Filmtipp

A Chinese Ghost Story (1987)

Produktionsland: China | Genre: Romanze/Action | Altersfreigabe: FSK 16

Zur Zeit des alten Chinas: Als der naive Schuldeneintreiber Ling Choi Sin (Leslie Cheung) in ein Unwetter gerät und der Regen die Eintragungen in sein Schuldbuch unerkenntlich macht, bietet ihm einzig der Lan-Ro-Tempel eine kostenlose Bleibe. Ohne zu ahnen, was ihn dort erwartet, macht Ling sich auf dem Weg zu jenem verlassenen Ort, an dem böse Geister hausen. Doch gänzlich allein ist er nicht. Der einstige Marshall Yin Chek Hsia (Ma Wu) hält sich seit langer Zeit im Tempel versteckt, um der Heuchelei und der Unehrlichkeit in der Welt zu entfliehen und verhält sich nunmehr wie ein Geist bei den Menschen und wie ein Mensch bei den Geistern. Ein merkwürdiger Kauz, der Ling den Rat gibt, den Lan-Ro-Tempel zu verlassen.

Ein „geistreiches“ Märchen

Aber wo soll er hin ohne Geld? Ling pfeift auf den gutgemeinten Rat, macht sich an die Arbeit, das Schuldbuch erneut niederzuschreiben und lernt alsbald die hübsche Lit Sin Seen (Joey Wong) kennen. Was er noch nicht weiß, sie ist ein Geist. Gegen ihren Willen verführt sie als Sklavin Männer, die von ihrer Herrin, einem tausend Jahre alten Baumdämon, ausgesaugt werden und fortan eine Existenz als Zombie fristen. Es ist die unbeholfene, wie herzensgute Art von Ling, die Lit verzaubert, weshalb sie den gutmütigen Schuldeneintreiber verschont und sich in ihn verliebt – wie auch er sich in sie. Hat ihre Liebe eine Zukunft? Genügend Hindernisse stellen sich den beiden in den Weg, so auch der Fürst der Finsternis, dem Lit vom Baumdämon versprochen wurde.

„A Chinese Ghost Story“ ist ein wundervoller Film, der zeigt, dass gelungene Märchen nicht einzig den Gebrüder Grimm vorbehalten sind und spielendleicht diverse Genre aufgreift: Romantik, Martial Arts, Splatter, Drama, eine winzige Prise Horror und Humor werden auf perfekte Weise miteinander verwoben, wobei die teils albernen Slapstick-Einlagen nicht unbedingt jedermanns Sache sein dürften, aber wohl dosiert längst nicht das Gesamtwerk dominieren. Dass die Spezialeffekte mittlerweile angestaubt sind, dürfte hinsichtlich des Produktionsjahres (1987) nicht weiter überraschen. Für effektverwöhnte Kinogänger heutiger Standards mag dieses bezaubernde Märchen in Richtung Trash gehen, routinierte Filmfreunde werden den einmaligen Charme dieses Filmes zu schätzen wissen, der von liebevoll umgesetzten Filmtricks  und einem fantastischen Soundtrack getragen wird!

Screenshots

Benny

Fazit

Wie vielen Filmen gelingt es, mich das Hier und Jetzt vergessen zu lassen und mich auf eine kuriose Fantasiereise zu schicken? Wenn überhaupt nur eine Handvoll. „A Chinese Ghost Story“ gelingt dieses Kunststück jedes Mal auf's Neue. Während die fabelhafte Titelmelodie eine faszinierende Atmosphäre erzeugt und zum tollen Bühnenbild passt, spielen die Schauspieler ihre sympathischen Rollen vorbildlich. Einzig kritisieren könnte ich nur den albernen Humor, der an wenigen Stellen etwas dezenter hätte sein können, sowie eine bestimmte Szene des Baumdämons, die handwerklich hätte besser gemacht sein können. Nichtsdestotrotz gehört dieser Klassiker des chinesischen Kinos zu meinen Lieblingsfilmen.

Der zweite Teil spinnt die Geschichte übrigens fort, während der letzte Teil der Trilogie mehr oder weniger eine Neuinterpretation des Erstlings ist. Gespannt bin ich auf das 2011er Remake, entstanden unter der Führung von Wilson Yip, dem Regisseur von „Ip Man“. Veröffentlicht wird dieses Werk hierzulande am 15. Oktober.

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.