Review

The Amazing Spider-Man (2012)

Produktionsland: USA | Genre: Action | Produktionsjahr: 2012 | Altersfreigabe: FSK 12

Aller guten Dinge sind Reboots. Zumindest in Hollywood. Das dachte sich Sony wohl auch, als sie sich dazu entschieden, das in den Graben gefahrene Franchise um den Wandkrabbler wieder aufzunehmen.

Fünf Jahre ist es her, dass Tobey Maguire sich in einem hautengen Spandex-Anzug über die Leinwand schwang und dabei den einen oder anderen Spider-Man Fan vergrätze. Schuld daran war jedoch nicht der in die Jahre gekommene Hauptdarsteller, der damals bereits 32 Jahre alt war, sondern vielmehr die Entscheidungen des Regisseurs und Drehbuchautoren Sam Raimi. Entscheidungen und Einflüsse, die man durch einen vierten Ableger der Filmreihe nicht wieder ausbessern hätte können. Auf den ersten Blick stellte dies natürlich eine Tragödie für das Franchise dar, auf den zweiten Blick jedoch war es wohl Glück im Unglück, denn durch den Superhelden-Wahn, der nun seit einiger Zeit die Kinos beherrscht, konnte Sony sicher sein, dass der Neustart von Spider-Man finanziell erfolgreich sein würde. Damit lagen sie bisher auch sehr richtig, denn in den USA konnte The Amazing Spider-Man bereits am Veröffentlichungstag Rekorde brechen.

Alles auf Anfang!

Vieles fühlt sich bekannt an, als ich in der Preview zu The Amazing Spider-Man sitze und doch ist  irgendwie alles anders. Verantwortlich dafür ist vermutlich die Zusammenarbeit von Regisseur Marc Webb, der bisher für seine Arbeit an "The Office" oder dem Film "500 Days of Summer" bekannt ist und dem Drehbuchautor James Vanderbilt, der mit Spideys neuestem Kinoauftritt sein Debüt als Schreiberling gibt. Offensichtlich hielt man sich hier mehr an die Comicfassung. So sieht zum Beispiel Andrew Garfield, der Peter Parker spielt, weit jünger aus als noch sein Vorgänger Tobey Maguire. Auch die damalige Romanze mit Mary Jane Watson, damals durch Kirsten Dunst besetzt, wurde gegen Parkers erste große Comicliebe Gwen Stacy (Emma Stone) ersetzt. Aber das sind nur zwei der markanten Änderungen, die wiederum sehr viel an der Atmosphäre ändern und den Film dadurch von der vorigen Trilogie abheben.

Dunkel ist das neue Bunt

In The Amazing Spider-Man herrscht eine düsterere Stimmung als in der Raimi- Reihe. Warum? Na, weil düster heutzutage mehr Personen anspricht! Wer sich noch an Spider-Man 3 aus dem Jahre 2007 erinnert, weiß sicherlich noch, dass man dies damals bereits versuchte, daran jedoch kläglich scheiterte. Grund dafür war die Unausgeglichenheit des Filmes. Es wirkte so, als wenn man nicht genau wusste wie man den Netzschwinger aus dem farbenfrohen Stil heraus transportieren sollte. Nicht so im Reboot. The Amazing Spider-Man wird ab der ersten Sekunde in ein dunkelblaues Licht getaucht und auch der geschichtliche Aufbau wird durch den erstmaligen Blick auf das Kindesalter von Peter Parker sehr viel finsterer dargestellt. Ein ansprechender Start für die auf drei Filme ausgelegte Geschichte um Parker und seine große Gabe. Auch der weitere Verlauf in The Amazing Spider-Man sieht nicht immer rosig aus. Nicht nur Spider-Man trägt physische und psychische Blessuren aus den Kämpfen seiner beiden Leben davon, es herrschen Rundumschläge. Doch hier gibt es ein kleines Manko: Andrew Garfield ist in der Darstellung von Emotionen noch nicht völlig ausgereift und so könnte es dazu kommen, dass sich daraus für den einen oder anderen Zuschauer teilweise unfreiwillige Komik ergibt, diese hingegen kann dafür wiederum richtig punkten: Es gibt kaum Momente in denen Spidey keinen Witz auf den Lippen hat. Nicht mal dann, wenn er sich gegen Dr. Connors, alias "Die Echse", in - hervorragend inszenierten - Kämpfen behaupten muss. Die Echse wird dabei von Rhys Ifans verkörpert, der in seiner Rolle als Gegenspieler mal mehr und mal weniger brilliert. Während er anfänglich noch nachvollziehbar handelt und darstellt, wirkt es im Verlauf des Filmes sehr overacted. Zum Glück gibt es da noch das Antlitz der Echse, das mit sehr schönen CGI-Effekten aufwarten kann und somit Illusion und Realität vermischt. Mit dem Wort "verwischt" komme ich nun auch zu dem letzten Satz vor meinem Fazit: Durch den 3D- (nun ja wie soll ich es ausdrücken...?) Zwang (!) geht bei der schnellen Action hin und wieder doch das eine oder andere scharfe Bild flöten und so kam mir hin und wieder das Gefühl, eine schöne Einstellung verpasst zu haben.

Trailer

Christopher

Fazit:

Man kann sich über das Thema streiten. War es möglicherweise zu früh für einen Reboot? Ich selber meine: nein.

Denn Sony hat sich mit dem Neustart des Spider-Man Franchise einen Zeitpunkt ausgesucht, wo noch nicht alle völlig von den ganzen Superheldenfilmen übersättigt sind. Auch die Qualität der Produktion weiß zu überzeugen und so kam ich aus dem Kino mit dem Gefühl, gut unterhalten worden zu sein. Man hat es mit The Amazing Spider-Man geschafft, einen guten Grundstein für eine hoffentlich grandiose Reihe zu legen und jeder, der sich in das Kino setzt und einen Spider-Man Film erwartet, wird sicherlich nicht enttäuscht werden. Als einziges Manko am Ende bleibt meiner Meinung nach die trendige 3D-Brille.

Die meisten Kinos bieten Filme nicht in der 2D- Variante an. Das ist schade und kostet unnötig viel Geld. Somit hoffe ich, dass dieser Hype in Zukunft abklingen wird und ich ohne Druckstellen an den Ohren das Lichtspielhaus verlassen kann.

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