Videospiele

Augmented Reality auf PS Vita

Feature

Was ist Augmented Reality?

Augmented Reality, abgekürzt AR, heißt wörtlich übersetzt "Erweiterte Realität". Diese Übersetzung trifft ziemlich genau das, was uns erwartet, wenn wir ein AR-Spiel sehen. Es geht darum, das durch eine Kamera eingefangene Bild mit computergenerierten Inhalten so zu überlagern, dass auf dem Bildschirm die Illusion entsteht, ein 3D-Objekt befände sich perspektivisch korrekt im Raum vor uns. Das "Gefühl" wird verstärkt, wenn Bewegungen der Kamera in Echtzeit dazu führen, dass wir dieses Objekt von verschiedenen Seiten oder aus unterschiedlichen Entfernungen sehen können.

Wie funktioniert AR auf der PSVita?

Jeder Käufer einer PS Vita findet in der Packung eine Hülle mit insgesamt 6 sogenannten AR-Karten. Abhängig vom gestarteten Spiel müssen eine bis sechs dieser Karten auf dem Boden oder dem Tisch vor euch platziert werden. Anhand der Lage der Karten, die wegen des auffälligen Quadrat-Musters vom jeweiligen Spiel erkannt werden, kann die PS Vita erkennen, in welchem Winkel und mit welchem Abstand sie gehalten wird. Aus diesen Daten können dann beliebige 3D-Objekte in die real abgefilmte Szene integriert werden. Lediglich die relativ geringe Auflösung der PS Vita Kamera führt dazu, dass sich die berechneten 3D-Objekte recht deutlich vom Hintergrund abheben. Ebenso sollte auf eine gute Ausleuchtung des Raumes geachtet werden, da der gefilmte Hintergrund sonst zu kontrastarm ist.

Insgesamt bietet das Lineup der PS Vita zur Zeit 6 Spiele, die dieses AR-Feature als grundlegende Spielidee nutzen: Reality Fighters, Fireworks, Cliff Diving, Table Football, Table Top Tanks und PulzAR. Darüberhinaus bieten auch andere Titel wie Virtua Tennis oder Wipeout 2048 AR-Features, die aber eher als nette Dreingabe zu sehen und nicht Teil des eigentlichen Gameplays sind.  Im ersten Teil unseres kleinen AR-Specials möchte ich Euch zwei der genannten Spiele vorstellen, die die Illusion, eine kleine Spielfläche vor sich zu haben, nahezu perfekt umsetzen: Cliff Diving und Table Top Tanks. In einem zweiten Artikel stelle ich Euch dann Table Football und das neue PulzAR vor.

Cliff Diving

Bei "Cliff Diving" handelt es sich um ein Kunstsprung-Simulator, bei dem ihr einen Springer von einer Klippe oder einem Sprungbrett ins Wasser fliegen lassen müsst. Neben der stetig steigenden Herausforderung, überhaupt das Wasser zu treffen, müssen zudem noch vorgegebene Figuren gezeigt und schwebende Ringe durchflogen werden. Mit jedem Sprung verdient Ihr etwas Geld, für das sich neue Sprung-Herausforderungen und letzlich auch Szenen freischalten lassen.

Während sich der spielerische Tiefgang von Cliff Diving ziemlich in Grenzen hält, ist der AR-Effekt wirklich verblüffend. Das Spiel benötigt zunächst nur eine einzige AR-Karte. Beginnt das Spiel, öffnet sich plötzlich dort, wo eben noch die AR-Karte lag, ein tiefes Loch im Tisch, das sich mit Wasser füllt. Zeitgleich erhebt sich mit einigem Getöse nebenan ein kleiner Berg auf dem ein Sprungbrett befestigt ist. Aus einiger Entfernung vernimmt man das Geräusch eine Helikoptors und ein Schatten huscht über den Tisch. Kurz mit der PS Vita hochgeschwenkt, sieht man den Springer, wie er gerade vom Hubschrauber auf dem Berg abgesetzt wird.

