Review

Callejon - Blitzkreuz

Albumtitel: Blitzkreuz | Genre: Metalcore | Label: Sony Music

Ich traf sie im Beerdigungscafe, wurde von ihnen infiziert und erhielt eine Behandlung durch ihre "Videodrom-Signale". Callejon ist nicht nur eine einfache Metal-Band – Sie ist vielmehr wie eine Droge, die mich ab dem ersten Song angefixt hat und seitdem nicht mehr loslässt. Einen Tag ohne brachialem Schlagzeuggehämmer, edlem Gitarrengeschreddere, tiefgehenden Bässen und geschrienen Ohrwurmtexten und ich fange an zu zittern! Umso höher sprang mein Junkie-Herz am Anfang des Jahres als ich las, dass ein neues Album in der Mache sei und sogar schon der titelgebende Song mit Video abgeliefert wurde! Callejon tauften ihr Flaggschiff auf den Namen "Blitzkreuz" und wie dieser Blitz einschlagen wird, oder ob das Album dann doch lieber gekreuzigt werden sollte – das erfahrt Ihr, wenn Ihr den folgenden Zeilen aufmerksam folgt.

Alles bleibt Gleich!

Zwei Jahre ist es nun her, seit Callejon unser Trommelfell mit ihrem Album "Videodrom" auf das Brutalste strapazierten. Zwei Jahre, die die Band gut genutzt hat: Touren, Festivals, Autogrammstunden; alles haben die fünf Düsseldorfer mitgenommen. Sogar eine Umstellung der Band ist vorgenommen worden. Anstelle des im Jahre 2010 verstorbenen Bassisten Sebastian Gallinat zupft nun Thorsten Becker am Bass und auch an der Gitarre hat man mit Christoph Koterzina Zuwachs gefunden. Doch wer sich möglicherweise Sorgen machte, dass das an der gewohnten Qualität nagen könnte, dem sei versichert, dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil: Das Klangbild ist neu und frisch und dennoch wahrte man sich den altbekannten Callejon-Stil: Treibend, laut, dreckig und jederzeit rhythmisch! Hier kommt man auch nach Jahren immer noch ohne Elektro/Dubstepbeats oder Stimmenverzerrer aus!

Mit Hirn und Herz

Wie ist denn nun das neue Album? Diese Frage geht schon ein Schritt zu weit. Die bessere Frage ist: Wie bereite ich mich auf "Blitzkreuz" vor? Ich würde sagen, mit einer Packung Kleenex, einem guten Boxensystem, ein paar Beruhigungstabletten und einer Halskrause, gegen Nackenschmerzen vom exzessiven Headbangen ist man schon gut beraten. Nun heißt es nur noch, die Start-Taste zu drücken und sich am Stuhl festzuklammern. Denn bereits ab dem ersten Song "Blitzkreuz" wird Euer Hintern mit brachialer Gewalt in den Sitz gepresst! Hier präsentiert sich Callejon, wie man sie kennt und liebt. Energiegeladen, und niemals zu bescheiden, dem Schlagzeug noch ein paar oben drauf zu geben! Ohne zu wissen, wie einem geschieht, wird man direkt zum nächsten Song geprügelt. "Kojote U.G.L.Y." heißt diese Symphonie und sie hebt sich sofort durch einen mitgröhlbaren Text hervor und so ertappt man sich nach kürzester Zeit selbst, wie man anfängt total schief durch den Raum zu Schreien. Zum Glück wurde auch an ein wenig Zeit zum Verschnaufen gedacht und so geht es etwas ruhiger in den nächsten Song "Meine Liebe" über. Komplett verständlich gesungen, und nur durch kurze Schreie im Hintergrund, erinnert man sich lächelnd zurück an die Balladen von dem Album "ZombieActionHauptquartier", welches auch schon einige melancholische Nummern für den Hörer parat hielt. Mit "Kind im Nebel" hat man ein weiteres Ständchen für den Gefühlsmenschen im Gepäck, hier ist was für den Denker dabei. Generell fühlt und hört es sich so an, als ob Callejon mit "Blitzkreuz" noch mehr zum Nachdenken anregen wollen. Besonders das Thema Politik wird mit einem akustischen Scheinwerfer beleuchtet. Tracks wie "Atlantis", "Was bleibt seid ihr", "Polar" und auch "Bring mich fort" schreien gerade zu heraus, wie satt man es hat dem Verfall von Dingen anzusehen, die man einst so sehr liebte.

Aber auf ein zwinkerndes Auge wollte man dann doch nicht ganz verzichten und so presste man mit "Porn from Spain II" nochmal einen richtig partyfähigen Track auf die Scheibe, der von Humor nur so trieft und dazu noch alte Bekannte, wie die Rapper von K.I.Z. featured. Das klingt nicht nur abstrus, das ist es auch! Am Ende bleibt nur noch zu sagen, dass die zwei Jahre Wartezeit sich mehr als gelohnt haben und man mit "Blitzkreuz" einen würdigen Nachfolger zu "Videodrom" geschaffen hat.

"Blitzkreuz"

Christopher

Fazit:

Callejon hat sich mit "Blitzkreuz" selbst übertroffen. Das Album ist vielseitig, aussagekräftig und man hört ganz klar eine Entwicklung heraus. "Eine Entwicklung?!" da bibbern den Fans bereits die Beine. Aber man  kann eine Entwarnung heraus geben, denn Callejon entwickelt sich in die einzig richtige Richtung: Ihre eigene. Und alle,  Hörer Wissen, dass wenn Callejon ihren eigenen Weg nimmt, nur etwas Gutes daraus entstehen kann. Ich bin begeistert und werde sicherlich noch Monate mit diesem Album beschäftigt sein, denn für mich ist es bereits jetzt das Album des Jahres! Wer wie ich nicht genug von den Jungs bekommen kann, der sollte sich mal nach Tickets umhören, denn zum Ende des Jahres hin betreten Callejon mit ihrer "Blitzkreuz-Tour" die Bühnen dieses Landes!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sony Music für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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