Review

Project Zero 2 - Wii Edition

Entwickler: Tecmo | Plattformen: Nintendo Wii | Genre: Survival-Horror | USK: ab 16

Neben dem akustischen Psychoterror von „Silent Hill“ und dem zombieverseuchten „Resident Evil“ geht eine Horrorspielreihe, trotz ebenso hochwertiger Gruselqualität, leider etwas unter: „Project Zero“. Eine Serie, die mit traditionellen Mitteln auf subtile Weise das Fürchten lehrt - mit Geistern. Als Fan dieser Marke vermisst man zwar außerhalb Japans nach wie vor Teil 4, Nintendo entschied sich leider aufgrund vereinzelter Entwicklungsschnitzer gegen eine internationale Veröffentlichung. Immerhin gibt es mit dem Remake des zweiten und zugleich stärksten Teils ein haarsträubendes Wiederstehen auf der Wii - mit einigen Neuerungen.

Eine düstere Legende

Eines Tages ist in den Bergen das Dorf Minakami von den Karten verschwunden. Man sagt, dass jene, die sich dort im Wald verirren, jenes Dorf vorfinden werden und nie wieder heimkehren. Als Mayu einen leuchtendroten Schmetterling erblickt und ihm folgt, eilt ihr die Protagonistin und Zwillingsschwester Mio hinterher. Dunkelheit bricht herein und Nebel zieht auf, während beide geradewegs in die Geisterwelt eindringen. Ahnungslos tapsen sie in das verschwundene Dorf, in dem sich ihr dunkles Schicksal zu erfüllen scheint.

Ein Blick durch die Kamera

Schon das kurze Intro verspricht eine dichte Atmosphäre, die bereits in den ersten Minuten eindringlicher wird und sich im Spielverlauf zusehends steigert. Mit kreativen Ideen sorgen die Zwischensequenzen für Gänsehaut und die verwitterten Häuser bereiten mit ihrem modrigen Innern Unbehagen. Verstörende Visionen machen neugierig und hinterlassene Notizen lassen eine finstere Tragödie erahnen. Und auch der geschickte Einsatz der unaufdringlichen Soundkulisse leistet neben plötzlichen Schockmomenten ihren unheimlichen Beitrag, bis Mio die „Camera Obscura“ findet, von der das Leben der Zwillinge abhängt. Mit mysteriösen Runen überzogen ist dieses sonderbare Gerät nicht nur dazu befähigt, Geister sichtbar zu machen, sie kann diese auch auf Fotos bannen. Schuss- und Hiebwaffen gibt es keine, lediglich die alte Kamera, die sich mit diversen Filmen und anderen Erweiterungen verbessern lässt. Ihre Bedienung, die seit dem ersten Teil auf der Playstation 2 stimmige Shooter-Erlebnisse bietet, ist in der Wii-Version der einzige Schwachpunkt: Sie ist nicht nur ziemlich träge geraten, auch ist die Tatsache recht gewöhnungsbedürftig, dass man die x-Achse der Kamera mit dem Stick des Nunchuck schwenkt und die Y-Achse mit der Bewegungssteuerung der Wiimote neigt. Auch wenn trotz allem Frustmomente fernbleiben, hätte die Kamerasteuerung runder sein dürfen.

Mit der „Camera Obscura“ dringt Mio immer tiefer in das Dorf Minakami ein – allein, denn alsbald werden die Geschwister voneinander getrennt, so dass sich Stunde um Stunde das Gefühl der Einsamkeit einschleicht. Nur die permanente Lebensgefahr ist Mios ständiger Begleiter, mit einer zermürbenden Unvorhersehbarkeit, da sich unter den Gespenstern friedfertige Wesen tummeln, ebenso welche, die erst eine Zeit später feindselig werden. Für spielerische Abwechslung sorgen einerseits vereinzelte Rätsel, als auch das Gestöber in den heruntergekommenen Zimmern der verlassenen Häuser, das in der Wii-Version deutlich spannender inszeniert wurde, als in den alten Teilen.

Alles neu macht die Wii?

Im Gegensatz zur ursprünglichen Version, die lediglich untertitelte Informationen spendierte, wenn man denn auf der Suche nach diversen Objekten und Hinweisen einen Blick durch den einen oder anderen Spalt warf, gewährt die Wii-Version eine originelle Kamerafahrt in eben jene. Zudem warten derartige Interaktionen mit gänzlich neuen Ereignissen auf, die für zusätzliche Spannung sorgen. Ebenso neu ist auch die sogenannte Geisterhand, die plötzlich Mios Hand zu greifen versucht, wenn sie einen Gegenstand aufheben möchte. Scheitert ein kurzer Reaktionstest, verliert sie kostbare Lebensenergie. Ein kleines, aber wirklich raffiniertes Gimmick, das hoffentlich auch künftig in der Gruselserie „Project Zero“ seinen Platz finden wird.

Technisch wurde die Wii-Version ebenfalls aufgewertet. Auch wenn die Wii nicht mit aktuellen HD-Konsolen mithält, so sieht das Remake auf Nintendos Konsole ein ganzes Stück hübscher aus, als auf Sonys Playstation 2. Details kommen dank weit weniger starkem Kantenflimmern besser zur Geltung. Das einstige 4:3-Bild füllt moderne Breitbildfernseher. Charaktere wurden neu designt. Und auch die Schulterperspektive ist, im Gegensatz zu festen Kameraeinstellungen, ein deutlicher Mehrgewinn.

Trailer

Benny

Fazit

„Project Zero“ gelingt das, was „Silent Hill“ oder „Resident Evil“ nicht ein einziges Mal gelang: mir einen gehörigen Schrecken einzujagen! Die düstere Stimmung drückt mit der Zeit ganz schön auf's Gemüt. Kein einziger virtueller Lichtstrahl hellt die dunkle Erkundungstour durch das verschwunde Dorf auf. Die permanente Gefahr seitens der Geister lassen mich verspannen. Und die tragische Geschichte fesselt mich erzählerisch. So muss ein Horrorspiel aussehen! „Project Zero 2“ ist für Neueinsteiger und Fans der Serie gleichermaßen empfehlenswert, da es ein Highlight des Genres ist und viele Neuerungen gegenüber der Urversion bietet.

Wertung: 9.0

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