Kolumne

Mein sommerlicher Retro-Anfall

Erinnerungen an das SNES

Hach, Super Nintendo! Seit Jahren gut verstaut, tritt es jedoch im Sommerloch gerne seinen Dienst an.

Die Welt schaut auf die Gamescom und ich sozusagen in die "Röhre". Jeden Sommer, wenn das Sommerloch kommt, zieht es mich schon seit Jahren zu den alten Klassikern. Erst letztens nutzten Kumpel Fabi und ich die Gelegenheit, um, wie zumindest er es jährlich tut, das gnadenlos zeitlose "Zelda - A Link to the Past" (für's SNES) durchzuspielen. Und dann noch diese unendlich langen drei GAMEONE-Podcasts über's Super Nintendo + anschließender Zeitreise durch meine Nintendo 64-Spielesammlung, welche ich für den Redakteur Benny noch mal durchforstet und angespielt habe...

Warum spielen wir immer wieder die alten Spiele unserer Kindheit, während die Industrie sich jedes Jahr auf's Neue versucht, mit neuer Technik, besserer Grafik und noch kreativeren Spiel-Ideen sich selbst zu übertreffen?

Während ich mir so ein paar Gedanken auf meiner mehrwöchigen Retro-Safari gemacht habe, bin ich auch auf einige Anhaltspunkte gestoßen. So fange ich am besten gleich mit dem Zelda-Vergleich an: Wir rasten nur so im Marathon durch die Dungeons, als gäbe es keine Speicher-Methoden und erfreuten uns unermüdlich an dem kompakten Leveldesign. Heute darf man sich in den neusten Zelda-Teilen durch stundenlange Einführungen quälen, damit auch wirklich jeder Spieler die Steuerung Stück für Stück kennenlernt. Dazu wird noch versucht, eine Geschichte zu erzählen, die der ältere Zelda-Spieler jahrelang nie vermisst hat und die Erklärung der Steuerung ist bei einem guten Nintendo-Spiel ja sonst auch nicht unbedingt notwendig. In "A Link to the Past" wird man sofort ins Geschehen geschmissen und die kurzen Laufwege lassen im Gegensatz zu modernen Zelda-Teilen keine Langeweile aufkommen. Ja, das sind für mich schon zwei Punkte, die in heutigen Spielen (und wir reden nicht von 2D-Indietiteln) eine große Rolle spielen. Die meisten Spiele waren sehr kurzweilig und fokussierten sich auf simple Mechaniken, die nicht einmal groß erklärt werden mussten - ein Vorteil, den sich ein heutiger Blockbuster-Titel durch seine Komplexität und sein Bedürfnis, einen Spielfilm zu imitieren, nicht leisten kann.

Soweit so gut, was die zeitlosen 2D-Titel angeht. Als ich meine Nintendo64-Spiele wieder eingelegt habe, war ich natürlich mit der nicht gut gealterten Grafik konfrontiert. Und das Gameplay? Kaum zu glauben, dass ich damals monatelang mit so einem eingeschränkten Prügler wie Fighter's Destiny beschäftigt war. Hier greifen einige Argumente aus der 2D-Ära nicht mehr richtig, allerdings hat es mich nicht davon abgehalten, einen sehr vergnüglichen Abend mit Kindheitserinnerungen zu begleiten.

Und natürlich das Gefühl

Da ist natürlich auch der offensichtlichste Grund: Die Klassiker machen Spaß wegen der sogenannten Mediennostalgie (kleinen Link-Tipp dazu findet Ihr hier). Ist schon beeindruckend, was für eine Faszination die ganze Thematik ausüben kann. Jeder kennt das peinliche Gefühl, wenn aus heutiger Sicht kitschige oder einfach handwerklich bedenkliche Songs aus den 80ern oder noch schlimmer 90ern im Radio laufen und man sich heimlich darüber freut. Ganz im Ernst: Würde man mir heute den Euro-Dance Kram à la "What is Love?" von Haddaway vorlegen, würde ich mich nicht wirklich dafür begeistern können.

Aber schaut man sich um, schaffte es nicht nur TimeLife, mit alten Songs noch einmal Geld zu scheffeln: Anfällige Videospiel-Nostalgiker kennen eigentlich alle die Seite http://ocremix.org/, welche die schönen alten Videospiel-Soundtracks in geremixter Form kostenlos an den Mann bringt. Das Retro-Gefühl sorgt auch regelmäßig bei den Besuchern auf http://www.geek-art.net/ für tolle Kunst, welche von alten Helden inspiriert ist, oder bei unserem Redakteur Dom für einen glücklichen Gesichtsausdruck, wenn er dank "Ghostbusters" oder "Zurück in die Zukunft" nicht nur in diese, sondern auch generell in die Vergangenheit reist. Es geht praktisch durch alle Medien-Formen und ähnlich, wie ein altbekannter Geruch, dem man wieder begegnet, so haben Medien das Potenzial, den Zeitgeist und persönliche Empfindungen zu konservieren und diese nach Jahren abrufen zu können.

Piet

Zum Abschluss

Ich überlege jedenfalls, ob CouchCastle.de nicht vielleicht eine neue Kategorie bekommen sollte: "Classics" in allen Bereichen, die wir abdecken, gibt es schließlich genug und sie beschäftigen uns heute alle immer noch. Als begeisterter Shoot 'em Up-Fan finde ich auch größtenteils nur auf älteren Systemen geeignetes Futter. Gerade wegen aussterbender Genres sollte es also durchaus eine Existenz-Berechtigung für klassische Reviews geben, auch wenn diese noch subjektiver ausfallen werden, als unsere aktuellen. Zwar wären wir auch damit wieder nicht die Ersten, aber darum ging es uns ja noch nie. :)

Wem das Thema gefällt, der kann im Übrigen auch einen Blick auf Bennys Shenmue-Artikel werfen, den er Weihnachten hier veröffentlicht hatte.

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