben möchte ich zudem noch die Steigerung in der zweiten Staffel - anders als so oft schaffen es die Macher dieser Serie, die gesetzten Erwartungen in den nachfolgenden Folgen zu übertreffen. Allein die erste Folge der zweiten Staffel glänzt und überrascht mit hervorragend besetzten Nebenrollen und vielen kreativen Spielereien in der Schnitttechnik. Manchmal sieht man es einem Werk einfach an, wenn die Macher da mit voller Leidenschaft dran arbeiten. Hut ab, da kann sich auch der deutsche Krimi einiges von abschneiden.

Trailer

Piet

Fazit

Hiermit möchte ich für alle Leser eine eindeutige Kaufempfehlung aussprechen, da ich im privaten Umfeld bisher auch noch keinen getroffen habe, der nicht von der Serie angefixt wurde. Selbst für Cineasten, die in der Regel nicht so offen sind für TV-Serien, kann sich das Reinschauen dank dem 90-minuten Format durchaus lohnen.

Es ist schön zu sehen, dass wir nach den ganzen US-Serien mal wieder ernsthafte Konkurrenz aus unserer EU bekommen, die sich hinter großen Produktionen wie z.B. "Breaking Bad" nicht weiter verstecken braucht. Würde die zweite Folge der ersten Staffel nicht so dermaßen enttäuschen und würden uns die Macher mit den etwas künstlich aufgesetzten Cliffhangern verschonen, würde ich der Serie auch locker die volle Punktzahl geben. So reicht es als Gesamtpaket für überragende 9.1 von 10 Punkten. Und wer weiß wohin uns die dritte Staffel noch führen wird... ich warte gespannt.

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