Videospiele

Eine Spende für das "Project Giana"

Kickstarter Projekt

„Die Brüder sind Geschichte“

Großmütige Worte, mit denen das Entwicklerteam Time Warp Productions 1987 ihr „The Great Giana Sisters“ (zumindest in England) beworben hat. Gegen eine gesunde Portion Selbstvertrauen ist ja auch nichts einzuwenden, auch dann nicht, wenn es sich bei den Konkurrenten um die „Super Mario Bros.“ handelt. Wenn man sich allerdings derart vom Rivalen „inspirieren“ lässt, dass sich beide Titel mehr als nur optisch stark ähneln, wäre etwas Zurückhaltung vielleicht angebrachter gewesen. Immerhin: Der angebliche Rechtsstreit zwischen Time Warp Productions und Nintendo soll wegen diesen Slogans entstanden sein.

Besser gut geklaut als schlecht erfunden

Doch das alles war mir vor etwa 25 Jahren völlig egal, als ich „The Great Giana Sisters“ auf dem Commodore 128 meiner Freunde sah, spielte und mir prompt den kleinen Bruder, den C64, ein Jahr später zum Geburtstag wünschte. Es weht natürlich eine gewisse Brise Nostalgie mit, immerhin war der C64 meine aller erste eigene „Konsole“ (Heimrechner kann man den leistungsschwachen „Brotkasten“ ja nun wirklich nicht nennen), weswegen ich nicht behaupten möchte, objektiv zu sein. Nichtsdestotrotz hatte ich mit „The Great Giana Sisters“ mehr Spaß, als ich drei Jahre später mit „Super Mario Bros.“ auf dem „Nintendo Entertainment System“ hatte.

Optisch war die, nennen wir sie einmal „Hommage“ eh auf Augenhöhe mit Nintendos Meisterwerk. Während das Charakterdesign der Brüder ganz klar vorne lag, habe ich die Welten von „Giana Sisters“ wiederum als hübscher empfunden. Akustisch waren die Schwestern mit dem schmalen, aber deutlich fetzigeren Soundtrack von Musiker Chris Hülsbeck ganz klar ein Schritt voraus – der Kult um die Mario-typischen Melodien entstand ja ohnehin erst in den folgenden Jahrzehnten. Auf der anderen Seite ist Chris Hülsbeck in der Videospielszene ein überaus erfolgreicher Komponist. Und während die Items der Brüder echte Innovationen waren und die Existenzgrundlage für „The Great Giana Sisters“ und andere Videospiele bildete, hat man seitens Time Warp Productions die Anzahl jener konsequent erweitert. Statt einem einfachen Schuss mit der Feuerblume konnten Giana und Maria selbige Fertigkeit des Blitzes aufwerten: Erst der abprallende, später der zielsuchende Schuss. Weitere Neuigkeiten waren die Bombe, die sämtliche Gegner vom Bildschirm auf Knopfdruck eliminierte; der Wecker, der alle Gegner für eine kurze Zeit an Ort und Stelle einfror und der Tropfen, der die Schwestern kurzzeitig unbeschadet durchs Feuer gehen ließ. Statt dem Pilz gab es übrigens den sogenannten Punk-Ball, der Giana (bzw. Maria als Zweitspielercharakter) in ein kräftiges Mannsweib verwandelte und dazu bemächtigte, mit ihrem Kopf festes Mauerwerk zu zerschmettern. Spielerisch habe ich die Unterwasserlevel von „Super Mario Bros.“ nicht im geringsten vermisst, dafür viel Spaß mit den herausfordernden Welten gehabt, 30 Stück an der Zahl, die hier und da ein paar ganz eigene Ideen inne hatten, so auch der brüchige Boden, der bei Berührung zerbröckelt. Die Bossgegner (Drachen und riesige Ameise) boten ein Hauch mehr Abwechslung, als es Bowser im Erstling vermochte.

Die „Giana Sisters“ waren jedenfalls meine erste große Videospielliebe, umso mehr freue ich mich, dass nach all den Jahren ein weiterer Nachfolger erscheinen soll, der im ersten Videomaterial anspruchsvoller wirkt, als die sehr einfache Nintendo DS-Version. Optisch erinnert das "Giana Projekt" an das visuell bezaubernde "Trine" und präsentiert einige frische Ideen, zum Beispiel der Wechsel zwischen der Traum- und Alptraumwelt, der Giana jederzeit in die schrille Maria verwandelt. Zwar scheint der Punk Ball Geschichte somit zu sein, auf der anderen Seite ergänzen die Fertigkeiten beider "Charaktere" auf dem ersten Blick prima.

Eine Spende für die „Giana Sisters“

Auf der Website des Entwicklerstudios "Black Forest Games", das von ehemalige Mitgliedern der Spieleschmiede Spellbound ins Leben gerufen, die wiederum einst Armin Gessert, den Erfinder der „Giana Sisters“, der bedauerlicherweise am 08.11.2009 überraschend verstarb,  gründet wurden. Dort findet Ihr Screenshots zum neuen Teil, sowie eine Verlinkung zu ihrer Kickstarter-Seite. Ebenfalls auf dieser findet Ihr ein erstes Video, das mit äußerst hübsche Spielszenen an „Trine“ erinnert und um eine kleine Spende bittet.

Zwar ist das „Giana-Projekt“ beinahe abgeschlossen, nur gehen die finanziellen Mittel langsam nur Neige. Eine Finanzspritze würde nicht nur dafür sorgen, dass das Spiel das Licht der Welt erblickt, nein , es wird sogar mehr Welten, mehr Gegner, mehr Bossgegner und weitere Details geben. Giana-Fans der 80er werden nur schwer herumkommen, nicht wenigstens $10 zu spenden, immerhin winkt eine DRM-freie Download-Version als Belohnung. Weitere Spendenstaffelungen locken mit tollen Extras: Soundtrack (digital oder als physischen Datenträger), ein Artwork (digital oder gedruckt) T-Shirts und Kissen. Wer mal eben $10.000 übrig hat, der bekommt als Gegenleistung die Originalversion des Atari-ST.

Video

Benny

Und wie funktioniert Kickstarter?

Mit dieser Frage musste ich mich gestern tatsächlich kurz beschäftigen, da ich zum ersten Mal via Kickstarter Geld für ein solches Projekt spenden wollte. Die Antwort ist einfach: Wer eine Kreditkarte hat, kann dank Amazon Payments eine gewünschte Summe spenden, die auch nur dann vom Konto abgebucht wird, wenn die Spendenaktion erfolgreich verlief. Kamen die angepeilten $150.000 nicht zusammen, wird von Euch auch kein Geld abgebucht.

Den Link findet Ihr hier.

Ich jedenfalls hoffe, mit meinen $25 einen entsprechenden Beitrag geleistet zu haben, damit die Spendenaktion erfolgreich verläuft und freue mich bereits auf die DRM-freie Vollversion, dem digitalen Soundtrack und der Vorabdemo, die ich schon im August erhalten soll.

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