Neben vorgefertigten Szenen, wie einem Eisberg oder einem Schiffswrack, darf man aus Alltagsgegenständen auch eine eigene Sprung-Kulisse errichten. Dafür werden zwei AR-Karten benötigt. Eine wird als Wasser-Becken beispielsweise auf den Tisch gelegt. Die zweite AR-Karte liegt etwas höher, zum Beispiel auf einem Stapel Bücher, daneben. Perspektivisch korrekt setzt nun der Hubschrauber den Springer auf den Büchern ab, bevor dieser nach etlichen Salti ins kleine Becken eintaucht.

Cliff Diving gibt es im PSN Store gratis.

Table Top Tanks

In Tabletop Tanks treten Spielzeug-Panzer in einer kleinen Arena gegeneinander in verschiednenen Spielmodi an. Neben dem klassischen "Deathmatch" und dem ebenso klassischen "Capture the Flag" gibt es noch einen Überlebensmodus. Für Solo-Spieler gibt es neben der Möglichkeit KI-Spieler in die Partie zu holen noch einen Herausforderungsmodus, bei dem in einer vorgegebenen Zeit Aufgaben erfüllt werden müssen. Die  Herausforderungen bestehen zumeist darin, innerhalb einer Zeitvorgabe Wegpunkte abzufahren oder Zielscheiben zu treffen. In schwierigeren Stufen erschweren feindliche Panzer die freie Fahrt, oder es müssen zunächst Geschütztürme ausgeschaltet werden. Zufällige Pickups wie Dreifach-Schuss, zielsuchende Raketen, Schutzschild oder Reparatur sollte man seinem Gegner wegschnappen.

Ein verblüffender Effekt, den ich bei den ersten Runden gar nicht bewußt wahrgenommen habe, ist übrigens direkt zu Beginn jeder Runde zu sehen: Zwei Düsenjets fliegen über das Spielfeld und lassen Bomben auf die AR-Karten fallen, die daraufhin hochwirbeln und wegfliegen. Während des Spiels sah ich an der Stelle, wo in Wirklichkeit die AR-Karten lagen einfach nur die Tischplatte. "Reduced Reality" statt "Augmented Reality". Der angwandte Trick fällt auf, sobald die Unterlage ein Muster hat. Tatsächlich wird ein Stück Textur knapp unterhalb der AR-Karte genommen und perspektivisch korrekt über die AR-Karte geklebt.

Table Top Tanks treibt das AR-Konzept sogar noch eine Stufe weiter, indem es einen Editor mitbringt, der es erlaubt, reale Gegenstände, wie zum Beispiel eine Kaffeetasse quasi unsichtbar nachzumodellieren. Im Spiel ist ein realer Gegenstand dann auch tatsächlich ein Hindernis. Ein Panzer, der hinter der Tasse entlang fährt, wird durch diese auch korrekt verdeckt. Als i-Tüpfelchen lassen sich noch Materialeigenschaften wie Rauch, Feuer oder Wasser festlegen. Trifft ein Schuß die Tasse, läuft an dieser Stelle Wasser aus einem kleinen Loch.

Table Top Tanks gibt es für 1,99 EUR im PSN Store.

Christian

Fazit

Augmented Reality ist nichts neues. Schon die PS3 (Eye of Judgment, EyePet, Start The Party, u.a.) und die PSP (EyePet, Invinzimals) haben entsprechende Titel im Angebot. Interessant an der PS Vita ist die Tatsache, dass die benötigte Hardware bereits serienmäßig verbaut ist. Abgesehen von den AR-Karten und einem passenden Spiel, wird nichts weiter benötigt, als das Interesse, sich mit dieser Technik auseinanderzusetzen. Spielerischen Tiefgang darf man von den bisherigen Titeln nicht erwarten, aber das eine oder andere "Wow!"-Erlebnis darf man erleben, wenn man sich der Illusion hingibt.

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.