Hardware

Nexus 7 - Der Wohnzimmer Test

Was macht man eigentlich mit so 'nem Tablet?

Einigen dürfte der Deutschland-Start des neuen Nexus 7, dem Google/ASUS-Tablet für attraktive 199 Euro, nicht entgangen sein. Für einen professionellen Hardware-Test gibt es genügend alternative Reviews im Netz, doch da der Android-Store (aka. Google Play) sich langsam gemausert hat und vielleicht einige unserer Leser zuhause an ihrem HTPC werkeln, berichte ich heute mal über angenehme Features eines Tablets auf der Couch.

Braucht man nicht! Will man aber haben.

Ok, ein kurzer Rundumschlag zur Hardware, für alle die es noch nicht kennen: Das Tablet ist 7" groß und liegt mit seinen 340 Gramm einigermaßen gut in der (einen) Hand. Die Verarbeitung fällt gerade für den Preis gut aus. Mit der Auflösung von 1280x800 Pixel bei 216 dpi hat man zwar kein knackscharfes Retina-Display wie beim iPad, aber dafür im Vergleich mit anderen Tablets in der Preisklasse eine immer noch recht große Auflösung. Eine Besonderheit ist wohl die Rückseite, welche nicht aus hartem, kratzanfälligen Kunststoff gegossen wurde, sondern eher weich ausfällt. Ich hatte die Möglichkeit, auch die weiße Version zu begutachten, welche es hier zulande noch nicht gibt. Diese zieht etwas schneller Schmutz an, hat aber einen schwarzen Außenrahmen, welcher beim schwarzen Modell leider Silber ausfällt.

Insgesamt aber habe ich kaum was zu meckern. Die Sound-Qualität des verbauten Lautsprechers fällt nicht gut aus, gerade im Vergleich zu Sonys PS Vita, außerdem ist das Display ist ein wenig dunkel und schluckt in den hellen Bereichen feine Übergänge. Für den Outdoor-Einsatz halte ich das Tablet ja sowieso nicht so geeignet dank Spiegelungen, daher sage ich mal: Wer es in der Wohnung im Bett oder auf der Couch benutzt, wird wohl keine Probleme mit dem Display haben. Eine Besonderheit ist wohl, dass es das erste Tablet ist, wo der Browser Chrome standardmäßig vorinstalliert ist, plus die neueste Version des Android OS.

Kritikpunkte liest man in allen Reviews: Es fehlt UMTS, d.h. unser einer muss auf Reisen mit seinem Smartphone nachhelfen, um das Tablet online zu bekommen. Eine Kamera auf der Rückseite wurde nicht verbaut, die Anschlüsse begrenzen sich auf Micro-USB und Klinke (also kein HDMI) und es fehlt ein Micro SD-Karteneingang. Letzteres ärgert viele potenzielle Käufer, da nur eine 8 und eine 16 GB Version zur Verfügung steht.

Man merkt, es wurde an ein paar Ecken gespart. In meinem Fall komme ich mit den Kompromissen aber gut klar, denn ich plane folgenden Einsatz für mein Nexus 7:

  1. Remote-Apps für Musikplayer und XBMC auf dem HTPC
  2. Surfen auf der Couch
  3. Gestreamte Bilder anschauen via Pinterest, Dropbox
  4. Musik streamen vom HTPC in ein anderes Zimmer
  5. Comics/Bücher/Magazine kaufen und lesen
  6. Mobiler Einsatz in Ausnahmefällen
  7. Spiele vom Android-Marktplatz
Einrichten geht sehr schnell, wenn man bereits Android + Google-Account hat. Wer Android schon kennt, weiß dass Google alles stark miteinander vernetzt. Sie locken mit netten Features wie am Desktop einkaufen und per Klick auf ein Gerät installieren. Wer besorgt ist, Google zu viele Informationen zu geben, wird sich ohnehin von Android, iOS, Facebok etc. fern halten. Ich finde das Konzept dennoch sehr praktisch, gerade wenn man gerne einen Kalender unterwegs, zuhause und auf der Arbeit flexibel nutzen möchte.

