Musiktipp

Social Suicide - A Genetic Hoax

Albumtitel: A Genetic Hoax | Genre: Post-Hardcore | Veröffentlicht durch Redfield Records

"Social Suicide"? Was verbirgt sich wohl hinter diesem Bandnamen? Eine vierköpfige Hardcore-Band aus Norwegen, welche in Eigenregie schon 2008 ihre erste EP "Kansas City Shuffle" veröffentlichte, zwischendurch sogar den Sänger wechseln musste und inzwischen über Redfield Records ihr zweites Album, erstmal nur in digitaler Form, veröffentlicht hat. Der Kollege Christopher hat mir die Jungs einfach in die Hand gedrückt, da ich gelegentlich ja mit dem Genre etwas anzufangen weiß.

Musik für den Schrauber

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn das Album so im Player rotiert, fällt es mir schwer, auf der Couch entspannt zu sitzen. Nicht, dass es sich bei der Platte um das große Partymaterial handelt – man verspürt entweder die Lust die Lederjacke anzuziehen und ein kühles Pils in der Rockkneipe des Vertrauens einzunehmen, oder an einem sonnigen Sommertag in der Garage an seinem Wagen rumzuschrauben. Vom Sound her sind "Social Suicide" überwiegend im Post-Hardcore angesiedelt, wo sie mit ihrem dreckigen, teilweise knüppelharten Sound das richtige Rebellen-Feeling wecken, durch teilweise aber auch relativ eingängigen Gesangs-Passagen, die Laune positiv beinträchtigen. Aber nicht, dass ich damit sagen will, dass es sich hier um Macho-Musik handelt: Es ist einfach amtlicher Rock, der die ablehnende Haltung gegenüber der Gesellschaft in einem Lebensgefühl bündelt. Dabei geht es auf dem Album immer deutlich nach vorne, fast schon als wäre den Norwegern egal, was sich ihnen in den Weg stellt.

Zehn mal bitte auf die Fresse

"A Genetic Hoax" beginnt mit dem gleichnamigen Song und findet so seinen fulminanten Auftakt. Einige Gesangs- und Gitarren-Melodien haben es in sich und bezaubern deshalb schon beim ersten Durchhören. "Fatal Forms Of Infinity" oder "One Tragic Victory" überraschen zudem mit ein wenig hellem (Frauen?-)gesang, damit man sich etwas vom Schreien abkühlen kann. Zwischendurch erreicht die Scheibe dann mit Tracks wie "Truth In Its Pseudo Form" zwischenzeitlich eine schön trockene Grundhärte.

Die insgesamt zehn Songs wissen ähnlich, wie im Vorgänger schon, Elemente aus Hardcore, Metal und Punk gut zu vermengen und so spielen "Social Suicide" gerne auch schon einmal mit den Gewohnheiten. Aggressive, aber teilweise auch sehr Mid- oder Lowtempo-Passagen zeugen auch von genug Talent bezüglich des Tempos. An der Dramaturgie aber finde ich noch nicht alles rund – stellenweise stellt sich bei mir eine Übersättigung ein, da zum Beispiel der neue Sänger sich dermaßen die Seele aus dem Leib schreit, dass der Härte-Level zu lange oben gehalten wird und gerade auf Kopfhörern etwas schlaucht. Keiner der Songs Song geht deutlich über vier Minuten, somit hat man immerhin ein kurzweiliges Vergnügen. "Justice Goes To Sleep" und "Formative Destruction" stellen sich letztendlich als meine Lieblingssongs ein, bei dem mir die bereits angesprochene Mischung besonders gut gefällt.

Social Suicide - Broken Pilgrims (auf dem Vorgänger Album)

Link

Facebook-Seite: http://www.facebook.com/socialsuicideofficial

Piet

Fazit

Seit einigen Tagen höre ich immer wieder in die CD, um auf ein Fazit zu kommen, welches dem Album gerecht wird. Gar nicht so einfach, denn wenn ich mich sonst so im Hardcore-Bereich bewege, erobern Bands wie "Kvelertak" oder "HORSE the Band" meine Ohren, da sie, ob durch den Kniff Rock n' Roll und Black Metal, oder hartem Geballer mit NES-Sounds, sehr progressiv neue Klangwelten schaffen. "Social Suicide" ist eigentlich ebenso wenig leicht einzuordnen, aber der letzte Funke hat mir da gefehlt, um als mein Monats-Highlight durchzukommen. Ich nehme an, ein passionierter Hardcore-Hörer findet hier definitiv eine gute Scheibe, um seine digitale Sammlung ordentlich aufzustocken, und der eine oder andere Track passt gut in jede Playlist für's Auto, sofern man auf derbere Musik steht. Hört einfach mal rein, das kostet ja nichts.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Redfield Records für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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