Review

Amnesia: The Dark Descent

Plattformen: PC / Mac OS X / Linux | Entwickler: Frictional Games | USK: Nicht geprüft

Howard Phillips Lovecraft lächelt in seinem Grab. Klar, das tun alle Totenschädel, aber Frictional Games viertes Spiel sollte ihm trotzdem allen Grund dazu geben. Erzählerisch, wie auch spielerisch, spielt das junge Entwickler-Team geschickt die lovecraftschen Karten aus. Zusammen mit der tragischen Hauptfigur, gefangen in einem alten Gemäuer, wie auch seinen eigenen Gedanken, macht man sich auf, das Geheimnis um die eigene Person und das alter, geraubter Relikte zu lüften.

Während sich zu Beginn Kamera und Spielfigur strauchelnd vom Boden erheben, bekommt man schon eine leise Ahnung, dass man es hier nicht mit einem Helden zu tun hat. Daniel, unsere Hauptfigur, ist gerade aus einer Ohnmacht erwacht, die sein Gedächtnis leergefegt hinterlassen hat. Hätte er nicht diesen an ihn gerichteten Zettel mit einer Warnung gehabt, wüsste er noch nicht einmal seinen Namen. Während wir also nach weiteren handgeschriebenen Nachrichten suchen, um mehr Licht in Daniels Vergangenheit zu bringen, finden wir auch eine Öllampe, welche unser ständiger und engster Begleiter im Spiel sein wird. Mit dieser bringen wir nicht nur Licht in die Teile des riesigen Anwesens, welche ohne Kerzen auskommt, sondern auch wieder Ruhe in Daniels Psyche. Ein spielerischer Bestandteil ist nämlich, dass unsere Figur sich zu keiner Zeit richtig wehren kann und den tödlichen Bedrohungen im Spiel so gut wie möglich aus dem Weg gehen muss. Praktisch sieht das so aus, dass wir bei erlauschten Geräuschen in nächster Nähe schleunigst das Licht löschen und um die Ecken der kärglich beleuchteten Gänge spähen, in der Hoffnung zuerst die dort lauernden Monster zu erspähen. Hat man diese Hürden dann hinter sich gebracht, sollte man schleunigst wieder die Lampe einschalten, denn sonst liegt Daniel ratzfatz, völlig entnervt am Boden und man darf sich den Game Over-Bildschirm ansehen.

Optisch darf man Amnesia: The Dark Descent als schlicht oder effektiv beschreiben. Die Grafik macht ihre Arbeit gut, kann aber bei weitem nicht mit Top-Titel mithalten und ruckelt gern mal auf etwas älteren Systemen. Aber wie gesagt, so wie das Spiel generell gestaltet wurde, kann sich die Atmosphäre angemessen entfalten. Man fühlt sich jederzeit gut hundert Jahre zurückversetzt mit den von Spinnenweben und antikem Mobiliar ausgestatteten Räumen. Auch die makaberen Forschungs- und Folter-Instrumente, die man später entdeckt, sind definitiv "asbach".

Wo die Grafik ihre Arbeit ausreichend macht und "nur" atmosphärisch punktet, schlägt sich der Sound wieder überdurchschnittlich gut. Frictional Games war ganz klar, dass ihr Spielprinzip, das vor der Furcht der Gefahr im Schatten, von der richtigen Musik und Geräuschen stark profitieren, wenn nicht gar abhängen, würde. Geisterhafte Melodien, die denen der Lovecraft-Hörspiele von LPL Records in nichts nachstehen, begleiten einen ständig und sorgen für aufgestellte Nackenhaare, auch wenn mal nichts Konkretes passiert. Schlurfen, Stöhnen, Ächzen, Hacken von Monstern, wie auch Apparaten sind äußerst überzeugend und treiben die eigene Fantasie zu düsteren Höhenflügen an.

Trailer

Bene

Fazit

Wer sich also gerne gruselt und fast permanent gespannte Nerven ertragen kann, sollte zumindest die Demo von Amnesia: The Dark Descent ausprobieren. Für jeden, der gerne einen Ego-Schleicher ohne Möglichkeit sich zu wehren spielt, sind die 15,- € bei Steam, oder sogar noch weniger im aktuellen Humble Bundle V, eine sehr gute Investition. Aber sagt nachher nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

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