1. Remote-Apps für Musikplayer und XBMC auf dem HTPC

Wer einen HTPC sein Eigen nennt, kennt vielleicht das Problem, dass man für's Musik hören immer gleich den ganzen TV einschalten muss. Dank einiger Remote-Apps findet man für sämtliche Programme an das Tablet angepasste Oberflächen. Sei es XBMC, VLC- oder GOM-Player, SongBird, iTunes oder wie in meinem Fall: Banshee, welches ich unter Linux benutze. Ich hab es zwar noch nicht ganz geschafft, das Plugin unter Linux zu installieren (die typische Linux-Frickelei).

Im Gegensatz zur kabellosen Tastatur mit Touchfläche, scheint man, mit den Remote Apps schöne Alternativen zu haben. Allerdings sind die Wenigsten auf eine Tablet Oberfläche ausgelegt und manchmal unscharf oder hässlich im Design.

2. Surfen auf der Couch

Einer meiner Hauptgründe für ein Tablet war das Surfen auf der Couch. Da ich kein Notebook oder ähnliches mag, habe ich in jedem Zimmer einen Rechner. Und das Surfen auf dem HTPC auf dem TV ist und bleibt suboptimal in meinen Augen, selbst wenn man Schriften vergrößert (was die Designs mancher Website verschlimmbessert). Man stelle sich vor, man würde seine Tageszeitung an Wänden auf Plakaten lesen... so ungefähr fühlte sich das für mich bisher an. Mit dem Tablet klappt das Surfen jedenfalls gut, auch wesentlich komfortabler als auf einem kleinen Smartphone.

Allerdings fängt auch dort das Problem mit nicht optimierten Seiten an, deshalb rate ich Euch Webseiten wie Golem, Kotaku oder CouchCastle mit der App Google Currents zu lesen.

3. Gestreamte Bilder anschauen via Pinterest, Dropbox

Für viele Seiten gibt es eine App. Da ich ungerne Bilder auf mehreren Geräten verwalte, war es mir wichtig, Bilder bei Google+, Pinterest oder aus meinem Dropbox-Ordner vernünftig streamen zu können. Klappt tadellos, sieht gut aus, Zweck erfüllt!

4. Musik streamen vom HTPC in ein anderes Zimmer

Musik streamen gefällt mir besser, als Musik hin und her zu kopieren. Die Simfy oder Spotify App nehmen für mobile Geräte noch mal einen Nachschlag (Ich müsste dann von 4,99 auf 9,99€ im Monat wechseln). Streamen vom HTPC ist da schon sympathischer, auch wenn ich dafür noch eine anständige Lösung suche, statt manuell auf Ordner zugreifen zu müssen. Bisher gebe ich mich mit Webradio etc. zufrieden, wenn das Tablet in der Küche beim Spülen mal Gesellschaft leisten soll. Ist irgendwie das Einfachste bisher.

5. Comics/Bücher/Magazine kaufen und lesen

GEE Display funktioniert auf dem Nexus 7 (noch) nicht! So ein Mist, da habe ich endlich mal ein Tablet... da hat die GEE nun endlich mal eine Android-Version, und dann wird diese nicht unterstützt. Den "Spiegel" bekommt man hier (11 Ausgaben für 29,- Euro ). Comics wie "Scott Pilgrim" sind auch digital erhältlich für um die 5 Euro pro Ausgabe. Im Großen und Ganzen kommt man aber nicht so günstig weg, wie es z.B. mit den Spielen der Fall ist.

Aber auch dort gibt es neue Konzepte: Der deutsche Comiczeichner Daniel Lieske bietet seine "The Wormworld Saga" kostenlos als App an und ermöglicht ein komplettes Lesen, welches Ihr aber als "Collector's Edition" finanziell unterstützen könnt. Als Goodies schalten sich dann tolle Features frei, wie Audiokommentare, einen "Skizzenmodus" benutzen und Reinzoomen kann man dann auch. Ein schönes Konzept, welches hoffentlich auch unterstützt wird. Denn die Qualität des Comics ist über jeden Zweifel erhaben.

