Review

Unit 13

System: Playstation Vita | Genre: Taktik-Shooter | Freigabe: ab 16 Jahren

Wie viele Shooter habe ich eigentlich bereits gespielt? Viele. Verdammt viele! Wahrscheinlich sogar viel zu viele, dass mich das Genre seit längerer Zeit absolut kalt lässt - und das trotz oder gerade wegen der überzeichneten Ballerorgien moderner Marken. Stelle ich mir aber die Frage, welcher virtuelle Schusswechsel mich zuletzt begeistert hat, muss ich tatsächlich kurz nachdenken, um auf „S.T.A.L.K.E.R.“ (2007) und vor allem auf „Rainbow Six: Raven Shield“ (2003) zu kommen. Letzter Titel war ein unheimlich spannender Taktikshooter, der mich anno dazumal lange Zeit gefesselt hat, umso mehr war ich gespannt, ob „Unit 13“, ebenfalls ein Taktikshooter auf der PS Vita, mit der damaligen Begeisterung mithalten kann.

Vom Schleicher zum Rambo

Bereits das kurzweilige, wie auch informative Tutorial zeigt dem Spieler schnell, was ihn erwartet: Eine butterweiche 3rd-Person-Steuerung, die beinahe blitzblank von der Hand geht. Lediglich das Deckungssystem zickt hier und da, wenn der Protagonist seinen Gegner nicht anvisieren möchte und leicht umpositioniert werden muss. Ärgerlich, aber nicht frustrierend, da dieses Problem a) nicht allzu häufig vorkommt und b) der Erfolg ohnehin überwiegend im Hinterhalt liegt.

Auch die insgesamt 36 teils sehr anspruchsvollen Missionen lassen sich bereits im Tutorial erahnen: Am meisten Spaß haben mir die Tarn-Operationen gemacht, denn schlagen die Gegner bei Sichtkontakt oder Lärm Alarm, bzw. tappt man blindlings in den Blickwinkel einer Überwachungskamera, ist die Mission gelaufen. Da hilft es nur, die Routen der Patrouille auf der Karte zu studieren, sie mit aufgesetztem Schalldämpfer auszuknipsen oder mit dem Messer lautlos niederzustrecken. Dass man dem Smalltalk der Terroristen aus dem Hinterhalt heraus lauschen kann, ist ein nettes Gimmick, eine kleine Belohnung für die lautlose Aktion. Glaubhaft und spannend!

Das komplette Gegenstück sind die Deadline-Operationen, in denen das Missionsziel in einer vorgegeben Zeit erledigt werden müssen. Mienen und andere Hindernisse erschweren die actiongeladenen Operation, in denen eine kleine Übermacht mit Köpfchen ausgeschaltet werden muss. Sabotage- und Rettungseinsätze sorgen für nochmals mehr Abwechslung, auch wenn Interaktionen per Touchscreen mit der Umwelt hätten kreativer sein dürfen. Ein simples Antippen, das war’s dann schon. Für alle Missionen gilt, dass vor allem die alternativen Routen und auch der eigene Spielstil diverse Möglichkeiten bei der Vorgehensweise erlauben. Ebenso schön ist die Vielfalt beim Leveldesign: Von der U-Bahn bis hin zur Disco, hier gibt es vieles zu entdecken.

Neben der Highscore-Jagd halten nach Beendigung der 36 Einsätze auch die Primär-Missionen weiterhin bei Laune, in denen Gegner mit Rang und Namen beseitigt werden müssen. Und wer in seiner Freundesliste weitere „Unit 13“-Spieler vorzuweisen hat, kann per Wifi-Verbindung im Koop-Modus gänzlich neue Taktiken ausklügeln, die ein Mitstreiter überhaupt erst erlaubt.

Ich: Eine Ein-Mann-Armee

Das Faszinierende an „Rainbox Six: Raven Shield“ war der Wechsel zwischen mehreren Crewmitgliedern, die man auch manuell in Position bringen konnte, um beispielsweise eine Villa umstellen zu können. „Unit 13“ begrenzt das Geschehen im Singleplayer-Modus leider nur auf ein einziges Truppenmitglied, das man vor Missionsbeginn frei wählen darf. Ob Scharfschütze oder Techniker, die insgesamt sechs Charaktere, unterscheiden sich nicht nur in ihrer Ausrüstung und ihren Profilwerten, nein, sie lassen sich zudem mit freischaltbarem Equipment ausrüsten: Neue Feuerwaffen (Pistolen/Gewehre), diverse Granaten oder gar Sprengsätze samt Fernzünder sind nette Spielereien, die man gerne ausprobiert. Zwar wäre es schöner gewesen, wenn die Utensilien von Beginn an zur Verfügung gestanden hätten, aber immerhin wird der Levelaufstieg der Soldaten motivierend belohnt.

„Unit 13“ macht spielerisch sehr vieles richtig, Sound und Optik sind ebenfalls gelungen, wenngleich die Grafik in ihrer Gesamtheit nicht mit der Pracht von „Uncharted: Golden Abyss“ mithalten kann. Wirklich schade aber ist das Fehlen einer fesselnden Handlung. Ein Missionbriefing ist vorhanden, sogar gut vertont, aber ohne jeden Zusammenhang. Hier wurde eine Menge Potenzial verschenkt.

Trailer

Benny

Fazit

Die Handlung eines Taktikshooters muss ja nicht gleich aus der Feder eines Tom Clancy stammen, dennoch hätte ich mir einen fesselnden roten Faden gewünscht, der etwas mehr Spieltiefe bietet und auch jene Spieler anspricht, denen das reine Gameplay nicht ausreicht. Mir hat „Unit 13“ nichtsdestotrotz, nach Jahren meiner Shooter-Abstinenz, dank der spielerischen Abwechslung viel Spaß gemacht. Insbesondere die Tarn-Missionen haben mich fesseln können, während ich das Verhalten meiner Gegner analysiert habe und sie einen nach dem anderen ins virtuelle Jenseits befördert habe. Wer anstelle eines bombastisch überinszenierten Kopfschuss-Feuerwerk mehr Gefallen an Feuergefechten mit Köpfchen findet, kann bedenkenlos einen Blick riskieren.

Wertung: 7.8

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sony Computer Entertainment für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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