Nächster Schritt: Bücher in Google Play kaufen. Wenn man nicht gerade auf Bücher aus ist, die es... "etwas schwer" haben, zahlt man öfter schon zwischen 10,- und 18,- Euro. Wenn man jetzt Lust bekommen hat, das "Lied von Feuer und Eis" zu lesen, wird man wesentlich teurer wegkommen als mit der Papierversion. Und diese lässt sich dann sogar noch einmal um einiges günstiger als englische Version bekommen. Amazons Kindle App ist mir fast noch einen Tuck sympathischer... auch wenn man dort ebenso wenig günstiger wegkommt als bei den immer noch schöneren Druckversionen der Bücher.

6. Mobiler Einsatz in Ausnahmefällen

Videos ausleihen kann man bei Google Play für 2,99€ für eine SD Variante, oder eben 3,99€ für einen HD Film. Diesen kann man dann 30 Tage behalten, muss ihn aber, wenn einmal angefangen, in 48 Stunden gucken. Streng genommen ist mir das viel zu teuer, zumal das Filme schauen auf dem Tablet ohnehin kaum reizt. Aber wenn ich mal einen faulen Tag habe und eine Bahn-Reise bevorsteht, könnte ich mir vorstellen, in Ausnahmefällen mal einen Film zu leihen und dann unterwegs zu schauen, wo ich kein Internet habe.

Als Grafiker freue ich mich natürlich über die Skizzen-Apps - diese halte ich zwar mit Fingerbedienung für nicht ausreichend, aber wenn ich bald mal einen Stift habe freue ich mich auf kleine Outdoor-Malereien, ohne Wasserfarben etc. dabei haben zu müssen.

7. Spiele vom Android-Marktplatz

Zwar zieht Google Play leider oft noch im Vergleich zum Apple Store den Kürzeren, allerdings hat man inzwischen eine schöne große Palette an Spielen, die man auf Smartphones und Tablets installieren kann. Da ich aber digitale Knöpfe nicht leiden kann, fällt eine ganze Menge davon weg. Neue Spielkonzepte wie das berühmte "Angry Birds" oder Strategie und Adventurespiele können allerdings von dem Touchscreen profitieren. Hierzu werden wir uns in Zukunft ein paar Spiele anschauen, immerhin gibt es ja die wunderbare Funktion, innerhalb von 15 Min. jegliche Apps zurückzugeben. Auf der PS Vita oder dem 3DS muss man meist auf eine Demo-Version hoffen, um Fehlkäufen aus den Weg zu gehen.

Piet

Mein persönlicher Ersteindruck

Dies hier ist kein richtiges Review, eigentlich zeigt es nur meinen ersten Eindruck des Geräts und in wie fern es für mich funktioniert. Die Nachteile des Nexus 7 betreffen mich kaum, eventuell hilft es unschlüssigen Käufern, sich ein besseres Bild des Geräts zu machen.

Insgesamt bin ich recht froh über das Gerät. 7" sind eine angenehme Größe. Bei 10" finde ich das Tippen lästig (ist schon bei 7" nicht so praktisch wie auf einem Smartphone). Eine Hülle mit Standfunktion und ein Eingabestift werden aber folgen müssen, das bringt die Größe so mit sich.

Wer noch überlegt, ob er mit der 8 GB Version zurecht kommt, sollte wissen, dass von dem Platz gerade mal 5,92 GB wirklich für die Apps und Daten zur Verfügung stehen. Ich rate jedem, der viel installieren möchte zur 16 GB Version für 249,- Euro.

Google spendiert übrigens zum Nexus 7-Kauf einen 20 Euro-Gutschein für Google Play und zusätzlich gibt es noch den (zweifelhaften) "Transformers 3" und drei Bücher, wie unter anderem "Faust".

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